Industrie 4.0: Probieren statt normieren Beck IPC bietet einen bewährten Weg vom Sensor zur Cloud

Thomas Schumacher und Christoph Müller, Beck IPC: »Unser Schwerpunktthema ist nicht die Feldbus-, sondern die Internet-Kommunikation.«
Thomas Schumacher und Christoph Müller, Beck IPC: »Unser Schwerpunktthema ist nicht die Feldbus-, sondern die Internet-Kommunikation.«

Im IIoT sind Produktions- und IT-Netz nahtlos miteinander verbunden. Nicht von ungefähr haben viele Unternehmen in letzter Zeit Datenübertragungslösungen vom Sensor bis zur Cloud vorgestellt oder arbeiten daran. Beck IPC bietet schon seit 2010 eine solche Lösung, die jetzt als Version 2 vorliegt.

Christoph Müller und Thomas Schumacher von Beck IPC erläutern die Hintergründe und verraten außerdem, was die Amerikaner beim Thema Industrie 4.0 anders machen als die Deutschen.

Markt&Technik: Deutsche Unternehmen und deren Verbände zeigen sich oft fasziniert von der US-amerikanischen und vor allem kalifornischen Innovationskultur. Was ist an ihr das Besondere?

Christoph Müller, Business Development Manager: Wenn das Thema Internet of Things (IoT) nicht aus Kalifornien zu uns käme, nähme es hierzulande nicht dermaßen Fahrt auf. Kalifornien gilt ja als das Erprobungsfeld für neue Techniken schlechthin. Kalifornische Unternehmen sind technisch den deutschen nicht überlegen, verfolgen aber einen anderen Ansatz, der sich aus einer anderen Geisteshaltung speist. Sie gehen auch mal mit einem Produkt auf den Markt, das erst zu 80 oder 90 Prozent fertig ist. Zudem ist die Investitionskultur in den dortigen Startups eine ganz andere als bei uns. Risikokapital ist dort ja auch viel leichter verfügbar als hierzulande.

Müssten deutsche Unternehmen stärker nach dem Trial-and-Error-Prinzip handeln?

Thomas Schumacher, Geschäftsführer: Ja. In Kalifornien bekommen weitaus mehr Produktideen als in Deutschland die Chance, potenziellen Kunden vorgestellt zu werden. Also sind die Chancen größer, dass die eine oder andere Produktidee trägt. Hierzulande gehen mehr Ansätze in der Powerpoint-Phase verloren, ohne dass letztlich ein Testprodukt dabei herauskommt. Bei uns gibt es einerseits beeindruckende Erfindungen wie die Bionik-Produkte von Festo und andererseits fertige, serienreife Produkte, aber es entstehen keine Testprodukte, die am Markt als Versuchsballon fungieren. In Kalifornien gibt es einfach mehr Startup-Kultur, Entrepreneurship und Risikobereitschaft als in Deutschland. Faszinierende Ideen sind dort für alle im Unternehmen ein Antrieb.

Für viele Projekte, die in Kalifornien leicht eine Finanzierung bekommen, gäbe es in Deutschland von Banken und Venture-Capital-Firmen kein Geld. Offenbar sind wir viel zu zaghaft und »vernünftig«, um auf abgefahrene Ideen zu kommen und sie dann umzusetzen.

Mitunter ist zu hören, dass die US-amerikanischen Automatisierungstechnik-Hersteller den deutschen hinterher seien. Stimmt das?

Thomas Schumacher: Ja, da ist was dran. Ein interessanter Trend in den USA scheint mir nämlich zu sein, dass die Amerikaner sich immer weniger mit Optimierungsprodukten abgeben. Deutsche Automatisierungstechnik-Hersteller dagegen stecken viel Zeit und Geld in die Optimierung ihrer Produkte und Lösungen. Dies dürfte einer der Gründe dafür sein, dass US-Unternehmen in der Automatisierung hinterher sind. Evolution ist dort nicht so stark ausgeprägt; die Amerikaner suchen eher nach »Killertechniken«, auf denen man eine gute Wettbewerbsposition und – ja, auch dies - den amerikanischen Traum aufbauen kann. Nicht von ungefähr ist die Verbindung zwischen IIoT und Automatisierung in den USA deutlich schwächer als in Deutschland. Andererseits gibt es in den USA mehr Dienstleistungen und mehr Software-as-a-Service.

Wie stehen US-Unternehmen zum Thema Normung und Standardisierung, das ja in der deutschen Wirtschaftskultur sehr hoch aufgehängt wird?

Christoph Müller: Die Deutschen sind in puncto Industrie 4.0 und IoT tatsächlich stark auf Normung und Standardisierung erpicht. In den USA habe ich dazu schon die Aussage gehört: »Ihr Deutschen glaubt, Ihr könntet das Thema wirklich normieren? Dafür entwickelt es sich viel zu schnell; es lässt sich nicht vorab normieren.« In den USA wird also nicht normiert, sondern probiert. Nicht von ungefähr ist das Industrial Internet Consortium (IIC) eher ein Ideen-Marktplatz als ein Standardisierungsgremium. Sein Hauptziel ist letztlich die Entwicklung von Testbeds, also von Beispielanwendungen für IIoC und Industrie 4.0. In den USA herrscht also mehr Offenheit, gemeinsam etwas zu machen und Ideen weiterzugeben. Hierzulande neigt man eher dazu, operative Hürden aufzubauen, um den Zugang anderer zu verhindern.

Thomas Schumacher: Wir können letztlich zwei Aspekte festhalten: Erstens ist in den USA und speziell in Kalifornien die Herangehensweise an das Thema IIoT und Industrie 4.0 ganz anders als bei uns. Und zweitens haben wir in den USA auf der Feldebene bisher nicht viel technisch wirklich Neues gefunden.