Kommentar Industrie 4.0 definiert Differenzierung neu

Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@markt-technik.de

Ob die richtigen Partner für ein Projekt gefunden werden und ob die Kooperationen gelingen - davon hängt der Erfolg in der Industrie-4.0-Welt ab.

Eine embedded world nach einem electronica-Jahr, die für die meisten Aussteller noch besser verlief als die schon sehr gute Vorjahresmesse, wann hat es das schon jemals gegeben? Ganz überraschend kommt das nicht, denn in der Industrie-4.0-Welt ist Geschwindigkeit alles: Wer nicht agil ist, hat schon verloren. Geschichte wird gemacht, es geht voran.

Und das auf vielen Ebenen parallel – Sensorik und Sensorfusion spielen eine wesentliche Rolle. Die Daten sollen dann möglichst vor Ort ausgewertet werden, die Steuerungen der Maschinen lernfähig sein. Selbst für Experten ist es überraschend zu sehen, wie viel schon in den Edge-Geräten angekommen ist. Neuronale Netze lassen sich bereits auf verhältnismäßig kleinen Controllern mit geringer Energieaufnahme abbilden. Sie können aus den zur Verfügung stehenden Daten schnell lernen und eröffnen im Edge völlig neue Möglichkeiten.

Der größte Teil der Datenverarbeitung läuft dabei vor Ort ab, die Cloud spielt eine viel geringere Rolle, als das die meisten Experten noch vor Kurzem für möglich gehalten hätten. Selbst die großen Prozessorhersteller passen ihre Strategie jetzt eilig darauf an.

Im Zentrum steht die Vernetzung: Ohne Kommunikation geht gar nichts, am besten über Funk. Low-Power-Wide-Area-Networks sind mit ihrer geringen Datenrate, einer hohen Durchdringung und geringer Energieaufnahme für Industrie 4.0 besonders geeignet und legen kräftig zu, wie die Beispiele LoRa und Sigfox zeigen. Im lizenzierten Spektrum nimmt NB-IoT an Fahrt auf – zudem gibt es interessante neue Ansätze.

Über alle Sektoren gilt: Auch wenn häufig noch versucht wird, mit geschlossenen Systemen erfolgreich zu sein, Open Source ist auf dem Vormarsch. Das fängt auf der Prozessorebene an: Von RISC V wird sicherlich noch viel zu hören sein.

Vor allem aber gilt für die Industrie-4.0-Welt: Alte Berührungsängste müssen über Bord fliegen. Dirigenten sind gefragt, die Partner aus den unterschiedlichen Branchen innerhalb eines Projekts zu orchestrieren. Selbstverständlich läuft ohne die technischen Innovationen gar nichts – wo wäre das besser zu sehen als auf der embedded world? Doch ohne in jedem Sinne grenzübergreifende Partnerschaften sind selbst die größten Unternehmen und die tollsten Techniken in der vernetzten Welt verloren. Partnerschaften schnell aufbauen und zum Ziel führen zu können, darin dürfte in Zukunft der wesentliche Differenzierungsfaktor liegen.