BCI-E öffnet sich Blockchain allein genügt nicht

Die BCI-E+ öffnet sich neben der Blockchain für weitere Techniken wie IoT, Machine Learning, Mobilität und Robotik und will sich als Think Tank für den Einsatz innovativer Software in der Energiewirtschaft etablieren.

Die Blockchain kann Prozesse deutlich verbessern – meist aber nur in Kombination mit weiteren IK-Techniken. Wie genau, erklärt die neue BCI-E+.

Während sich die bisherige »Blockchain-Initiative Energie« (BCI-E) ausschließlich mit der Blockchain im Energieumfeld beschäftigt hat, öffnet sie sich jetzt als »BCI-E+« weiteren innovativen Zukunftstechnologien im Bereich IKT für die Energiewirtschaft.

Damit will sich die BCI-E+ als Think Tank für den Einsatz innovativer Software in der Energiewirtschaft etablieren und zudem neue Zielgruppen erschließen, etwa aus dem Mobilitätsbereich oder der Wissenschaft. Ursprünglich war die BCI-E als Interessensgemeinschaft innerhalb des Bundesverbandes Energiemarkt & Kommunikation e.V. (edna) gegründet worden, um den Einsatz der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft zu evaluieren, neue Geschäftsmodelle zu diskutieren und die notwendigen Standardisierungen voran zu treiben.

»Auslöser für die Neupositionierung war die Erkenntnis, dass die Blockchain in bestimmten Prozessen eine sehr gute Lösung ist, in anderen aber nicht oder nur in Kombination mit weiteren Technologien«, erklärt Richard Plum, Produktmanager Consulting von ProCom und Vorsitzender der Blockchain-Initiative Energie+.  
Parallel dazu verschiebt sich auch der Fokus von der Technologie auf die Prozesse, wie Raik Kulinna, Director Innovation & New Business Models for Utilities von SAP SE und Mitglied im Team »Technik« der BCI-E+, ergänzt: »Das Beispiel Elektromobilität macht deutlich, dass wir die anstehenden Herausforderungen der Digitalisierung nur lösen können, wenn wir uns vom Kästchendenken verabschieden. Denn im energiewirtschaftlichen Kontext hängt E-Mobility mit Themen wie Smart City, Flexibilitätsmanagement oder dezentralen Versorgungskonzepten ebenso zusammen, wie mit ganz klassischen Prozessen, etwa der Abrechnung.«

Mit dem Prototyp der »MaKoChain«, dem Entscheidungsbaum für den Blockchain-Einsatz und der Übersicht über die laufenden Pilotprojekte in der Energiewirtschaft, hat sich die bisherige »Blockchain-Initiative Energie« bereits als Ansprechpartner für diese neue Technologie etabliert.

Als »Blockchain-Initiative Energie+« entwickelt sie jetzt einen »Technologie-Radar« für die Energiebranche, in denen Themenfelder und die damit zusammenhängenden Prozesse mit den jeweils passenden Technologien verknüpft werden. Neben Blockchain könnten dazu beispielsweise Internet of Things (IoT), Machine Learning (ML), Neue User Experience (UI/UX), Robotic Process Automation (RPA) oder auch Datenbanken der nächsten Generation gehören. Gleichzeitig will die BCI-E+ an einzelnen Anwendungsfällen und Prozessen die ganz unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten dieser Technologien praktisch erproben.

Stammdaten zur Marktkommunikation in der Blockchain

Parallel dazu entwickelt das Team »Technik« in der BCI-E+ eine Pilotanwendung für die Veröffentlichung der Marktstammdaten in der Blockchain. »Hier könnten alle Marktteilnehmer ihren Veröffentlichungspflichten einfach genügen und auch der Abruf wäre direkt und ohne die Nutzung von Informationsdienstleistern oder eigener Recherche völlig unkompliziert. Denn sämtliche Daten stehen in der Blockchain allen Marktteilnehmern zur Verfügung«, fasst Sven Wunderlich, Strategy Consultant bei Arvato Systems und Sprecher des Teams »Markt« innerhalb der BCI-E+ die Vorteile zusammen.

»MaKoChain« vereinfacht Lieferantenwechsel

Die BCI-E hatte »MaKoChain« auf der E-World Anfang des Jahres vorgestellt. Der Kernprozess Lieferantenwechsel sollte damit innerhalb von Sekunden statt Tagen vollzogen werden, verlässlich, sicher und zu deutlich reduzierten Kosten. Denn mit Hilfe der »MaKoChain« müsste – anders als heute – nicht jeder Marktteilnehmer ein eigenes System für die Marktkommunikation implementieren und betreiben.

Die MaKoChain wurde auf Basis von Etherium mit einem Smart Contract umgesetzt. Um einen hohen Datenschutz zu gewährleisten, ist sie nur für die Marktrollen Stromlieferant und Verteilnetzbetreiber direkt zugänglich. Den Zugang regelt eine zentrale Instanz. Dies könnte beispielsweise die Bundesnetzagentur sein. Da die Plattform geschlossen und die Teilnehmerzahl überschaubar ist, kann der Prozess sehr energieeffizient abgewickelt werden – im Unterschied zu den so genannten Krypto-Währungen.