Spitzengespräch zur Industrie 4.0 Bundesregierung holt Datenkontrolle nach Deutschland

Das gestrige Berliner Spitzen- bzw. Krisengespräch in Sachen Industrie 4.0 schloss mit einem Big Bang: Die Fraunhofer-Gesellschaft und Industriepartner sollen mit Unterstützung der Bundesregierung einen international offenen Datenraum für die Wirtschaft, den »Industrial Data Space«, schaffen.

Der Zugang und die Nutzung sollen für alle Unternehmen offen sein, die sich an die gemeinsamen Standards halten. Damit möchte die Bundesregierung einen wesentlichen Hemmschuh für die Industrie 4.0 beseitigen: Das mangelnde Vertauen der Industrie in den Datenschutz.

»Daten sind das Lebenselixier eines jeden Unternehmens. Ein verlässlicher und sicherer Zugang zu Informationen ist zentral für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft«, sagt Professor Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Der vernetzte Datenraum, wie wir ihn planen, soll zu einer effizienteren Wertschöpfung in allen wesentlichen Branchen beitragen.«

»Gemeinsam wollen wir die Instrumente entwickeln, dass möglichst viele Unternehmen erfolgreich an der digitalen Industrierevolution teilnehmen können. Unsere Wirtschaft in Deutschland und Europa muss die Kontrolle über die eigenen Daten behalten. Zugleich brauchen gerade kleinere und mittelständische Unternehmen einen geschützten Raum, in dem sie Daten nach selbst festgelegten Regeln miteinander teilen und austauschen können«, sagte Bundesforschungsministerin Professor Johanna Wanka nach dem Spitzengespräch. Die Bundesregierung unterstütze ganz bewusst diesen dezentralen Ansatz, um die Chancen von Industrie 4.0 für möglichst viele Unternehmen zu eröffnen.

Staatssekretär Matthias Machnig vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstreicht: »Die Digitalisierung der Wirtschaft ist eine der zentralen gesellschaftlichen und politischen Gestaltungsaufgaben für Deutschland. Das Thema Industrie 4.0 ist für unseren Produktionsstandort von herausragender Bedeutung. Unser Ziel ist es, die Chancen dieser vierten industriellen Revolution konsequent zu nutzen. Die Schaffung eines Industrie- und Wissenschaftskonsortiums zu Fragen der Referenzarchitektur, der Standardisierung, der Datensicherheit etc. ist hierfür ein wichtiger Schritt, der zeigt, dass Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen.«

Das Spitzen - oder besser gesagt Krisengespräch - war nötig geworden, nachdem Deutschland die ehrgeizigen Pläne seiner Industrie 4.0 zu entgleiten drohen, nachdem die US amerikanische Konkurrenzinitiative IIC mit Pragmatismus de facto Standards setzt, während die deutsche Industrie mangels Standards auf der Stelle tritt, wie elelktroniknet.de berichtete.