Forschungsgipfel 2016 zu Digitalisierung »Die Hannover Messe wird zum Kräftemessen mit den USA«

"Wasch mich, aber mach mich nicht nass", so fasst Telekom-Chef Höttges den Willen zur Digitalisierung in Deutschland zusammen.

Die Hannover Messe warf ihre Schatten auf dem Forschungsgipfel 2016 in Berlin voraus: Dort diskutierte Bundeskanzlerin Merkel mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft, ob Deutschlands Industrie für die Digitalisierung und Industrie 4.0 gut gewappnet ist.

Fazit: Es fehlt in vielen Unternehmen noch der Mut und die Bereitschaft zur Veränderung.

Deshalb besteht nach Ansicht von Diskussionsteilnehmern wie Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom und Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG die Gefahr, dass die deutsche Industrie bei der Digitalisierung ins Hintertreffen geraten könnte gegenüber großen Konzernen aus den USA. Der oft propagierte Wettlauf zwischen Deutschland und den USA bei Industrie 4.0 mündete kürzlich in die Ankündigung der Zusammenarbeit des Industrial Internet Consortiums und der deutschen Plattform Industrie 4.0. Momentan geht es dabei aber weniger um eine gesteuerte Zusammenarbeit auf Unternehmensebene, sondern darum, die Angleichung der Referenzarchitekturmodelle beider Gremien zu prüfen. Wer bei Industrie 4.0 welche Karten im Spiel hat, wird sich nach den Worten der Kanzlerin auf der Hannovermesse zeigen. Dass die USA in diesem Jahr Partnerland der Hannovermesse ist, kommt schließlich nicht von ungefähr; "Die Hannovermesse wird zum Kräftemessen mit den USA in Bezug auf Industrie 4.0", gab die Kanzlerin ungewohnt offen zu.

"Wir haben uns eine gute Ausgangsbasis beim Thema Industrie 4.o erarbeitet - vor allem in Bezug auf die Fertigung". Bei der sich verändernden Produkt-Kundenbeziehung und der völligen Veränderung im Produkt-Marketing hapere es allerdings noch, so die Kanzlerin. Deutschland habe aufgrund seiner hohen Wertschöpfung ein hohes Interesse darin nicht zur verlängerten Werkbank von anderen Ländern und Unternehmen zu werden, die sich im Wesentlichen mit dem Handling von Daten beschäftigen. Gemeint sind damit zum Beispiel Konzerne wie Google oder Amazon, die das haben, was vielen deutschen und europäischen Unternehmen fehlt: Die Daten und die Schnittstelle zum Kunden. "Nur schonungslose Analysen werden uns ermöglichen, voran zu kommen", so Merkel.