Siemens PLM Digitaler Zwilling für Produkt und Prozess

Tony Hemmelgarn, Siemens Digital Industries Software: »Xcelerator kombiniert das komplette Softwareportfolio – von Electronic Design Automation bis hin zum Product Lifecycle Management – mit der Mendix-Plattform und MindSphere für IoT. Das Einzigartige an Xcelerator ist die Möglichkeit, personalisierte Applikationen zu entwickeln. Es erfasst Informationen zu Feedback und Leistung und lässt diese in die Konstruktion und Fertigung zurückfließen.«

Der Aufbau einer komplett neuen Automobilfertigung in weniger als 24 Monaten oder die Verkürzung von Umrüstzeiten auf ein Viertel der ursprünglichen Zeit lassen sich nicht mit Hilfe einzelner Tools errreichen.

Solche anspruchsvollen Ziele erfordern einen integrierten Lösungsansatz, der alle vorhandenen Werkzeuge sinnvoll zusammenfasst. Mit „Xcelerator“ hat Siemens nun nach eigenen Angaben eine solche Lösung entwickelt. Während der diesjährigen Media- and Analyst Conference in New York stellte Tony Hemmelgarn, President und CEO von Siemens Digital Industries Software das neue Angebot vor.

Bei Xcelerator handelt es sich um eine umfassende Sammlung verschiedener Tools für PLM (Product Lifecycle Management), EDA (Electronic Design Automation), ALM (Application Lifecycle Management), MOM (Manufacturing Operations Management), Embedded Software und IoT – aber nicht als Punktlösungen, sondern integriert. Damit will Siemens die Digitalisierung eines Unternehmens ermöglichen, es können digitale Zwillinge in der Fertigungs- und Produktionsplanung, für die effiziente Konstruktion neuer Produkte und zur Erfassung und Analyse von Betriebsdaten genutzt werden.

Da mit Xcelerator der Informationsfluss zwischen allen Beteiligten organisiert ist, kann ein nachvollziehbarer digitaler roter Faden (digital Thread) entstehen. Integriert wurde die Capital Software von Mentor in die NX Software, Opcenter wurde mit Valor kombiniert, sowie mehrere Validierungstools für den Automotive-Bereich integriert, um die autonome PAVE360 Pre-Silicon-Validierungsumgebung zu erstellen. Diese Integration soll schnelle Innovationen und eine zügige Validierung von Produkten und Prozessen fördern. Dafür schafft sie einen sehr präzisen digitalen Zwilling, der modellbasierte Simulationen mit Testdaten und Analysen der realen Performance kombiniert.

Auf der Konferenz wurden anhand diverser Beispiele gezeigt, welche Vorteile die Integration der verschiedenen Tools mit sich bringen kann. Bei HP etwa ging es um die Effizienzsteigerung der 3D-Printer von HP. Mithilfe eines digital Threads – angefangen beim AM-Design (AM: Additive Manufacturing/additive Fertigung), über die Simulation, PLM, Fabrikoptimierung, bis hin zum industriellen 3D-Druck, Datenmanagement und Leistungsanalyse – ist es möglich, dass 3D-Druckteile schneller, kostengünstiger und in höheren Stückzahlen gefertigt werden.

Zweites Beispiel: Die Fertigung von komplexen Telekommunikations-Leiterplatten (20.000 Komponenten pro Leiterplatte) in kleinen Stückzahlen. Dank eines vollständig digitalen Ablaufs – Design-Verifikation, automatisierte Maschinenprogrammierung, Performance-Überwachung, automatisiertes Materialfluss-Management – konnte die Fertigungsausbeute auf über 99 Prozent angehoben und gleichzeitig Materialeinsparungen von über 1 Mio. Dollar/Jahr sowie deutlich verkürzte Umstellungszeiten (von 1 Stunde auf 15 Minuten) realisiert werden.
David Lyon, Director of Design von VinFast, wiederum stellte ein besonders interessantes Beispiel selbst vor. So erklärte er auf der Konferenz, dass das eigentlich kaum zu realisierende Ziel – eine Automobilfertigung in Vietnam innerhalb von nur 24 Monaten aufzubauen – dank Xcelerator sogar noch schneller als geplant umgesetzt werden konnte: Seit Juni dieses Jahres produziert VinFast in seinem neuen Werk in Hai Phong 250.000 Fahrzeuge pro Jahr, 2018 wurden die ersten zwei Modelle (ein SUV und eine Limousine auf Basis von BMW-Motoren) auf dem Pariser Autosalon vorgestellt.