Von der SPS zum Edge Controller Industrie 4.0: Auf den Migrationspfad kommt es an

Konkrete Anwendungsbeispiele sind für den Übergang zu Industrie 4.0 sehr wichtig. Ebenso entscheidend ist es allerdings, nicht nur Ergebnisse zu sehen, sondern auch den Weg dorthin. Es bedarf also klarer und möglichst einfacher Migrationspfade, etwa von der SPS zum Edge Cloud Controller.

»Weil wir nicht von heute auf morgen das alte Zeug wegwerfen können, brauchen wir dringend Migrationspfade«, betont Heinrich Munz, Lead Architect Industrie 4.0 im Bereich Research & Development von Kuka. »Sie müssen zeigen, wie ich in der Automatisierungstechnik vom heutigen Stand, der teilweise 30 Jahre gegenüber der IT zurückliegt, innerhalb kürzester Zeit auf den Stand komme, den die IT heute erreicht hat.« Er nennt gleich ein Beispiel: »Es gibt ein Produkt von Phoenix Contact, das eine hervorragende Unterstützung dafür leistet, nämlich die Soft-SPS ProConOS, die nicht nur in den fünf standardisierten IEC-61131-Sprachen programmierbar ist, sondern zusätzlich auch in C#. Der Clou des Migrationspfads liegt darin: Ich kann den Leuten einen Edge-Cloud-Controller anbieten, der in IEC 61131 programmierbar ist, so dass die Leute das tun können, was sie bisher getan haben. Wer aber will, kann sich unter Beibehaltung der aktuellen Umgebung langsam in die C#-Programmierung einarbeiten und kommt dadurch allmählich in die IT-Welt hinein. Solche Zwitter, die uns den Weg von alt nach neu ebnen, brauchen wir.«

Klaus-Dieter Walter, Geschäftsführer von SSV Software Systems, stimmt ihm zu: »Wichtig ist, dass wir Multifunktionsbausteine bekommen, die das Alte noch und das Neue schon können.« Und Dieter Meuser, Chief Technology Officer von itac Software: »Die Migration von der IEC-61131-Sprache zur Hochsprache ist schon zu bewerkstelligen.« Wichtig sei es aber, die Menschen auf dem Weg mitzunehmen: »Man darf den Faktor Mensch nicht außer Acht lassen. Manche Programmierer haben in ihren SPS-Tools vielleicht 30 Jahre lang gearbeitet, sind Mitte 50; sie an eine Hochsprache zu gewöhnen, dürfte schwierig werden.« Aber auch hier gibt es einen Migrationspfad, nämlich den allmählichen zwischen zwei Programmierer-Generationen: »Die Mitte-50-Jährigen können meinetwegen auch bei IEC 61131 bleiben, die müssen nicht unbedingt in C# programmieren, das machen dann eben die Jüngeren«, sagt Heinrich Munz.

Dr. Jörg Wollert, Professor am Lehrgebiet Mechatronik und Eingebettete Systeme der FH Aachen, sieht die Stoßrichtung der IEC-61131-Programmierung in ProConOS allerdings anders: »Bei Phoenix Contact geht es darum, dass man virtuelle Maschinen einsetzt«, führt er aus. »Das Thema lautet also Virtualisierung und virtualisierte Schnittstellen. Die IT macht uns auch das schon seit vielen Jahren vor; ohne Virtualisierung läuft dort fast nichts mehr.«

Edge Controller statt SPS?

Schon oft wurde sie totgesagt, aber nichts und niemand konnte sie bisher aufs Altenteil verdrängen: die speicherprogrammierbare Steuerung (SPS). Wird Industrie 4.0 ihr den Garaus machen? »Die SPS wird auf dem Weg zu Industrie 4.0 aus der Automatisierungskette verschwinden, weil ihre gängigen Programmiersprachen für Industrie 4.0 nicht geeignet sind«, stellt Heinrich Munz klar. Auf die Frage, welche Perspektiven die SPS-Hersteller dann hätten, antwortet er: »Sie sollen sich zu Edge-Cloud-Controller-Herstellern weiterentwickeln.« Ein eindeutiger Migrationspfad: Edge Cloud Con-troller übernehmen demnach die Aufgaben der klassischen SPS – nach Munz‘ Motto: »Die Steuerung muss komplexer werden können, sie muss mehr können, und sie muss in einer komplexeren Sprache programmiert werden können.« Jörg Wollert stimmt ihm zu und verschiebt zugleich den Schwerpunkt etwas: »Die Steuerung bleibt erhalten, bekommt aber andere Aufgaben«, führt er aus. »Wir werden eine andere Steuerungs-Architektur bekommen. Die Steuerungen werden dann intelligente Embedded Devices sein, die ihre eigenen Programme haben; diese werden extern konfiguriert.«