Reaktionen auf das neue Messekonzept »Deutschland braucht eine CEBIT«

Auf dem CEBIT-Campus erinnerte nicht mehr viel an eine klassische Messe.

Die wichtigste Neuheit und zugleich das am meisten diskutierte Thema auf der CEBIT war – die CEBIT selbst. Eine völlig neues Messekonzept – mehr High-Tech-Festival als klassisches Business-Event – hatten die Veranstalter für dieses Jahr versprochen.

Haben sie Wort gehalten? Bei der Gestaltung der Campus genannten großen Freifläche auf dem Messegelände in Hannover auf jeden Fall. Viele Aussteller gaben sich dort erkennbar Mühe, ganz neue Wege bei der Präsentation ihrer Marke zu gehen. Am auffälligsten war sicherlich das Riesenrad von SAP, aber auch die zum Surfen einladende stehende Welle von Intel oder IBMs per Kran in luftige Höhen beförderbare Meeting-Plattform boten reichlich Schauwerte. Flankiert von zahlreichen Streetfood-Trucks und gleich zwei Konzertbühnen war auf dem Campus tatsächlich Aufbruchstimmung zu spüren.

Wer danach direkt in die Halle 27 mit rund 400 Startups und einem großen Recruiting-Bereich ging, konnte sich dieses Gefühl auch noch bewahren: Gedränge wie auf einem Basar, viel junges Publikum – eine bunte Mischung aus Etablierten auf der Suche nach Mitarbeitern und jungen Entrepeneuren auf der Suche nach Kontakten und Investoren. Erste Risse zeigte der schicke neue Look in den Hallen 25 und 26 mit den Schwerpunkten Elektromobilität und unbemannte Flugkörper. Inhaltlich wurden damit zwar zwei Trendthemen besetzt. Doch dass ein großer Teil der Hallen für Testfahrten mit Elektroautos bzw. als Indoor-Drohnenflugplatz dienten, machte vor allem eins deutlich: Es waren einfach nicht genügend Aussteller aus diesen Bereichen da, um die Hallen auf klassische Weise zu füllen. In den übrigen Hallen war abgesehen von den zahlreichen „d!talk“-Bühnen deutlich weniger vom neuen Messekonzept zu spüren. Im Gespräch mit Ausstellern zeigten sich trotzdem viele angetan von den Veränderungen: »Wir sind überzeugt, dass die CEBIT den richtigen Weg geht«, sagte etwa der IBM-Geschäftsführer Matthias Hartmann. Im Kampf gegen schwindende Besucherzahlen sei es besonders wichtig, moderne technische Lösungen sicht- und erlebbar zu machen. Wobei es nicht nur auf die absoluten Besuchszahlen ankomme, sondern auch auf die Qualität des Dialogs. Hartmann ist sich sicher: »Deutschland braucht eine CEBIT.«

Auch Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, erteilte Überlegungen, die CEBIT nicht mehr als eigenständige Messe fortzuführen, eine klare Absage: »Das wäre eine Dummheit sondergleichen.« Ganz ähnlich äußerte sich Intel-Geschäftsführer Christian Lamprecht: »Wir erwarten, dass die CEBIT noch eine lange Zukunft vor sich hat.« Intel nutze das neue Konzept vor allem dazu, um potenzielle Partner ebenso wie Konsumenten auf das breite Anwendungsspektrum ihrer Produkte aufmerksam zu machen. Sei es durch ein abendliches Drohnenballett oder durch die 4K-Videoübertragung mehr oder weniger gelungener Surf-Versuche. Der Abschluss lukrativer Deals stehe dabei nicht im Vordergrund. Das sehen allerdings längst nicht alle Aussteller so.

Bitkom-Präsident Achim Berg sprach davon, dass im Rahmen der CEBIT Verträge im Gesamtwert von rund 10 Milliarden Euro abgeschlossen werden sollten. Die zahlreichen Startups in Hannover tragen dazu noch wenig bei. Doch auch sie haben konkrete Erwartungen an die CEBIT. So nannte etwa Benjamin Federmann, CEO & Co-Founder von doks. innovation, zwei Verbesserungsvorschläge für nächstes Jahr: »Ich hätte mir ein Acceleration-Programm von der CEBIT gewünscht, wo Startups und etablierte Unternehmen im Rahmen von Pilotprojekten ohne großen Vorlauf zusammenarbeiten können. Oder den Einsatz von Scouting-Teams, die schon im Vorfeld prüfen, welche Unternehmen und Startups Kontakt zueinander aufnehmen sollten.«

Insgesamt hinterlässt die CEBIT 2018 also einen gemischten Eindruck: Noch hat die Erneuerung längst nicht alle Bereiche erfasst, doch zumindest war die Richtung klar erkennbar, in die sich die Messe weiter entwickeln will.