Digitale Transformation auf dem Acker Bauern – die Avantgarde der Digitalisierung

Bauer Hendrik Vedder steuert den Melkroboter im Kuhstall.
Bauer Hendrik Vedder steuert den Melkroboter im Kuhstall.

Schlange stehen vor dem Melkroboter gehört für moderne Kühe mittlerweile zur täglichen Routine. Der Mensch stört da nur.

Eine vom Branchenverband Bitkom zum Jahresbeginn vorgelegten repräsentativen Befragung im Auftrag des Deutschen Bauernverbands zeigt: Mehr als zwei von drei Landwirten (67 Prozent) sind der Meinung, dass Digitalkompetenz in Zukunft genauso wichtig sein wird wie ein fachliches oder soziales Wissen. Vorreiter der Digitalisierung sind nach den Ergebnissen der Studie meist junge Landwirte im Alter bis zu 35 Jahren. Vor allem sie drängten auf den Einsatz moderner Technik, etwa jeder zweite sehe Defizite beim eigenen Hof.

»Cowview« heißt etwa ein System des Düsseldorfer Unternehmens Gea, das mit Hilfe eines Senders die Position der Tiere zentimetergenau aufzeichnet. Entwickelt wurde das System ursprünglich für die Logistik. »Wir sind schon sehr nah dran am Geschehen«, sagt die zuständige Managerin Susanne Klimpel. Wird ein einzelnes Tier aus der Herde gesucht, reicht es, die Identifikationsnummer ins Handy einzutippen.

»Die Landwirtschaft ist in Sachen Digitalisierung eher fortschrittlich«, lobt Miriam Tänzer vom Bitkom, doch das sei bei vielen Verbrauchern nicht richtig angekommen. Nach den Ergebnissen einer bereits Ende 2016 vorgelegten repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands nutzt schon mehr als jeder zweite in der Branche (53 Prozent) digitale Technologien.

So arbeiteten auf dem Acker GPS gestützte Landmaschinen zentimetergenau, während die Düngung von Pflanzen genau gesteuert werden könne. Die Landwirte investierten nachhaltig, um die digitale Entwicklung voranzutreiben, stellt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder fest.

»Komplett analog ist kein Landwirt mehr«, sagt Tänzer. Auch im internationalen Vergleich sei die deutsche Landwirtschaft in dieser Hinsicht auf einem guten Weg, doch vielfach scheitere die Digitalisierung auch an den hohen Kosten und am fehlenden Kapital der durch niedrige Erzeugerpreise gebeutelten Landwirte.

Experten sagen eine weitere Digitalisierung der Landwirtschaft voraus. Doch einen Bauernhof ganz ohne Menschen kann sich bislang noch kaum jemand vorstellen. Wenn die Technik plötzlich ausfällt, kann das Problem schnell riesengroß werden. Notfalls müsse er dann auch vom Urlaubsort aus seinem Vater per Laptop im Stall helfen, berichtet Jungbauer Hendrik Vedder. Dennoch: Der Einsatz von Melkrobotern, Felddrohnen oder Nährstoffsensoren scheint kaum noch zu stoppen.