Kommentar IoT: So profitiert die Industrie

Heinz Arnold
Heinz Arnold

Wie der Mittelstand verhindern kann, dass sich Plattformen zwischen ihn und seine Kunden schieben - um das Heft in der Hand zu behalten.

Bayer geht im »Digital Farming« neue Wege: Das Programm Xarvio kann über die Kamera Unkrautsorten erkennen und entsprechende Behandlungsmethoden vorschlagen. Digital Farming wendet sich damit direkt an die Landwirte. »Jede Zeile Code ist von uns geschrieben«, erklärt Dr. Thomas Schilling, der Leiter der Unternehmensbereiches Digital Farming von Bayer. Dazu erforderlich: Eine starke IT und Cloud-Experten.

»Lassen Sie niemanden zwischen sich und den Kunden!«, so hatte es Roland Bent, Executive Vice President Marketing & Development von Phoenix Contact  auf dem 4. Markt & Technik Industrie 4.0 & Industrial Internet Summit schon 2016 formuliert. Denn wenn sich solche Gatekeeper einnisten, werde es gefährlich: Sie sagen den Herstellern (sie haben die Kosten), was die Kunden (sie haben das Geld) bestellen. Die Hersteller müssten also selber Plattformen entwickeln, um sich im Netz über Services differenzieren zu können.

Auch andere große Unternehmen zeigen, wie sich – nicht zuletzt über Partnerschaften – Plattformen aufbauen lassen. So hatte Siemens kürzlich auf SPS IPC Drives 2017 in Nürnberg mit der Industrie-4.0-Plattform MindSphere eine ganze Halle belegt, um zu demonstrieren, was sich damit alles anstellen lässt.

Das zeigt: Die großen Unternehmen bauen munter ihre Plattformen auf. Doch auch der Mittelstand scheint seine ursprüngliche Scheu vor der Cloud zu verlieren. Die führenden Anbieter von Web-Services wie Amazon, Google und Microsoft können ohne weiteres eingebunden werden, die Mittelständler dürfen sich dabei nur nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen.

Es kommt eben im Zeitalter des digitalen Zwillings darauf an, nicht einfach die Softwareentwicklung und die IT in Bausch und Bogen auszulagern. Sie zählen zu den elementaren Voraussetzungen, um im Industrie-4.0-Rennen mithalten zu können.

Dabei zählt die Größe nicht mehr alleine: Wie auf der SPS IPC Drives in Nürnberg zu sehen war, tummeln sich im Umfeld der Robotik viele neue Start-ups – auch Deutsche – die sich auf die Entwicklung von Algorithmen spezialisieren und die Branche wieder einmal durcheinander wirbeln könnten. Diese Firmen „bauen“ im übertragenen Sinne in der virtuellen Welt mit Hilfe ausgelagerten Prozessen in der Cloud – ganz nach Lehrbuch Industrie 4.0.

Es kommt also darauf an, die Möglichkeiten der Cloud zu nutzen. Dann können die Mittelständler und Start-ups hierzulande vom rasanten IoT-Wachstum gewaltig profitieren.