Exklusiv-Interview mit Bob Swanson, Linear »Wir setzen weiter auf High Performance Analog«

Bob Swanson, Linear Technology: »Nur mit reinen Analogfunktionen geht es heute nicht mehr. Aber wir betrachten die Analogfunktionen eher als Tools, um das meiste aus unseren Analogfunktionen heraus zu holen.«
Bob Swanson, Linear Technology: »Nur mit reinen Analogfunktionen geht es heute nicht mehr. Aber wir betrachten die Analogfunktionen eher als Tools, um das meiste aus unseren Analogfunktionen heraus zu holen.«

»Wir haben vor sechs Jahren auf die Märkte Industrie und Automotive gesetzt, das war ein Wagnis«, sagt Bob Swanson, der Gründer von Linear Technology. Doch das Wagnis hat sich gelohnt: Gerade diese Marktsektoren sind über die letzten Jahre überdurchschnittlich gewachsen.

Der Halbleitermarkt bleibt zyklisch, die Zyklen haben sich über die letzte Zeit eher verstärkt. Wie kommt Linear damit zurecht?

Dass der Markt zyklisch bleibt, können wir aus eigener Erfahrung sagen: Nach einem Absturz von 35 Prozent im Zuge der Finanzkrise bis zum vierten Quartal 2009 ging es bis zum zweiten Quartal 2011 um 94 Prozent in die Höhe, dann bis zum zweiten Quartal 2012 wieder um 24 Prozent abwärts und bis zum ersten Quartal 2013 rechnen wir mit einem Plus von 14 Prozent. Als wir uns vor zwei Jahren hier trafen, sprachen viele über Lieferengpässe und wir waren wir sehr froh, dass wir liefern konnten…

…woran lag das?

Um die Frage zu beantworten, müssen wir sechs Jahre zurückblicken. Damals entschieden wir, dass wir uns künftig vor allem auf zwei Märkte konzentrieren wollen: Industrie und Automotive. Wir haben praktisch die Firma drauf gewettet und viele Investoren haben unser Konzept angezweifelt. Doch es hat sich gezeigt, dass das Konzept aufging: Wir konnten den durchschnittlichen Verkaufspreis der Produkte anheben und beide Marktsektoren sind schneller gewachsen als der Durchschnitt des Marktes. Wir konnten also gute Margen erzielen und wachsen. Allein der Automotive-Sektor hat pro Jahr rund 40 Prozent zugelegt.  Deshalb sind wir in einer soliden finanziellen Situation. Und das ist ganz wichtig, um gut durch die Zyklen zu kommen.

Was bedeutet das in der Realität?

Wir mussten in den Abschwüngen keine Fabs schließen und wir haben keine Mitarbeiter entlassen. Wir haben die Fabs schon mal für eine Woche geschlossen und die Mitarbeiter hatten Einbußen im Einkommen hinzunehmen, das konnten sie aber in den Aufschwüngen wieder mehr als ausgleichen. Weil wir niemanden entlassen mussten, konnten wir im Aufschwung wieder voll loslegen – und waren damit lieferfähig und konnten vom Aufschwung gut profitieren.

Linear Technology hat sich sehr stark auf den High-Performance-Analog-Markt ausgerichtet. Haben Sie alle Techniken im Haus, insbesondere auch die digitalen, um hochintegrierte Produkte entwickeln zu können, wie sie heute in vielen Sektoren zum Einsatz kommen?

Wir benötigen viele digitale Funktionen, beispielsweise Interfaces, um die analogen Blöcke ins System einzubinden. Nur mit reinen Analogfunktionen geht es heute nicht mehr. Aber wir betrachten die Analogfunktionen eher als Tools, um das meiste aus unseren Analogfunktionen heraus zu holen. Oft bringen wir die digitalen Funktionen in separaten Chips unter, um analog und digital getrennt optimieren zu können.

Können Sie ein Beispiel geben?

Ein Beispiel wären die Produkte, die heute unter dem Begriff Digital Power Management firmieren. Die digitalen Funktionen sind wichtig, aber die eigentliche Regelschleife bauen wir weiterhin auf Basis analoger Funktionen auf. Denn würden wir sie auch digital ausführen, dann würde das in längeren Sprungantwortzeiten, höheren Ruheströmen und hohe Leistungsaufnahmen wegen des hohen Rechenaufwands resultieren – und die Ergebnisse wären nicht besser als mit einer analogen Regelschleife. Wir wollen deshalb nicht von Digital Power sprechen sondern lieber von intelligenter Power.

Separate Funktion ein in einem Gehäuse unter zu bringen, das von außen kaum von einem Package zu unterscheiden ist, in dem nur ein einziger IC steckt – ist das der Weg in die Zukunft?

Es ist auf jeden Fall ein Weg in die Zukunft. Nehmen sie Beispielsweise die µModules: hier haben wir die Chips, die Induktivität, die Kondensatoren und die Widerstände in einem einzigen Gehäuse integriert. Das ist mechanisch sehr aufwändig und wir haben es trotzdem geschafft, eine Zuverlässigkeit zu erreichen, wie die Anwender sie von Single-Chip-Packages kennen.

Was tut sich im Bereich der analogen High-Performance-ICs? Will Linear hier in neue Märkte vorstoßen?

Aus meiner Sicht ist der neue SAR-Wandler bemerkenswert, den wir kürzlich vorgestellt haben. Mit einer Auflösung von 20 Bit und einer Abtastrate von 1 MSample/s stößt er in einen Beriech vor, der bisher den Delta-Sigma-Wandlern vorbehalten war. Wir wollen auch in Zukunft einen Schwerpunkt auf die Entwicklung von A/D-Wandlern setzen. Immer mit der Vorgabe, etwas Besonderes, etwas anderes als der Wettbewerb zu machen.

Hat sich über die letzten Jahre etwas daran geändert, wie Linear über künftige Entwicklungen entscheidet?

Wir arbeiten eng mit den Kunden zusammen, die die Produkte später anwenden wollen. Wir kennen die Anforderungen der Systeme genau und entwickeln dann die Produkte, von denen wir annehmen, dass sie den Kunden das Leben einfacher machen und ihnen Mehrwert bringen.

Es hat sich aber schon etwas geändert: die Entwicklungszeiten werden länger. Haben wir früher für neue Produkte meist ein Jahr gebraucht, so können es heute drei bis vier Jahre werden. Das liegt an der deutlich gestiegenen Komplexität der Produkte. 

Sie müssen also weiter Wetten eingehen, um auf die richtigen Produkte zu setzen. Was sehen sie als eine interessante Entwicklung für die Zukunft an?

Wirt haben Dust Networks gekauft und ums damit interessantes Know-how für den Aufbau von drahtlosen Sensornetzen verschafft. Das kombinieren wir mit unserer Expertise auf dem Gebiet des Power-Management und der Low-Power-Produkte. Wir wollen auch stark in Richtung Energy Harvesting gehen. Ob unsere Wette aufgeht, wird sich in fünf bis sechs Jahren zeigen.