IHS Markit: 2019 Zehn Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung

4. Chinas Wirtschaftswachstum wird sich weiter verlangsamen

Im dritten Quartal 2018 wuchs Chinas reales BIP mit einer Rate von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, dem niedrigsten seit der Finanzkrise vor zehn Jahren. Die vierteljährliche Wachstumsrate ist seit Anfang 2017 stetig gesunken. Auf Jahresbasis hat sich das Wirtschaftswachstum von 6,9 Prozent im Jahr 2017 auf 6,6 Prozent im Jahr 2018 verlangsamt und wird weiter auf 6,3 Prozent in diesem Jahr und 6,0 Prozent 2020 sinken. Die zugrunde liegende Dynamik dahinter führt Behravesh auf den Versuch der Regierung zurück, die sehr hohen Schuldenstände zu reduzieren. Allerdings ist die chinesische Regierung sehr empfindlich gegenüber einem zu schnellen Rückgang des Wachstums - das Wachstum von 6,0 Prozent wird oft als »Verteidigungslinie« bezeichnet - und der jüngsten Entwicklung an den Aktienmärkten. Die Regierung ist außerdem besorgt über die Auswirkungen der (bisher begrenzten) US-Zölle auf das Wachstum.

Als Reaktion darauf haben die politischen Entscheidungsträger eine Reihe von monetären und fiskalischen Maßnahmen eingeleitet, um das Wachstum zu unterstützen und die Finanzmärkte zu stabilisieren. Dennoch dürften diese Maßnahmen nur bescheidene Auswirkungen haben. Das Kreditwachstum wird durch den massiven Schuldenüberhang und die dazugehörige Zusage der Regierung - zumindest mittel- bis langfristig - gebremst. Andererseits könnten die Konjunkturprogramme der Regierung durchaus aggressiver werden, wenn die Handelshemmnisse mit den Vereinigten Staaten (wieder) eskalieren und das Wachstum ernsthaft beeinträchtigt wird.

5. Das Wachstum in den Schwellenländern hat seine Grenzen erreicht und wird weiter zurückgehen
Mit 4,9 Prozent war das Wachstum in den Schwellenländern 2017 das stärkste seit 2013. Im Jahr 2018 ist das Wachstum in diesen Ländern auf 4,8 Prozent gesunken. IHS Markit erwartet für 2019 einen weiteren Rückgang auf 4,6 Prozent. Allerdings fallen die Wachstumsraten für die einzelnen Länder vollkommen unterschiedlich aus. Einige Volkswirtschaften wie Brasilien, Indien und Russland verzeichneten 2018 eine leichte Belebung des Wachstums. Andere wie Argentinien, Südafrika und die Türkei gerieten unter starken finanziellen Druck und litten unter Rezessionen oder Beinahe-Rezessionen. Die Schwellenländer sind in Zukunft mit einer Reihe von Problemen konfrontiert. Erstens verlangsamt sich das Wachstum in den Industrieländern (etwa 60 Prozent des Welt-BIP) - ebenso wie das Tempo des Welthandels. Zweitens werden die globalen finanziellen Bedingungen allmählich schwieriger und der Dollar dürfte weiterhin stark bleiben.

Die Länder, die am meisten betroffen sein dürften, sind diejenigen mit den höchsten Schuldenlasten - insbesondere diejenigen mit hohen Schulden in anderen Währungen (insbesondere dem Dollar). Die Analysten gehen außerdem davon aus, dass die Rohstoffpreise volatil bleiben und im Laufe dieses Jahres nachgeben werden. Nicht zuletzt könnte die zunehmende politische Unsicherheit in Ländern wie Brasilien und Mexiko ausländische Kapitalzuflüsse abschrecken. Einige Länder werden sich diesen Trends entziehen können - insbesondere dynamische Volkswirtschaften mit geringer Verschuldung - vor allem in Asien.

6. Die Volatilität an den Rohstoffmärkten bleibt
Ein schwächeres globales Wachstum, die allmähliche strenger werdenden Kreditbedingungen und die Stärke des Dollars werden die Rohstoffmärkte in diesem Jahr belasten. Das Nachfragewachstum in diesem Jahr soll aber stark genug zu sein, um die Märkte zu stützen, so dass ein Preisverfall wie im Jahr 2015 unwahrscheinlich ist. Die Rohstoffpreise sollen sich Ende 2019 kaum von denen Ende 2018 unterscheiden. Das heißt aber nicht, dass dazwischen keine weitere Achterbahnfahrt liegen könnte. Vor allem die Ölmärkte sollen von der anhaltenden Volatilität nicht verschont bleiben. Im Spätsommer 2018 stiegen die Ölpreise auf fast 90 Dollar pro Barrel, nur wenige Wochen später sanken die Preise wieder unter 60 Dollar/Barrel, bevor sie sich etwas erholten. IHS Markit erwartet, dass die jüngsten von der OPEC und Russland beschlossenen Produktionskürzungen die Preise stützen werden. Daher soll der Ölpreis in diesem Jahr durchschnittlich bei 70 Dollar/Barrel liegen, verglichen mit 71 Dollar im letzten Jahr.