Familienunternehmen und Globalisierung » Erfolg der Vergangenheit ist größter Ballast für die Zukunft«

Die Globalisierung hat Familienunternehmen unter Druck gesetzt. Sie waren zur Expansion gezwungen und mussten auf dem Grad zwischen Altbewährtem und der Öffnung zum Neuen balancieren.

Gerade die bisweilen spannungsgeladene Diskussion zwischen den Generationen kann Kreativität und Innovationskraft freisetzen.

Für uns ist die Globalisierung seit 20 Jahren normal. Wer das damals nicht schon gemacht hat, der wird heute ganz große Probleme haben«, sagt Karsten Bier, Geschäftsführer von Recom. Globalisierung, damit meint Karsten Bier die Expansion nach Asien, vor allem nach China und Taiwan, und in die USA. Die Entwicklung setzte schon vor Jahrzehnten ein, damals vor allem getrieben durch den Preisdruck: »Für eine Stromversorgung, die wir vor 20 Jahren für 20 Mark verkauft haben, bekommen wir heute noch 2 Euro, wenn es hoch kommt.« Diesem enormen Preisdruck versuchten die Hersteller durch die Auslagerung der Fertigung zu entgehen. Das war aber bei weitem nicht der einzige Grund. Denn die Fertigung muss dort aufgebaut werden, wo die Märkte sind, und gerade in Asien entwickelten sich die Märkte stürmisch.

Das war bei der Gründung von Recom im Jahre 1974 noch nicht abzusehen. Entstanden war das Unternehmen als eine Ausgründung aus Siemens, und selbstverständlich war es zunächst auf Deutschland, dann auf Europa ausgerichtet. Das Unternehmen entwickelte sich gut – schon in den 80er-Jahren eine Erfolgsgeschichte.

Allerdings birgt, wie Karsten Bier, der Sohn des Gründers, erklärt, der Erfolg auch immer eine Gefahr in sich: Aus Selbstzufriedenheit werden neue Entwicklungen nicht rechtzeitig erkannt oder gleich für irrelevant gehalten. Und wenn die Reaktion auf neue Entwicklungen auch noch den Umbau der doch so lange so erfolgreichen Unternehmensstrukturen zur Folge haben könnte – dann wird es für die erfolgsverwöhnte Gründergeneration oft schwierig.

Das Problem kennt auch Thomas Rudel, dessen Vater Rutronik 1973 gegründet hat. Wie anders die Zeiten damals waren, zeigt schon die Anekdote, wie Helmut Rudel den Standort seines Unternehmens ausgewählt hat: Wie Thomas Rudel erzählt, definierte sein Vater den Durchmesser eines Kreises so, dass Vertriebler darin in vertretbarer Zeit viele potenzielle Kunden besuchen konnten. Die Optimierungsaufgabe bestand nun darin, den Mittelpunkt so zu wählen, dass der Radius die Fläche abdeckt, in der möglichst viele Firmen ansässig waren, die zum potenziellen Kundenkreis gehörten. Schicki-Micki-Standorte wie München schieden damit zu dieser Zeit von vornherein aus, und die Wahl fiel auf: Ispringen bei Pforzheim.

Damals galt die deutsche Consumer-Industrie noch etwas im eigenen Land, in Europa und in der Welt. Klingende Namen wie Revox, Dual, Saba, Grundig, Telefunken und Nordmende fallen Thomas Rudel spontan ein. Viele Standorte befanden sich im Kreis, den sein Vater um Pforzheim geschlagen hatte. Auch die damals sehr erfolgreichen Haushaltsgeräte-Unternehmen entwickelten und produzierten im Umkreis. Nicht zu sprechen von den vielen Unternehmen des Maschinenbaus, die ebenfalls immer stärker auf Elektronik setzten. Und auch damals schon globale Unternehmen wie IBM und HP hatten ihre Hauptquartiere in der Nähe von Stuttgart aufgeschlagen. Rückblickend lässt sich zu vielen dieser Unternehmen die Entwicklung in wenigen Worten beschreiben: Hochmut kommt vor dem Fall.