Cree setzt für die Zukunft klar auf SiC Zurück in die Zukunft!

Gregg Lowe, Cree: »Cree zählt zu den Pionieren der SiC-Technologie. Diese Stellung wollen wir sowohl im SiC-Wafer-Bereich als auch bei den SiC-Leistungshalbleitern in Zukunft deutlich ausbauen und SiC zu einer tragenden Säule des Cree-Umsatzes entwickeln.«

Gregg Lowe, seit Ende September 2017 CEO und President von Cree, hat das Unternehmen refokussiert. Die Zukunft liegt nun wieder in SiC, von einem Verkauf Wolfspeeds ist keine Rede mehr.

Vielmehr soll SiC in Zukunft zur tragenden Umsatzsäule neben LEDs und Beleuchtungstechnik für Cree werden. Im Zuge dieser Strategie wird die Produktionskapazität für SiC-Wafer 2019 noch einmal verdoppelt.

Markt&Technik: Herr Lowe, acht Monate nach ihrem Amtsantritt als CEO bei Cree, wie sieht die Zukunft von Cree aus? Setzen Sie auf Beleuchtung oder auf SiC?

Gregg Lowe: Cree setzt auf die Zukunft, und die heißt SiC. Wir haben unglaubliche Kompetenz in Sachen SiC und GaN. Der weltweite Energiebedarf wächst; vor diesem Hintergrund geht es darum, möglichst effizient mit der erzeugten Energie umzugehen. Wir befinden uns hier wirklich an einem Wendepunkt, SiC kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten und dazu wollen wir als Cree in Zukunft verstärkt beitragen.

Also eine Kehrtwende bei Cree. Sie behalten Wolfspeed. Wollen Sie dann den Beleuchtungsteil von Cree verkaufen oder bleibt das Unternehmen in der bisherigen Form erhalten?

Cree bleibt in der bisherigen Form mit LED, Beleuchtungslösungen und SiC erhalten. Unser Ziel ist es aber, SiC innerhalb von fünf Jahren zum größten Umsatzträger für Cree zu entwickeln. Ausgehend von 220 Millionen Dollar im letzten Jahr ist es das Ziel, Wolfspeed bis 2022 auf ein Umsatzvolumen von 850 Millionen Dollar zu bringen. In Summe wollen wir den Gesamtumsatz von Cree bis 2022 auf 2,5 Milliarden Dollar steigern. Ich bin optimistisch, dass wir das auch schaffen werden!

Was stimmt Sie da so optimistisch? Cree hat zuletzt mit Problemen im Bereich Beleuchtung gekämpft und der gescheiterte Verkauf von Wolfspeed an Infineon Technologies sollte eigentlich Geld in die Kassen spülen.

Cree hat letztlich mit selbstgemachten Problemen gekämpft. Wir sind dabei, diese Probleme abzustellen, und wir haben bereits einen Großteil der Probleme abgestellt. Als Management sind wir für eine zielführende, zukunftsgerichtete Strategie des Unternehmens verantwortlich und die muss nun umgesetzt werden. Für unseren zukünftigen Erfolg spielt die E-Mobility eine entscheidende Rolle. Wir werden ab 2020 deutlich mehr Elektrofahrzeuge auf den Straßen sehen, und diese Elektroautos werden mit großen Batterien unterwegs sein. SiC-Leistungshalbleiter werden darum essenziell für den Erfolg der Elektroautos sein. Oder denken Sie an den anstehenden Übergang von 4G auf 5G – auch hier wird SiC eine entscheidende Rolle spielen!

Sie sind nicht nur als Mann klarer Analysen bekannt, Ihnen wird auch nachgesagt, dass Sie einen intensiven Kontakt zu den Mitarbeitern suchen. Welchen Eindruck haben Sie hier von den Mitarbeitern bei Cree gewonnen?

Ich habe sehr schnell den Eindruck gewonnen, dass die Leute hier sehr stolz auf ihr Unternehmen und seine Stellung am Markt sind. Das gilt ganz besonders für Wolfspeed. Cree ist nicht nur einer der Pioniere dieser Technologie, sondern auch Marktführer und immer noch einer der treibenden Innovatoren in diesem Bereich. Die Mitarbeiter wollen etwas ändern, sie wollen das Unternehmen noch erfolgreicher machen! Diese Begeisterung und dieses Engagement hilft uns als Management ganz entscheidend bei der Umsetzung der jetzt definierten Strategie für die Zukunft. Jetzt ist klar, wo es in Zukunft hingeht, und alle ziehen an einem Strick.

Als TI- und Freescale-Mann haben Sie Ihre Wurzeln eindeutig in der Halbleiterwelt. Das Team, das Sie nun bei der Umsetzung der neuen Strategie unterstützt, kommt auch in erster Linie aus der Halbleiterwelt, oder?

Es ist uns gelungen, erfahrene Leute für dieses neue Ausrichtung zu gewinnen, die zuvor erfolgreich bei Texas Instruments, Freescale oder Analog Devices tätig waren. Ich bin mir sicher, dass es uns mit dieser zusätzlichen Expertise aus dem Halbleiter-Business gelingen wird, die Neuausrichtung des Unternehmens erfolgreich umzusetzen und unsere gesteckten Ziele zu erreichen.

Ist mit der Neuausrichtung des Unternehmens ein zukünftiger IPO von Wolfspeed vom Tisch oder halten Sie sich diese Option, etwa zur Beschaffung notwendiger Mittel für anstehende Investitionen, weiter offen?

Ein IPO ist für einen erfolgreichen Geschäftsbereich eines Unternehmens immer eine Option. Ich würde das deshalb für die Zukunft nicht ausschließen. Aber in den nächsten Jahren zählt für uns jetzt erst einmal, dass wir das Geschäft im Sinne der neuen Zielsetzung erfolgreich entwickeln müssen, um unsere Ziele zu erreichen. Mit den Vorteilen eines möglichen IPO werden wir uns dann zu gegebener Zeit beschäftigen.

Wolfspeed ist ja nicht nur mit SiC-Leistungshalbleitern am Markt erfolgreich, Cree ist parallel dazu der dominierende Hersteller von SiC-Wafern. Sie haben erst vor Kurzem einen langfristigen Liefervertrag mit Infineon Technologies unterzeichnet.

Wir haben hier den Vorteil, im Bereich SiC mit einer vertikalen Wertschöpfungskette arbeiten zu können. Wir stellen die Wafer her und fertigen daraus auch die Komponenten. Wir verfügen also über ein sehr großes Material- und Prozesswissen. Ich würde unseren Marktanteil im SiC-Wafer-Bereich aktuell auf rund 60 Prozent taxieren. Wir werden der damit verbundenen Verantwortung gerecht, indem wir im letzten Jahr die Produktionskapazitäten für Wafer verdoppelt haben. Wir werden das auch 2019 noch einmal tun! Zum langjährigen Liefervertrag mit Infineon möchte ich nur so viel sagen, das Volumen bewegt sich im dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich.