IHS Markit: 2019 Zehn Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung

7. Die Inflation wird nicht viel steigen, wenn überhaupt

Die globale Verbraucherpreisinflation stieg von 2,0 Prozent im Jahr 2015 auf 3,0 Prozent im Jahr 2018. Der größte Teil davon ist darauf zurückzuführen, dass in den Industrieländern ein Übergang von deflationären (oder nahezu deflationären) Bedingungen zu Inflationsraten stattfand, die nahe den Zielen der Zentralbanken von 2,0 Prozent liegen. Kurzfristig erwartet IHS Markit, dass die globale Inflation und die Inflation der entwickelten Volkswirtschaften nahe bei 3,0 bzw. 2,0 Prozent liegen werden.

8. Die Fed wird die Zinsen nur langsam anheben
Einige andere Zentralbanken könnten folgen, allerdings mit noch geringerem Tempo. Da die wichtigsten Volkswirtschaften der Welt an verschiedenen Punkten des Konjunkturzyklus liegen, ist es nicht verwunderlich, dass sich die jeweiligen Zentralbanken mit unterschiedlicher Geschwindigkeit (und in unterschiedliche Richtungen) bewegen. Angesichts des schwächeren Wachstums und des gedämpften Inflationsdrucks dürfte das Tempo der Zinserhöhung jedoch noch moderater ausfallen als bisher erwartet. Im Falle der Fed hält IHS Markit drei Zinserhöhungen in diesem Jahr für möglich, eine weitere soll 2020 folgen.

Andere Zentralbanken, die die Zinsen erhöhen könnten (aber wahrscheinlich weniger als die Fed), sind die Bank of Canada, die Bank of England (hängt vom Brexit ab) und einige wenige Zentralbanken der Emerging Markets, möglicherweise auch Brasilien, Indien und Russland. Unterdessen erwarten die Analysten von der Europäischen Zentralbank erst Anfang 2020 eine Zinserhöhung. Ebenso wird erwartet, dass die Bank of Japan ihre negative Zinspolitik erst 2021 beenden wird. Die People‘s Bank of China soll die einzige große Zentralbank sein, die sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt - besorgt um das Wachstum, gibt sie leichte Impulse.

9. Der US-Dollar behält seine Stärke
Der Dollar stieg handelsgewichtet vom vierten Quartal 2017 bis zum vierten Quartal 2018 um rund 6,5 Prozent. Ein Großteil der Aufwertung erfolgte in der zweiten Jahreshälfte 2018 - vor allem gegenüber den Währungen der Schwellenländer. IHS Markit erwartet, dass sich der Dollar für den Großteil des Jahres 2019 auf dem aktuell hohen Niveau halten wird. Das anhaltend über dem Trend liegende US-Wachstum und weitere Zinserhöhungen der Fed im Vergleich zu den meisten anderen Zentralbanken sind die Hauptgründe für diese Erwartung, eine weitere große Aufwertung des Dollars gilt aber als unwahrscheinlich. Dennoch hält Behravesh die Volatilität für sehr hoch, denn noch sei unklar, wie sich die Spannungen zwischen der Trump-Administration und den Demokraten entwickeln wird und welche Entwicklungen in Europa stattfinden. Der Analyst erwartet, dass der Euro-Dollar-Kurs 2019 bei rund 1,10 Dollar gegenüber 1,14 Dollar Ende 2018 landen wird. Gleichzeitig prognostiziert er, dass das Renminbi/Dollar-Kursniveau knapp unter dem psychologischen Niveau von 7,0 liegen wird – gemäß dem Wunsch der chinesischen Regierung nach Finanzstabilität.

10. Die Risiken politischer Erschütterungen sind gestiegen
Aus der Sicht von Behravesh sind Fehler in der Politik in diesem Jahr die größten Bedrohungen für das globale Wachstum und auch in Zukunft soll das so bleiben. Die Vereinigten Staaten sind die einzige Schlüsselwirtschaft, die wichtige fiskalische Impulse gesetzt hat (Chinas Impulse sind viel bescheidener). Dieser Stimulus wird aber bald nachlassen und die amerikanische Wirtschaft mit einem Erbe von Billionen Dollar jährlichen Haushaltsdefiziten und einem stetig steigenden Schuldenstand zurücklassen. Das bedeutet, dass die Vereinigten Staaten nur sehr wenig Spielraum für fiskalische Impulse haben werden, wenn die Wirtschaft in die Rezession rutscht. Angesichts der nach wie vor hohen Verschuldung wird auch die europäische und japanische Finanzpolitik stark eingeschränkt sein.

Nicht minder bedeutsam sind die mit der Geldpolitik verbundenen Risiken. Die wichtigsten Zentralbanken könnten ihre Finanzpolitik entweder zu wenig (und mit dem Risiko einer steigenden Inflation) oder zu viel (und mit dem Risiko einer vorzeitigen Rezession) straffen. Am Besorgnis erregendsten ist vielleicht, dass ein niedriges Zinsniveau die Fähigkeit der Zentralbanken, die Zinsen in einem Abschwung zu senken, stark einschränkt. Dies gilt insbesondere für die Eurozone und Japan, wo die Leitzinsen entweder bei Null oder darunter liegen. Nicht zuletzt sind die Handelskonflikte gefährlich, nicht weil sie bisher Schaden angerichtet haben (das haben sie nicht), sondern weil sie leicht eskalieren und außer Kontrolle geraten könnten. Die gute Nachricht ist: die Wahrscheinlichkeit, dass solche politischen Fehler das globale Wachstum in diesem Jahr ernsthaft beeinträchtigen werden, schätzt Behravesh noch relativ gering ein. Andererseits glaubt er, dass die Risiken von Schäden durch politische Fehler im Jahr 2020 und später steigen werden, und zwar genau dann, wenn sich das Wachstum weiter verlangsamt.