Geschützter Datenraum für Industrie 4.0 Industrial Data Space für den zertifzierten Datenaustausch

Prof. Reimund Neugebauer, Präsident Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Stefan Wrobel, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und Prof. Michael ten Hompel, Leiter der Fraunhofer-Institute für Materialfluss und Logistik IML und für Software- und Systemtechnik ISST. (v.l.n.r.)

Im Februar stellten Bundesregierung und Fraunhofer den Industrial Data Space vor, der künftig für maximale Sicherheit beim Datenaustausch u. a. im Rahmen von Industrie 4.0 sorgen soll. Zur CeBit gab es jetzt neue Details und die Namen der Firmen, die der neu gegründeten Task Force angehören.

Der geplante Industrial Data Space wirkt eng mit Industrie 4.0 oder der Idee von Smart Services zusammen. Er ist eine föderale Dateninfrastruktur, die ein Fundament für die jeweiligen Konzepte bietet und Daten on-demand, echtzeitnah bereitstellt. »Die vielfältigen Aktionen rund um die CeBIT zeigen, wie akut das Thema Digitalisierung Unternehmen und Gesellschaft unter den Nägeln brennt. Noch sind wir in einer guten Position, denn deutsche und europäische Unternehmen verfügen über hohe Kompetenz in der Entwicklung von Embedded Systems, Steuerungssoftware für Maschinen und Anlagen sowie industrieller Software. Diese Stärken gilt es zu nutzen und jetzt zu handeln«, sagt Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Das Konzept des Industrial Data Space hebt sich insofern ab, dass es eine umfassende, branchenübergreifende Vernetzung in einem offenen Datenraum zum Ziel hat. Er erleichtert es Unternehmen, die Potenziale der Digitalisierung für ihre Geschäftsmodelle zu nutzen, ohne dabei die Kontrolle über ihre Daten abzugeben«.

Drei Schwerpunkte hat sich die Initiative Industrial Data Space gesetzt: Die Beteiligten bereiten die Gründung eines »Industrial Data Space Consortium« vor. Sie werden den Aufbau des Industrial Data Space, dessen Finanzierung und grundlegende Geschäftsmodelle marktkonform befördern und Grundlagen schaffen, um ihn zeitnah für weitere Partner – auch aus dem europäischen und außereuropäischen Raum – zu öffnen.

Die Bundesregierung unterstützt die Initiative Industrial Data Space. Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, sieht das Vorhaben als wichtigen Bestandteil von Industrie 4.0: »Die Initiative der Fraunhofer-Gesellschaft zielt genau auf die Bedürfnisse der deutschen Industrie ab. Das gemeinsame Agieren von Wissenschaft und Wirtschaft gewährleistet, dass die Belange der Anwender, also kleiner, mittelständischer ebenso wie großer Unternehmen, mit in die Entwicklung einfließen. Anwendungsorientierte Forschung muss zum Schrittmacher von Industrie 4.0 werden.«

Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie BDI: »Für den Sprung aus der realen in die virtuelle Produktion braucht gerade der deutsche Mittelstand neutrale, geschützte Datenräume und Testfelder mit vertrauten, erfahrenen Partnern in Europa.«

Zu den wichtigsten Eckpunkten des Industrial Data Space gehören die digitale Souveränität über die eigenen Daten sowie deren maximale Sicherheit. Die Daten werden nur dann zwischen zertifizierten Partnern sicher ausgetauscht, wenn sie wirklich für einen Mehrwertdienst des Datennutzers benötigt werden. Weiterhin soll die Industrie dort Zugang zu Daten und Anwendung für eigene Mehrwertdienste haben. Im Bereich Mobilität könnte z.B. die proaktive Anzeige von Nahverkehrsangeboten im Navigationssystem eines Autos ein solcher Dienst sein, wenn etwa am Reiseziel durch eine Großveranstaltung der Verkehr überlastet ist. Der Industrial Data Space wird in den verschiedensten Anwendungsfeldern eine Vielzahl solcher Dienste ermöglichen, die vernetzte Daten aus verschiedenen Quellen nutzen.  

Ein Anwendungsbeispiel im Bereich Logistik erarbeitet das Projekt InventAIRy, dort wird Inventur neu gestaltet: Autonome Flugroboter navigieren eigenständig durch Lagerhallen und lesen Barcodes im Flug aus. In der Logistik von morgen sind die Daten, die sie erfassen, essentiell. Andererseits benötigen die Drohnen Umweltmodelle, die aus verschiedenen Quellen zur Verfügung gestellt werden, um unabhängig von Hindernissen am Boden zu agieren, sich in alle Richtungen zu bewegen und auch schwer erreichbare Stellen, etwa in Hochregallagern, einsehen zu können. So entstehen neue Geschäftsmodelle und Software Services.

Politik und Wirtschaft sind gefordert, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Denn eine leistungsfähige, flächendeckend verfügbare, breitbandige und mobile digitale Infrastruktur ist eine zentrale Voraussetzung. Um Transparenz und Marktorientierung zu gewährleisten, muss zudem Rechtssicherheit auf Basis klarer Regeln und länderübergreifender Lösungen sowie Vereinbarungen gewährleistet sein.