Halbjahresbilanz 2020 Deutscher Drohnenmarkt hebt ab

Noch nie zuvor waren so viele unbemannte Fluggeräte in Deutschland im Einsatz wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahr. Das ergab eine Auswertung des Leipziger Drohnenspezialisten FlyNex.

Es schwirrt gewaltig in der Luft. Selten sichtbar, aber mit zunehmender Geschwindigkeit nimmt die Zahl an Drohnen im deutschen Luftraum zu. Dabei spielt der gewerbliche Einsatz von Drohnen eine immer größere Rolle. Zwar ist in Hinblick auf den gesamten Drohnen-Markt die Anzahl an Geräten für kommerzielle Drohnenflüge im Vergleich zu Hobby-Drohnen noch immer gering. Andererseits entfällt aber der Hauptumsatz der Drohnenbranche nahezu vollständig auf Unternehmen und Konzerne, die Drohnen einsetzen.

Starker Zuwachs bei gewerblichen Drohnenflüge

Laut Meinung von Branchenbeobachtern befindet sich der Drohnen-Markt erst noch im Entstehen. Denn immer mehr Unternehmen entdecken die Möglichkeiten der unbemannten Fluggeräte für sich.

„Wir erleben, wie trotz Corona, oder vielleicht auch gerade deswegen, viele Unternehmen Drohnen einsetzen wollen. Vor allem im Bau- und Energiesektor. Wir rechnen damit, dass sich außerdem der Bereich städtische und urbane Infrastruktur noch viel Stärker mit Drohnen in den nächsten zwei Jahren beschäftigen wird“, erklärt Christian Caballero, COO und Gründer des Leipziger Drohnenspezialisten FlyNex.
In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass der gewerbliche Drohnenmarkt 2020 bereits ein Wachstum von über 21 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in Deutschland verzeichnen konnte. Allein die Anzahl an gewerblichen Aufstiegen unbemannter Fluggeräte, wie etwa zur Inspektion von Autobahnbrücken beträgt inzwischen 55 %.
Obwohl also wesentlich weniger Drohnengeräte bei Unternehmen als bei Hobby-Piloten zum Einsatz kommen, in etwa 20.000 gewerbliche im Vergleich zu 500.000 privaten Drohnen, macht der kommerzielle Bereich inzwischen den Großteil aller Aufstiege aus.

Wetter und Corona-Lockerungen verleihen Auftrieb

Die letzten Wochen, verbunden mit guten Wetterbedingungen und Lockerungen von Corona-Maßnahmen, hat hier nochmal einen Anstieg verursacht. Dabei lässt sich ein Trend aus den vergangenen Jahren deutliche wiedererkennen: Im ländlichen Raum gerade von Süddeutschland wurden Drohnen immer öfter eingesetzt. Hier sind allein in Bayern und Baden-Württemberg derzeit knapp ein Viertel aller Drohnenflüge (24,4 %) zu verorten. Unter den Bundesländern ist Nordrhein-Westphalen mit 19,6 % der Spitzenreiter.

Politik gab Startschuss

Nicht nur die Wirtschaft, auch die Politik legt hier ein deutliches Tempo an den Tag. Im Mai stellten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, den Aktionsplan Drohne der Bundesregierung vor.

Mit dem Aktionsplan sollen zum einen Forschung & Entwicklung, zum anderen Innovationen gefördert und neue Wirtschaftsfelder mit Drohne erschlossen werden. Allein das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert hierzu derzeit 35 unterschiedliche Projekte in Wirtschaft und Wissenschaft rund um das Thema „Unbemannter Flug“.

„Dabei geht es nicht nur um Flugtaxis oder Paket-Drohnen. Ehrlicher Weise sind das zwei Anwendungsfälle, die wir in naher Zukunft eher unwahrscheinlich sehen werden. Drohnen-Einsätze für Vermessungs-, Inspektions- oder Dokumentationsflüge bei Bau- & Energie-Unternehmen spielen im gewerblichen Bereich eine wesentlich größere Rolle. Das sind Anwendungsfälle, wie sie heutzutage schon täglich bei Unternehmen stattfinden“, so Frank Lochau, Vorsitzender vom Branchenverband Bundesverbands Zivile Drohnen e.V.