IHS Markit: 2019 Zehn Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung

Nariman Behravesh, Chief Economist von IHS Markit hat zehn Vorhersagen zur wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Jahr gemacht.

Ganz grundsätzlich hält er die weltweite Wirtschaft für verletzlicher, so dass in den nächsten Jahren eine größere Wahrscheinlichkeit für eine Rezession besteht – für dieses Jahr gibt er aber noch Entwarnung.

1. US-Wachstum oberhalb des allgemeinen Trends
Anfang 2018 wuchs die Weltwirtschaft zunächst synchronisiert, die Dynamik nahm im Laufe des Jahres aber ab und das Wachstum entwickelte sich in den Regionen unterschiedlich. Insbesondere die Volkswirtschaften der Eurozone, Großbritanniens, Japans und Chinas begannen zu schwächeln. Im Gegensatz dazu beschleunigte sich die US-Wirtschaft dank fiskalischer Impulse. Und das soll auch in diesem Jahr so bleiben. IHS Markit geht davon aus, dass die US-Wirtschaft um rund 2,6 Prozent zulegen wird; 2018 lag das Wachstum in den USA mit 2,9 Prozent deutlich über dem weltweiten Durchschnitt, 2017 waren es nur 2,2 Prozent. Behravesh ist aber überzeugt, dass sich die Auswirkungen der fiskalischen Impulse bis 2020 vollständig aufgelöst haben und das Wachstum dann wieder im Trend liegt.

2. Europas Wachstum wird sich weiter verlangsamen
Das Wachstum im Euroraum erreichte in der zweiten Jahreshälfte 2017 seinen Höhepunkt und ist seither kontinuierlich zurückgegangen: von 2,5 Prozent 2017 auf 1,9 Prozent 2018. Die Analysten prognostizieren für dieses Jahr einen weiteren Rückgang auf 1,5 Prozent und 2020 auf 1,2 Prozent. Als Ursachen nennt Behravesh diverse Gründe: die schlechter werdenden Kreditkonditionen, da die Europäische Zentralbank ihre Anleihekäufe stoppt; die gestiegenen Handelsprobleme und die Verlangsamung des Welthandelswachstums wiederum beeinträchtigen die Exporte und das verarbeitende Gewerbe; die Aufwertung des Euros gegenüber den meisten Währungen außer dem US-Dollar.

Damit seien auch die politischen Risiken deutlich gestiegen und tragen zum Rückgang der Geschäftsstimmung bei - der IHS Markit PMI (Purchasing Managers‘ Index) befindet sich auf einem Vierjahrestief. Dazu kommen noch politische Unwägbarkeiten. Dazu zählen die Analysten die Unruhen in Frankreich, anhaltende Probleme zwischen Italien und der Europäischen Union, sowie die auslaufende Kanzlerschaft von Angela Merkel und die damit verbundene Unsicherheit, was die deutsche Wirtschaft weiter belasten soll. Außerdem belasten die anhaltenden Turbulenzen um den Brexit das britische Wachstum, das von 1,7 Prozent im Jahr 2017 auf 1,3 Prozent im Jahr 2018 sank und voraussichtlich weiter auf 1,1 Prozent im Jahr 2019 fallen wird.

3. Japans Wirtschaft schwächelt
Auch in Japan erreichte das Wachstum 2017 mit einer Rate von 1,7 Prozent seinen Höhepunkt. 2018 sollen es nur noch 0,8 Prozent sein, ähnliches wird für 2019 (0,9 Prozent) erwartet, 2020 wird ein weiterer Rückgang auf 0,5 Prozent prognostiziert. Während die japanische Geldpolitik nach wie vor sehr expansiv ist, gibt es zwei große Hürden für das Wachstum: die Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft und die Auswirkung der Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und China und der daraus resultierende Rückgang des Handelswachstums. Da helfen auch die Olympischen Spiele 2020 kaum. Außerdem erwartet Behravesh, dass die japanische Regierung die Mehrwertsteuer im Oktober 2019 von 8,0 auf 10,0 Prozent anhebt, was zwar zu einem Wachstum der Konsumausgaben vor der Steuererhöhung führen wird, dennoch wird es bis Ende 2019 und Anfang 2020 zu einem Rückgang kommen.

Problematisch dabei ist, dass dieser zyklische Rückgang in einem Umfeld mit sehr schwachem langfristigem Wachstum stattfindet. Außerdem erwarten die Analysten, dass die demographische Entwicklung - insbesondere rückläufige Arbeitskräfte - nicht durch ein starkes Produktivitätswachstum ausgeglichen werden kann.