Vertrauen ist Voraussetzung »Die Blockchain löst Innovationsbremsen«

ZF tritt globaler Blockchain-Initiative zur Schaffung eines einheitlichen Standards bei.
Wie sich die Blockchain-Technik sicher in der Industrie einsetzen lässt, lesen sie in diesem Interview mit Martin Vesper. Einzelheiten dazu erfahren Sie auf dem »Markt&Technik Blockchain Summit powered by NürnbergMesse« am 8. Mai in Nürnberg.

Wie sich die Blockchain sinnvoll in Industrie und Energiewirtschaft integrieren lässt und wie sie die Innovationsbremse lösen kann, erläutert Energie- und Digitalisierungsexperte Martin Vesper im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Sie setzen hohe Erwartungen in die Blockchain oder besser gesagt die verwandten Distributed-Ledger-Techniken. Warum sind Sie überzeugt, dass es mehr als ein Hype ist, der um diese Techniken derzeit gemacht wird?

Martin Vesper: Grundsätzlich müssen Umgebungen heute vertrauenswürdig gemacht werden, die es bisher nicht waren. Dazu eignen sich Blockchain-ähnliche Techniken sehr gut. Ich beschäftigte mich aktuell vor allem damit, diese Techniken in der Energiewirtschaft anwendbar zu machen.

Warum eignet sich die Blockchain dafür?

Weil sich die Daten direkt am Sensor kryptografisch verarbeiten und in die Blockchain einbinden lassen. Die Distributed-Ledger-Technik sorgt dafür, dass alle wissen, dass es sich um korrekte Daten handelt und dass diese nicht im Nachhinein verfälscht wurden bzw. werden konnten.

Das heißt nicht, dass die Daten selber verschlüsselt sein müssen?

Grundsätzlich kann die Daten jeder sehen. Diese Art der Verschlüsselung sorgt dafür, dass sie niemand mehr verfälschen kann, sobald ein Sensor sie erhoben hat – unabhängig vom weiteren Übertragungsweg. Sollen die Daten selber nicht einsehbar sein, muss darüber hinaus der Transportweg herkömmlich verschlüsselt werden.

Warum eignet sich dies besonders für den Einsatz im Metering?

Die Distributed-Ledger-Technik stellt sicher, dass die Daten von korrekt geeichten und nicht manipulierten Zählern auf ihrem weiteren Weg nicht verfälscht bzw. geändert werden können, aber jedem zur Verfügung stehen. Die Daten lassen sich also nicht unbemerkt manipulieren. So kann ausgeschlossen werden, dass sie den Netzleitstellen etwa ein falsches Szenario vorgaukeln und damit die Netze destabilisieren oder gar zusammenbrechen lassen.

Garantiert dies das BSI-Schutzprofil nicht auch?

Dazu muss immer ein sicherer Tunnel aufgebaut werden, durch den die Daten geschleust werden. Innerhalb des Tunnels ist über kryptografische Verfahren sichergestellt, dass sie nicht manipuliert werden können. Dieser Ansatz hat vor allem den Nachteil, dass am Ende des Tunnels, etwa wenn Lastmessungen durchgeführt werden müssen, der Manipulation wieder Tür und Tor geöffnet werden. Die Daten sind also nicht mehr geschützt, da sie durch nicht abgesicherte Systeme gehen. Im Fall der Distributed-Ledger-Technik müssen die Daten nicht durch ein zertifiziertes Gerät, also nicht durch einen Tunnel geschickt werden, um sicher zu sein, dass sie korrekt sind. Aus Datenschutzgründen sendet man sie natürlich trotzdem durch einen Tunnel.

Aber es sind doch als vertrauenswürdig einzustufende Unternehmen beteiligt?

Genau das ist nicht sicher. Denn wer ist in der Kette wirklich vertrauenswürdig? Aus Sicht des Kunden ist die Frage: Sind alle in der Kette vertrauenswürdig? Das wird ja immer mehr angezweifelt. Im Moment zählt der Energieversorger noch immer zum Kreis der vertrauenswürdigen Firmen. Aber wer garantiert das? Wie ist es außerhalb Deutschlands geregelt? Kann man da wirklich jedem Marktteilnehmer einfach so vertrauen?

Wie beantwortet die Distributed-Ledger-Technik diese Fragen?

Mit der Distributed-Ledger-Technik und entsprechender Technologie am Sensor stellen sich diese Fragen nicht mehr. Wenn der Sensor, also in diesem Falle der Energiezähler, vertrauenswürdig ist, dann ist automatisch auch immer die gesamte Kette gesichert. Das garantiert die verteilte Buchführung, Intermediäre sind nicht erforderlich.