electronica 2018 Interessante Trends jenseits der Schlagwörter

Ein OLED-Killer?

Noch stolzer ist Inova darauf, dass in diesem Jahr auf der electronica demonstriert werden konnte: ISELED funktioniert. ISELED ist eine Technik, die RGB-LEDs smart macht und sich für die Ansteuerung vieler LEDs im Autos eignet. Auf der electronica vor zwei Jahren hatte Inova ISELED vorgestellt, jetzt gibt es die Produkte und es hat sich bereits ein interessantes Ecosystem aus LED-, IC-, Elektromechanik- und Optoelektronikfirmen im Rahmen der ISELED-Alliance formiert.

Zudem zeigt sich nun, dass sich APIX und ISELED sogar sinnvoll kombinieren lassen: Über den APIX-Datenstrom kann analysiert werden, welche Regionen auf dem LED-Bildschirm gerade dunkel, welche hell erscheinen sollen. Über ISELED können dann LEDs hinter dem Display entsprechend angesteuert werden, so dass das daraus resultierende dynamische Backlight für ein bei LEDs bisher unerreichtes Kontrastverhältnis sorgt. Einen guten Kontrast boten bisher nur OLEDs. Deshalb haben viele Automobilhersteller OLEDs eindesigned und nahmen wegen des guten Kontrastverhältnisses die Nachteile bezüglich der Lebensdauer und des Preises der OLEDs in Kauf. Da wäre ein LCD mit dynamischer Hintergrundbeleuchtung eine interessante Alternative. Umso mehr als sich jetzt herausstellt, dass bei den OLEDs ein interessanter Effekt eintritt: Bei steigenden Stückzahlen werden sie teurer anstatt kostengünstiger. Inova als der OLED-Killer?

Interessant auch, dass ISELED sich zu einem neuen Busstandard im Auto entwickeln könnte, so kostengünstig wie LIN und schnell wie CAN – ohne den teuren Overhead. Nicht nur Inova sondern auch Melexis arbeiten inzwischen an entsprechenden Systemen. Wird es künftig also mehr Busse im Auto statt weniger geben? Microchip jedenfalls will den MOST-Bus nicht ganz sterben lassen und hat auf der electronica den MOST-Nachfolger INICnet angekündigt, den das Unternehmen zum offenen Standard machen will, was MOST eben nicht war. 50 MBit/s über ungeschirmte Zweidrahtleitungen und 150 MBit/s über Koaxkabel lassen sich erreichen.

Überall ARM – und eine Alternative?

Dass ARM die Controller-Welt beherrscht, hat sich auf dieser electronica wieder eindrucksvoll bestätigt: Kein Controller-Hersteller mehr, der nicht auch eine ARM-Familie im Programm hätte. Sogar Microchip, die auf MIPS gesetzt hatte, ist nach der Übernahme von Atmel dabei. Interessant, dass Microsemi, die sich Microchip kürzlich einverleibt hatte, auf dem Gebiet der FPGAs in Richtung RISC V orientiert hatte. Die 2015 gegründete RISC-V-Foundation treibt die Open-Source-Befehlssatz-Architektur voran. Inzwischen sind bereits IPs und Chips auf Basis von RISC V erhältlich, beispielsweise von SiFive.

Auf der electronica hat Trinamic, ähnlich wie Inova einer der seltenen deutschen Firmen, die noch ICs entwickeln und vermarkten, mit »Ricontante« einen Single-Chip-Motortreiber vorgestellt, der auf Basis von RISC-V-ISA arbeitet. »Damit dürften wir nach Hyperstone die erste deutsche Firma sein, die eine neue Controllerarchitektur auf den Markt gebracht hat«, sagt Michale Randt, CEO von Trinamic. Ihn hat vor allem der Open-Source-Ansatz überzeugt, der es jedem erlaubt, auf Basis des offenen Befehlssatzes zu entwickeln.

Herausgekommen ist die weltweit erste RISC-V-Implementierung in einer Hochspannungstechnologie, die das direkte Ansteuern von N-Kanal-MOSFETs für die Regelung von BLDC-Motoren, Schrittmotoren, bürstenbehaftete DC-Motoren und Voice-Coil-Motoren ermöglicht.

Überzeugt hat RISC V offenbar auch Hersteller von Speichermodul-Controllern, so ist Western Digital inzwischen ein überzeugter Fürsprecher. Zudem scheinen nun auch Unternehmen auf diese Alternative aufmerksam zu werden, die für Luft-und Raumfahrt und für die Automobilindustrie und weitere Industrien entwickeln, bei denen es unter anderem auf lange Verfügbarkeit ankommt. Die Chance, unabhängig und ohne den Zwang irgendwelcher Lizenzmodelle arbeiten zu können, wirkt hier offenbar verlockend.

Im Embedded Markt findet derzeit bei den ARM-Baugruppen ein Generationswechsel statt, beispielsweise von i.MX6 auf i.MX8. Mehr Performance verspricht auch die Ryzen-Familie von AMD. Geht es um Intel-basierte Baugruppen wird verstärkt auf die Coffee-Lake-Generation gesetzt. Geht es um das Thema Security, was im Edge eine zunehmend wichtigere Rolle spielt, setzt Microsoft mit Azure Sphere, das Betriebssysteme, Cloud-Sicherheitsdienste und sogar Azure-Sphere-MCUs umfasst. Mit Windows für ARM wiederum versucht Microsoft erneut, auch in der ARM-Welt aktiv zu werden, dieses Mal aber mit einer oft brauchbaren Kompatibilität zu 32-bit-x86-Programmen.