Maschinen mit Bewusstsein Die Entmystifizierung der KI

Was hinter der Rede vom maschinellen Bewusstsein steht...

Vorlagen hierzu liefert die Literatur seit Jahrhunderten, und wir müssen nur ins Kino gehen, um neue Dystopien kennenzulernen. Rund um die Bewusstseinsthematik müssen wir uns eingestehen, dass die die Popkultur das Motiv des „Erwachens“ von Maschinen besser im Griff hat als die Wissenschaft, in der die Beschäftigung mit Bewusstsein auch heute noch ein Karrierekiller sein kann. Genau deshalb wollen wir zeigen, was hinter der Rede vom maschinellen Bewusstsein steht, und wir wollen das Thema entmystifizieren.

Die öffentliche KI-Diskussion führt diese Überlegungen unter dem Begriff der „starken KI“ zusammen. Einfach gesprochen also, dass eine Maschine eine intellektuelle Ebenbürtigkeit zum Menschen erlangen kann. Ob hier ein echtes Bewusstsein im Spiel wäre, so wie wir Menschen das für uns beanspruchen, oder ob es sehr schnelle, aber letztlich dumme Technik bleibt, die Bewusstsein nur gekonnt imitiert, ist eine heiß diskutierte Frage, zu der fast jeder auch außerhalb der Wissenschaft eine Meinung hat. Und wir wollen ja die Gesellschaft als Ganzes auf neue Technologien vorbereiten und sie in den Stand versetzen, darüber diskutieren zu können, von den Laien über die Philosophen, Mathematiker und Naturwissenschaftler bis zu den Hardware- und Software-Ingenieuren.

Wer sich die Veröffentlichungen zur KI in den einzelnen Gebieten anschaut, gewinnt oft den Eindruck, dass sich Inseln gebildet haben: Die verschiedenen Akteure tummeln sich in ihren jeweiligen Wissensgebieten und vertreten bestimmte Ansätze und Überzeugungen, ohne sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, was genau in den anderen Disziplinen geschieht …

… teilweise weil sie die Aktivitäten in anderen Gebieten für irrelevant oder sogar schädlich halten – manche Neurologen sehen die Philosophie als von den Naturwissenschaften überholt an – teilweise, weil die Zeit gar nicht ausreicht, sich neben seinem Kerngebiet noch ausführlich mit anderen Bereichen zu befassen.

Diese Sprachlosigkeit zwischen den Disziplinen wollen Sie mit ihrem Ansatz überwinden?

Das ist ein wichtiger Aspekt. Ich selbst bin Informatiker und habe mich schon früh mit interdisziplinären Fragestellungen beschäftigt und versucht, Erkenntnisse aus anderen Disziplinen zu importieren. Dabei habe ich mein Arbeitsfeld schließlich in die Humanwissenschaften ausgedehnt und die Grenz- und Überlappgebiete der Disziplinen als hochinteressantes Spielfeld kennengelernt. An der TU Darmstadt hatten wir damals einen interdisziplinären Inkubator, der weithin als vorbildlich für interdisziplinäre Technikforschung galt, aber leider in einer unglücklichen Stunde dicht gemacht wurde. Die Verknüpfung von Bezugspunkten aus unterschiedlichen Fachgebieten hat mich seit dieser Zeit nicht mehr losgelassen, und ich arbeite vor allem daran, die verschiedenen Gebiete miteinander ins Gespräch zu bringen, in internationalen Business-Projekten wie natürlich auch in der Wissenschaft.

Wie gehen Sie dabei vor?

Ein wichtiger Ansatz ist das persönliche Gespräch. Was all die Wissenschaftler in ihren jeweiligen Fachgebieten veröffentlicht haben, werde ich auch nicht im Schnellverfahren in den Einzelheiten verstehen können. Es ist viel wichtiger, zwei Stunden mit einem Experten auf seinem Gebiet zu reden, um zu verstehen, worauf das Ganze hinausläuft.

Auf diese Weise möchte ich Diskurs-Arenen identifizieren. Als Projektleiter will ich mehr und mehr Personen weltweit kennenlernen und einbeziehen, die sich professionell mit der Thematik auseinandersetzen. Zu identifizieren, welche Arenen es gibt und wer dort jeweils mit wem spricht, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Daraus ergibt sich, wo wir Gesprächskanäle neu anlegen und welche Arenen miteinander gekoppelt werden müssen.