Studie der Felten Group Industrie 4.0: Mehr Fragen als Antworten

Für erstaunlich viele Unternehmen ist Industrie 4.0 noch kein Thema. (n = 327 Unternehmen)
Für erstaunlich viele Unternehmen ist Industrie 4.0 noch kein Thema. (n = 327 Unternehmen)

Die meisten Fertigungsunternehmen erwarten von Industrie 4.0 einen wirtschaftlichen Nutzen, sind aber noch zurückhaltend, wenn es um konkrete Planungen geht. Erste Schritte zu Industrie 4.0 sind MES-Infrastrukturen mit ERP-Integration, standardisierte Produktionsabläufe und Analyse von Prozessdaten.

Mit dem Thema Industrie 4.0 verbinden die meisten Produktionsmanager in den Fertigungsunternehmen zwar generell spannende Perspektiven, weil es die Produktionsprinzipien völlig verändern wird. Gleichzeitig hat aber eine große Mehrheit von ihnen laut einer Studie des Software- und Beratungs-Unternehmens Felten Group noch erhebliche Schwierigkeiten, die neue Welt ausreichend zu verstehen.
Auf die Frage, wie sie das Thema Industrie 4.0 bewerten, geben vier von fünf der 327 befragten Produktionsverantwortlichen in Deutschland an, dass sich die Produktionsprinzipien völlig verändern werden. Wie genau, ist den meisten jedoch noch nicht klar. Denn 81 Prozent geben an, Industrie 4.0 sei für sie noch voller ungeklärter Fragen. Fast folgerichtig sind die Produktionsmanager auch mehrheitlich der Meinung, dass die technische Umsetzung vermutlich noch etwas dauern wird. Und auf dem Weg dorthin fühlt sich der Mittelstand besonders herausgefordert.

Auf der anderen Seite sind die Nutzenperspektiven von Industrie 4.0 für drei von fünf Befragten relativ klar, auch interne Akzeptanzschwierigkeiten bei den Mitarbeitern erwartet nur ein kleinerer Kreis von ihnen. Andererseits ist vielen noch nicht bewusst, welche neuen Chancen für die Wettbewerbsfähigkeit durch die Ausrichtung auf digital vernetzte Produktionsverhältnisse entstehen könnten.

In dieser Gemengelage von erwartungsvollem, aber unklarem Blick nach vorn erscheint es kaum verwunderlich, dass die strategische Ausrichtung zu Industrie 4.0 meist noch nicht eindeutig definiert ist. So beschäftigt sich erst jedes achte Produktionsunternehmen intensiv damit; etwa doppelt so viele sind gerade dabei, zunächst Nötiges zu dem Thema intern aufzubauen. Die meisten haben aber eine abwartende Position eingenommen. Entweder beobachten sie derzeit lediglich den Markt (37 Prozent) oder beschäftigen sich noch gar nicht damit (24 Prozent).

Dementsprechend ist der Kreis von Unternehmen, die ihre Ausrichtung auf eine umfassende Digitalisierung bereits intensiv planen, mit fünf Prozent noch sehr klein. In jedem zehnten Fall sollen in diesem Jahr immerhin die ersten Schritte vorbereitet werden, 2017 soll dann in den Planungen eine deutlichere Dynamik entstehen. Analog dazu sind die Investitionen für Industrie 4.0 im aktuellen Jahr auch noch sehr gering budgetiert: Nur vier Prozent der befragten Unternehmen haben schon in deutlichem Umfang finanzielle Mittel dafür vorgesehen, weitere 19 Prozent wollen geringfügig investieren. Alle anderen haben keine entsprechenden Budgets eingeplant oder dazu noch keine Entscheidung getroffen.

"Faktisch beschäftigt man sich jedoch schon deutlicher mit der Zukunft, auch wenn die Projekte nicht explizit den Namen Industrie 4.0 tragen", relativiert Werner Felten, Geschäftsführer des gleichnamigen Software-Hauses, die Befragungsergebnisse aus seinen Beobachtungen etwas. "Wir stellen fest, dass beispielsweise verstärkt in MES-Infrastrukturen mit ERP-Integration, standardisierten Produktionsabläufen und der Analyse von Prozessdaten zur effizienten Produktionssteuerung investiert wird." Damit würden wichtige Voraussetzungen geschaffen, erläutert er. "Denn das Industrie-4.0-Szenario verlangt, dass dezentral Echtzeitdaten zu Fertigungszeiten, Maschinenauslastungen, Personalressourcen, Material- und Energieverbräuchen und mehr bereitgestellt werden müssen."