HMI-Technik auf dem Weg zu Industrie 4.0 Bedienen und Beobachten mittels Web-HMIs und Mobile Devices

Mit der Integration in Microsoft Visual Studio eröffnet »TwinCAT HMI« den einfachen und schnellen Weg zur individuellen Bedienoberfläche.

Das Bedienen und Beobachten in der Industrie durchläuft derzeit einen grundlegenden Wandel: HMIs auf Basis reiner Web-Technik halten in immer mehr Fabrikhallen Einzug, und Mobile Devices wie etwa Smartphones und Tablet-PCs sind auf dem Shop Floor ebenfalls angekommen.

HMI-Software, die ausschließlich auf Web-Standards wie HTML5 oder SVG beruht, erfordert für Visualisierungs-Anwendungen keine Plug-Ins und dergleichen, sondern nur einen Standard-Webbrowser. Sie ist daher Hardware- und Betriebssystem-unabhängig und lässt sich von jedem mobilen Bediengerät aus aufrufen. Insofern greifen die Trends hin zum Web-HMI und zum Mobile-HMI ineinander und bedingen sich gegenseitig.

Nicht von ungefähr haben zahlreiche Automatisierungstechnik- und HMI-Hersteller in letzter Zeit entsprechende Lösungen vorgestellt oder arbeiten gerade daran. Die Web-HMI »Procon-Web« von GTI-Control beispielsweise setzt ausschließlich auf HTML5 und JavaScript auf und unterstützt somit auch Smartphones und Tablet-PCs. Als Schnittstelle zu Steuerungen oder übergeordneten MES- und ERP-Systemen dient – Industrie 4.0 im Visier - OPC UA. Jetzt hat das Unternehmen »Procon-Web« auch auf Embedded-Linux-Controller vorbereitet. »Die Aufgaben von Embedded-Controllern werden immer komplexer, weil immer mehr Daten verarbeitet werden müssen«, erläutert Matthias Kolmer, Produktmanager Procon-Web bei GTI-Control. »Dies führt dazu, dass zur Konfiguration umfangreiche Oberflächen nötig sind, wofür sich unser Produkt eignet.«

Auf Linux-Controller hat sich sein Unternehmen hauptsächlich wegen kleinerer Maschinen fokussiert: »Vor allem dort arbeiten häufig kostengünstigere IPCs oder Controller, von denen viele mit Linux ausgestattet sind«, führt Kolmer aus. »Mit unserem Produkt wollen wir auch für solche Anwendungen eine Lösung bieten und den Kunden nicht vorschreiben, welche Hardware oder Systemumgebung sie einsetzen sollen.«

»Procon-Web« ist eine projektierbare HMI-Lösung, deren Backend sich auf unterschiedliche Plattformen portieren lässt. »Die Projektieroberfläche stellt sich durch Wahl des Targets automatisch auf die spezifischen Eigenschaften des Zielsystems ein«, verdeutlicht Kolmer.

Auch Rockwell Automation setzt auf Web-Technik und Mobile Devices. Neu ist »FactoryTalk ViewPoint«, eine mobile, Web-basierte Erweiterung der Visualisierungslösung »FactoryTalk View«. Sie beruht auf HTML5, Angular JS und Bootstrap und unterstützt gängige mobile Plattformen wie Apple iOS, Android und Windows. »Der Fokus liegt zunächst auf der Visualisierung von Maschinen und Anlagen sowie der Bereitstellung von Informationen in Form von Trendanalysen, Berichten und KPI-Dashboards«, erläutert Kai Bergemann, Product Manager Software EMEA Region bei Rockwell Automation. »Die Bedienung von Anlagen über mobile Clients ist der zweite Schritt, der technisch schon möglich ist, sich aber erst später durchsetzen wird.«

In Kürze will Rockwell Automation eine mobile App-Plattform auf den Markt bringen. Sie wird momentan im »Project Stanton« entwickelt – auf der Automation Fair vom 9. bis 10. November in Atlanta/Georgia soll es dazu Neuigkeiten geben. Die App-Plattform nutzt mobile Geräte als Client und Server. »Das heißt, dass Funktionen und Daten auch offline zur Verfügung stehen und Mitarbeiter sich 1:1 über ihre mobilen Geräte verbinden können«, führt Bergemann aus. »Wenn ein Mitarbeiter gerade keine Verbindung zum Netzwerk hat, kann ein anderer Kollege benötigte Daten abrufen und über eine 1:1-Verbindung weiterleiten.« Dies sei nur ein Beispiel, wie sich die App-Plattform in eine bestehende Umgebung einfügen lasse. Zugeschnittene Informationen und unterschiedliche Funktionen würden über »eine« App bereitgestellt. »Die App-Plattform eröffnet eine neue Dimension in der Nutzung mobiler Geräte«, resümiert Bergemann.