Texas Instruments »Wir haben das Investment erhöht«

Stefan Bruder, TI: »Wir sind gesund aufgestellt; unsere Strategie ist nicht quartalsgetrieben, sondern langfristig. Deshalb investieren wir jetzt in den Kapazitätsausbau, denn die Kapazitäten werden in ein paar Jahren benötigt. Und wir investieren jetzt in Produkte, die entsprechend mit den Design-Zyklen in ein paar Quartalen auf den Markt kommen.«

2019 läuft auch für die Halbleiterindustrie nicht gut. Stefan Bruder, President EMEA bei Texas Instruments, erklärt im Gespräch mit Markt&Technik, warum trotzdem Optimismus angesagt ist und gerade jetzt entgegen dem Abwärtstrend gehandelt werden muss.

Markt&Technik: Der Markt schwächelt, TI hat im zweiten Quartal ein Minus von 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gemeldet. Der Embedded Processing Bereich ist mit 16 Prozent deutlich stärker zurückgefallen als das Analogsegment. Warum?

Stefan Bruder: Im Markt herrscht aufgrund des Brexits und des Handelskriegs zwischen den USA und China eine angespannte Situation, vielerorts werden die Bruttoinlandsprodukte nach unten korrigiert. Gerade in Deutschland, das stark exportorientiert ist, merkt man das besonders. Und diese Entwicklung sieht man auch im Halbleitermarkt. Verwendet man die WSTS-Zahlen als Referenz, dann wird für dieses Jahr ein Minus des Halbleiterumsatzes – ohne Speicher - von 4 bis 5 Prozent erwartet.

Aber ich möchte einen anderen, wichtigen Punkt in den Vordergrund rücken: Wir haben unsere Investitionen in F&E nicht zurückgefahren, sondern im Vergleich zum Vorjahr sogar erhöht. Wir haben Anfang des Jahres die Erweiterung unserer Richardson Fab in Texas angekündigt, sprich: Wir investieren jetzt in den Kapazitätsausbau, weil wir überzeugt sind, dass der Markt wieder anziehen wird. Auch auf der Kundenseite sind viele Aktivitäten im Bereich F&E zu sehen.

Fließen die höheren Investitionen nur in Kapazitätserweiterungen oder auch in die Technologie- und Produktentwicklung?

In beides. Zum einen in den Kapazitätsausbau unserer Fab, zum anderen in die reine Produktentwicklung. Denn auch jetzt bauen wir unser Portfolio weiter aus und zwar auf der Analog- und Embedded-Processing-Seite – auch hier haben wir unsere Investitionen erhöht.

Zurück zur ersten Frage: Embedded Processing ist deutlich stärker zurückgefallen. Liegt das daran, dass Analogtechnik viel breiter eingesetzt wird?

Ja, Analogtechnik wird in jeder Anwendung eingesetzt, jedes elektronische Produkt braucht beispielsweise eine Stromversorgung. Aufgrund dessen hat der Analogbereich eine viel größere Diversifikation. Das ist ja auch der Grund, warum sich TI auf diesen Bereich fokussiert. Aber wie gesagt, wir investieren auch weiter in den Bereich Embedded Processing. Denn auch heute gilt noch: In einem System wird neben den Analogkomponenten oft auch ein Prozessor/Mikrocontroller benötigt. Das war, ist und wird auch weiter unsere Strategie bleiben: Wir investieren in beide Bereiche, um unseren Kunden Systemlösungen anbieten zu können und auf Systemebene entsprechende Innovationen voranzutreiben.

Halten Sie die prognostizierten -4 Prozent für 2019 für realistisch?

Wir haben keine Kontrolle darüber, wie sich der Markt verhält. Wir konzentrieren uns also lieber auf die Dinge, die wir unter Kontrolle haben, das heißt: Wir fokussieren uns weiter auf Analog und Embedded sowie auf Industrie und Automotive; ein weiterer Fokus liegt auf einer engen Kundenzusammenarbeit. Diese Dinge können wir beeinflussen und hier können wir auch einen Unterschied machen.

TI forciert jetzt den Kapazitätsausbau, bei der derzeitigen Marktlage ein mutiger Schritt. Wann soll denn die Kapazitätserweiterung der Richardson Fab in Betrieb gehen?

Investments auf der Fertigungsseite sind immer langfristig. In Richardson haben wir mit der Phase 1 im Jahr 2009 begonnen, das war damals die erste 300-mm-Fab für Analogkomponenten. Ein Schritt, der uns in den Jahren 2017 und 2018 massiv geholfen hat. Wir waren in der Lage, sehr viele Kunden pünktlich zu beliefern. Und diese Lieferstärke hat die Kundenzufriedenheit entsprechend erhöht. Und genauso sehen wir die nächste Erweiterung. Diese Kapazitäten stehen nicht in den nächsten Quartalen zur Verfügung, sondern das ist eine Mehrjahresplanung. Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Kapazität zu einem Zeitpunkt, an dem wir glauben, dass wir sie brauchen, verfügbar ist.