Epson Toyocom »Wir fertigen bei fast allen Bauteilen höhere Stückzahlen als vor der Krise«

Stefan Hartmann, Epson Toyocom: Während sich kurzfristige Bedarfserhöhungen vor der Krise durch entsprechend hohe Lagerbestände abfedern ließen, bieten die derzeit reduzierten Lagerbestände nur bedingte Möglichkeiten, die teilweise exorbitant gestiegenen Bedarfe zu puffern, bis neue Ware aus der Bauteilefertigung nachfließt.

Dass die Markterholung nicht nur ein Strohfeuer ist, davon ist Epson Toyocom überzeugt und wird die Produktionskapazitäten für strategische Kernprodukte wie den kHz-Quarz MC-146 und den 3,2 x 2,5mm-MHz-Quarz TSX-3225 in den kommenden Monaten sukzessive erhöhen. Damit dürfte sich die angespannte Liefersituation für LF-Taktgeber ab Herbst langsam entschärfen. Stefan Hartmann, Department Manager, Epson Toyocom, appelliert aber auch an die Kunden, vorausschauender zu planen, um Bandstillstände zu vermeiden.

Auch wenn der Markt förmlich nach Ware schreit, ist die Angst vor dem »Double Dip« vielerorts immer noch spürbar. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Seit einigen Monaten sehen wir, dass sich der Markt deutlich erholt, so dass wir bei fast allen Bauteilen bereits höhere Stückzahlen fertigen als vor der Krise und damit bei einigen Bereichen an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Das derzeitige Bestell- und Lieferniveau liegt deutlich über dem des letzten Jahres, und bei einigen Bauteilen hat der Bedarf bereits Allzeithöchststände erreicht. Das ist ein Trend, der sich nicht nur auf einzelne Hersteller beschränkt, sondern zumindest für bestimmte Bauformen über den gesamten Markt erstreckt. Aus diesem Grund haben wir uns vor kurzem entschieden, die Produktionskapazitäten für strategische Kernprodukte wie den kHz-Quarz MC-146 und den 3,2 x 2,5mm-MHz-Quarz TSX-3225 zu erhöhen. Wirksam wird das je nach Produkt in den kommenden Monaten. Weil wir einer der größten Quarz-Lieferanten im Markt sind, sollte sich die angespannte Liefersituation damit sukzessive etwas entschärfen. 

Bis wann werden sich Ihre Kapazitätserhöhungen konkret auf die Lieferzeiten auswirken? 

Wir erwarten, dass die ersten Produkte wie der kHz-Quarz MC-146 ab etwa September den Allokationsstatus verlassen. Beim 3,2 x 2,5mm-MHz-Quarz TSX-3225 dürfte das noch bis in den Winter dauern, natürlich immer abhängig vom aktuellen Bestelleingang. In diesem Zeitraum sollte ja auch das Weihnachtsgeschäft wieder für zusätzliche Bedarfe sorgen, so dass die Entspannung der Liefersituation auch noch etwas länger auf sich warten lassen könnte.

Mit welchen Herausforderungen wird die Branche in diesem Jahr zu kämpfen haben?

Die größte Herausforderung für die Hersteller wird sein, genügend Material zu beschaffen, damit wir die Produktion unserer Kunden aufrechterhalten können. Dazu brauchen wir aber auch eine möglichst genaue und vorausschauende Planung unserer Kunden, denn die Flexibilität der Fertigung ist besonders in Allokationszeiten begrenzt.

Ist das Kaufverhalten der Kunden aus Ihrer Sicht jetzt anderes als vor der Krise?

Definitiv Ja! Vor der Krise haben die Kunden die Liefersicherheit sehr hoch bewertet und entsprechende Lagerbestände aufgebaut, um die Produktion in jedem Fall aufrechterhalten zu können. In der Krise schließlich haben viele Unternehmen diese Lagerbestände massiv reduziert, so dass die Markterholung häufig zu recht kurzfristigen und nicht geplanten Bestellungen führt. Während sich diese kurzfristigen Bedarfserhöhungen vor der Krise durch entsprechend hohe Lagerbestände abfedern ließen, bieten die derzeit reduzierten Lagerbestände nur bedingte Möglichkeiten die teilweise exorbitant gestiegenen Bedarfe zu puffern, bis neue Ware aus der Bauteilefertigung nachfließt. Hier sind wir als Hersteller in permanentem Kontakt mit unseren Kunden und Distributoren, damit wir mit vereinten Kräften Bandstillstände soweit irgendwie möglich durch Sonderaktionen, wie kurzfristiges Tauschen der Allokationsmengen, Umstellen auf andere, besser verfügbare Produkte oder Eillieferungen, vermeiden können.

Gleichzeitig hat die Bauteilknappheit der letzten Monate dazu geführt, dass durch die Lieferkette hindurch die Lagerbestände wieder erhöht wurden, was die Lieferkette zwar noch weiter unter Druck gebracht hat, aber andererseits auch dazu führt, dass die Lagerbeständen bei Distributoren und Kunden allmählich wieder ansteigen.