Moxa 5G und IIoT im Fokus

Jens Holzhammer (Moxa Europe) auf der Messe SPS 2019: »5G ist aktuell ein Hype-Thema, entwickelt sich aber allmählich zu einem Trend, auf den wir uns vorbereiten müssen, um für ihn gerüstet zu sein.«

Die europäische Niederlassung des taiwanischen Industriekommunikationstechnik-Herstellers Moxa hat einen neuen Geschäftsführer: Jens Holzhammer. Er hat mit Moxa Europe Einiges vor; im Interview erläutert er die Strategie des Unternehmens und gibt eine Einschätzung zu Industrial 5G.

Markt&Technik: Wie schätzen Sie die künftige Bedeutung von 5G für die Industrie ein?

Jens Holzhammer: In der Industrie steht und fällt 5G mit der Verfügbarkeit geeigneter Netzwerklösungen, gegebenenfalls als Campusnetze. Potenzielle Use Cases für 5G müssen allerdings erst noch herausgearbeitet werden. Noch nicht ganz klar ist, für welche vertikalen Märkte sich 5G besonders anbietet. Momentan sortiert sich der Markt für Industrial 5G noch, aber viele Kunden und auch Mobilfunknetzbetreiber befassen sich intensiv damit. Es zeigt sich: 5G ist aktuell ein Hype-Thema, wird sich aber über die nächsten Jahre zu einem Trend entwickeln, auf den wir uns vorbereiten müssen, um für ihn gerüstet zu sein.

Wie reagiert Ihr Unternehmen auf den Trend zu Industrial 5G?

Wir beschäftigen uns derzeit sehr intensiv damit, welche Auswirkungen 5G auf unsere Produkte und Lösungen haben wird. Derzeit experimentieren wir bereits mit Prototypen wie etwa 5G-fähigen Gateways. Besonders interessant wird 5G für die Industrie, wenn sich TSN-Datenpakete über 5G übertragen lassen – Release 16 des 3GPP-Standards soll dies ermöglichen. Bis der Standard und entsprechende Chipsätze bereitstehen, wird es allerdings noch eine Zeit dauern.
Generell haben wir den Anspruch, einer der Technologieführer zu sein, besonders im Bereich Industrial Cybersecurity und IoT. Hier kommt uns unsere langjährige Erfahrung in der OT Connectivity zugute. Wir haben eine große installierte Basis im Feld und kennen die Probleme der Anwender in der OT-Welt. Wir kommen an jede Schnittstelle heran, beherrschen jedes Protokoll und können die Daten aus der operativen Ebene über IIoT Gateways in die Cloud bringen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir auch eng mit Microsoft zusammen.

Welche Wachstumsziele verfolgen Sie mit der europäischen Niederlassung Moxa Europe?

Wir wollen in den nächsten fünf Jahren wie auch in der Vergangenheit zweistellig wachsen und unseren Umsatz verdoppeln. Dabei beruht unsere Unternehmensstrategie auf mehreren Eckpfeilern. Erstens wollen wir uns stärker auf ausgewählte vertikale Märkte fokussieren, sprich: auf profitable Nischenmärkte wie Schienentransportwesen, Fabrikautomatisierung sowie Energieerzeugung und -verteilung. Die engere Zusammenarbeit mit Endkunden steht dabei im Vordergrund, während unsere Vertriebspartner weiterhin ein strategischer Bestandteil unseres Geschäftsmodells bleiben. Das Ohr näher am Endkunden zu haben bedeutet für uns, weitere Mitarbeiter im Vertrieb und technische Kompetenz in der Region aufzubauen. Darüber hinaus sind die Themen Cybersecurity und IIoT wichtige Wachstumsfelder für die Zukunft.

Welche Strategie verfolgt Ihr Unternehmen in Sachen IIoT?

Unter IIoT verstehen wir, Daten auf allen Ebenen der OT-Welt zu erfassen, zu konsolidieren und an die Cloud zu übertragen, wo sie mithilfe von KI-Algorithmen und Big-Data-Analysen weiterverarbeitet und beispielsweise für vorausschauende Instandhaltung genutzt werden. Im weitesten Sinne könnte man uns als Informationslieferanten bezeichnen, die die im Automatisierungsumfeld entstehenden Daten nutzbar machen. Hierfür bieten wir robuste, zuverlässige und bedienerfreundliche Hardware und Software an, inklusive der für viele unserer Zielmärkte notwendigen Zertifizierungen.

Welche Bedeutung hat das Thema Cybersecurity für Ihr Unternehmen?

Wir werden uns künftig noch mehr als bisher mit dem Thema Cybersecurity beschäftigen. Gemeinsam mit Trend Micro haben wir ein Joint Venture gegründet, das unser IEC-62443-orientiertes Produktangebot um eine neue Intrusion-Prevention-Produktlinie erweitert. Damit bringen wir Sicherheitstechnik aus dem Unternehmens-IT-Bereich auf die Fertigungsebene – und das ohne zusätzliche Mirroring-Netzwerke.

Welche Bedeutung hat die Industrie-PC-Sparte inzwischen für Ihr Unternehmen?

Industrie-Rechner spielen eine immer größere Rolle. Wir erweitern unsere IPC-Plattform ständig um neue ARM- und x86-Prozessoren, zusätzliche Leistungsklassen, höhere Auflösungen sowie spezielle Versionen für die Bahn- und Schiffstechnik. Der IPC-Bereich wächst stark und bildet mittlerweile neben Switches und Serial Connectivity eine unserer tragenden Säulen. Ab 2020 werden wir unsere Geschäftsbereiche neu gliedern, um Synergie-Effekte in der Entwicklung besser nutzen zu können. Die Themen für die Zukunft stehen also fest – wir verfolgen eine klare Strategie, haben ein umfassendes und ausgereiftes Produktportfolio und bewegen uns in attraktiven Wachstumsmärkten. Jetzt müssen wir nur noch unsere PS auf die Straße bringen.