Dieter Meuser, Geschäftsführer von IoTOS »Edge-Cloud-Computing wird ein Wettbewerbsfaktor für Europa!«

Dieter Meuser, IoTOS: »Mit der Übernahme von IoTOS durch die Friedhelm Loh Group wird eine entscheidende Entwicklung vorangetrieben. Denn die drei Schwesterunternehmen Rittal, German Edge Cloud und IoTOS arbeiten künftig noch enger zusammen. Gemeinsam mit Bosch Connected Industry bieten wir die erste Komplettlösung zur Integration, Harmonisierung und Analyse industrieller Produktionsdaten an.«

Der Industrie-4.0-Pionier Dieter Meuser ist seit 1. September Geschäftsführer von IoTOS. Das 2018 gegründete Unternehmen gehört seit Oktober zur Friedhelm Loh Group und ist an dem Gaia-X-Konsortium der Bundesregierung beteiligt.

Markt&Technik: Herr Meuser, Sie haben sich als Gründer und CTO eines weltweit führenden MES-Herstellers einen Namen gemacht und hatten zwischenzeitlich kein Geschäftsleitungsmandat inne. Was hat Sie nun angetrieben, an die IIoT-Front zurückzukehren?

Dieter Meuser: Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Themen wie Vernetzung, Cloud und IIoT. Das von mir im Jahr 1998 gegründete MES-Unternehmen hatte sich schon früh der digitalen Vernetzung von Maschinen und Anlagen verschrieben. Damals waren Begriffe wie „Internet der Dinge und Dienste“ und „Industrie 4.0“ noch nicht geläufig. Wir befassen uns seit 2009 mit Cloud- und IoT-Technologien. Diese Technologien sind heute so weit vorangeschritten, dass man sie in hochstandardisierten Umgebungen betreiben kann. Die IoTOS hat zudem ein Partnernetzwerk ausgeprägt, das sämtliche Produktanforderungen in diesem Zusammenhang abdeckt.

Wir möchten Industrie-Unternehmen den einfachen Zugang zum Industrial Internet of Things und den damit verbundenen neuen Geschäftsmodellen ermöglichen. Dabei arbeiten wir wiederum unter anderem eng mit führenden Cloud-Anbietern, Edge-Computing-Spezialisten und Forschungsinstituten zusammen.

Sie vermarkten IoTOS als Anbieter industrieller IoT-Lösungen für die Digitalisierung in Fabriken – was heißt das genau?

Wir konzipieren und entwickeln Container-basierte Microservices für Public-Cloud- und Edge-Cloud-Plattformen. Diese SaaS-Lösungen ermöglichen die herstellerunabhängige Vernetzung von Geräten und Maschinen sowie allen Daten aus unterschiedlichsten Systemen vom Top- bis zum Shop-Floor in ein strukturiertes Industrial-Track&Trace-Datenmodell. So wird zum Beispiel eine Supply-Chain-übergreifende Rückverfolgbarkeit ermöglicht und die Basis für fabrikinterne sowie übergreifende KI-Anwendungen geschaffen.

Bei all dem Hype um Startups legen Sie Wert darauf, dass die IoTOS KEIN Startup im eigentlichen Sinne ist. Warum?

Wir haben klein angefangen, aber durch das langjährig etablierte industrielle Netzwerk hat IoTOS von vorne herein keinen Startup-Charakter gehabt. IoTOS lebt von Erfahrungen der letzten 30 Jahre, und die setzen wir mit einer sehr versierten Entwicklungsmannschaft um, die auf industrielle IoT-Technologien spezialisiert ist. Da kann man nicht von Startup sprechen, das würde einen falschen Eindruck vermitteln.

Nun gehört IoTOS zur Friedhelm-Loh-Gruppe, wie am 10. Oktober verkündet wurde. Was ändert sich dadurch – oder auch nicht?

Mit der Übernahme von IoTOS durch die Friedhelm Loh Group wird eine entscheidende Entwicklung vorangetrieben. Denn die drei Schwesterunternehmen Rittal, German Edge Cloud und IoTOS arbeiten künftig noch enger zusammen. Gemeinsam mit Bosch Connected Industry bieten wir die erste Komplettlösung zur Integration, Harmonisierung und Analyse industrieller Produktionsdaten an. Das Produkt mit dem Namen Oncite ist eine Art Mini-Rechenzentrum. Es ist die erste echtzeitfähige All-in-One-Lösung zum Edge-Cloud-basierten Datenmanagement und zur Datenverfügbarkeit entlang der gesamten Lieferkette – von der Datennutzung über intelligente Analysen bis hin zur sicheren und vom Kunden kontrollierbaren Übertragung von Daten in einer hocheffizienten Gesamtumgebung.

Sie kommen, wie eingangs schon erwähnt, aus dem MES-Umfeld. Was ist nun der Unterschied zwischen einem MES und den Lösungen, die Sie mit IoTOS auf den Markt bringen?

Wir bringen heute keine monolithischen Anwendungen mehr auf den Markt, sondern wie gesagt mikroservicebasierte Anwendungen, welche mit einem geringen Aufwand in die heterogenen Anlagenlandschaften der Fabrikbetreiber zu integrieren sind.