Kommentar Huawei und die Naivlinge

Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@markt-technik.de

Huawei einfach aus Sicherheitserwägungen vom Aufbau der 5G-Netze auszuschließen, klingt einfach. Doch wäre es auch sinnvoll?

De facto hat Hongkong seinen besonderen Status und seine Freiheiten durch das Sicherheitsgesetz verloren. China setzt seine Strategie durch – unbekümmert darüber, was der Rest der Welt davon hält. Das zeigt wieder einmal: Die Wertesysteme von China und die der westlichen Welt sind nicht vereinbar. Also Mauern bauen und sich isolieren? Auf den ersten Blick scheint nichts anderes übrig zu bleiben. Bestes Beispiel: der Aufbau der 5G-Technik. Will man sich tatsächlich sensible Infrastruktur von chinesischen Unternehmen ins Land holen, um die Tür für staatliche Spionage und Sabotage zu öffnen? Ausschließen, denn alles andere wäre naiv, so die naheliegende Antwort.

Aber wäre es andererseits nicht naiv anzunehmen, dass ein 5G-Kernnetz „von innen ausgehöhlt“ werden könnte? Die Telekommunikationsnetze sind sicherlich nicht nur von einer Seite bedroht, sondern ständig von vielen Akteuren. Das ist nichts Neues. Maßnahmen dagegen werden ständig ergriffen. Kundendaten lassen sich effektiv verschlüsseln und sind selbst für die Experten der Geheimdienste nicht so leicht zu knacken. Die Netze lassen sich überwachen, Manipulationen fallen auf. Solange Unternehmen mit den zuständigen Behörden eines Landes kooperieren und sich an die Sicherheitsbestimmungen halten – woher sollten dann die Kriterien kommen, das eine auszuschließen und das andere nicht? (Wie Huawei die Situation beurteilt, lesen Sie im Interview mit David Wang, dem Chef von Hauwei Deutschland). Selbstverständlich findet immer ein Wettrennen zwischen den Angreifern und den Verteidigern statt. Einige Unternehmen auszuschließen würde nicht bedeuten, dass dieses Wettrennen nicht mehr stattfindet.

Alles nur naives Geschwafel? »Großbritannien hat gezeigt, was jetzt zu tun ist, und Huawei rausgeschmissen!«, mag sich so mancher denken. Allerdings: In dieser Entscheidung sind viele Motive zusammengeflossen: Großbritannien pflegt zu den USA eine besondere Partnerschaft, die bewahrt werden soll, nach dem Brexit erst recht. Auf die EU muss die UK-Regierung nicht mehr achten, und eine populäre Entscheidung, die auf Zustimmung der Bevölkerung stößt, kommt gerade sehr zupass.

Doch was sich ohne großen Erklärungsaufwand einfach vermitteln lässt, muss nicht immer die adäquate Reaktion sein. Statt des Holzhammers wären intelligente Methoden gefragt: Sicherheitsvorkehrungen treffen, um nicht blauäugig trojanische Pferde ins Land zu holen. Doch die einfache Antwort, Mauern aufzubauen, würde die Zusammenarbeit auf allen Ebenen schnell beenden und zu einem Teufelskreis wachsenden gegenseitigen Unverständnisses und immer gefährlicherer Konfrontationen führen. Von vornherein den Weg in die Konfrontation zu wählen, wäre das vorausschauend oder naiv?