Future Horizons Wenn Europa scheitert, kommt Lehman zurück

Penn Malcolm Future Horizons
»Wenn der Euro zusammenbricht, wird es einen Absturz geben, der vergleichbar ist mit dem, den die Lehman-Pleite ausgelöst hat.«

Malcolm Penn, Chairman und CEO von Future Horizons, erwartet, dass der weltweite Halbleitermarkt in diesem Jahr um 10 Prozent zulegen wird und liegt damit wie gewohnt deutlich höher als die meisten seiner Kollegen. Aber neben seinem grundlegenden Glauben an die Halbleiterindustrie und ihren Wachstumsmöglichkeiten sind auch durchaus kritische Töne zu hören.

Wenn alles gut läuft, dann erwartet Penn, dass der Halbleiterumsatz in den USA um 13 Prozent zulegt. Damit wären die USA die Region, die in diesem Jahr am stärksten wächst. Am unteren Ende der Wachstumsliste steht Europa. Hier erwartet Penn einen Zuwachs von 4,2 Prozent. Japan wiederum soll in diesem Jahr noch ein Plus von 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreichen und die Region »Rest of World« soll um 11,2 Prozent zulegen können. Die treibenden Kräfte, die dieses Wachstum ermöglichen, sind seiner Meinung nach die Automobilindustrie, Smartphones oder ähnliche mobile Datenkommunikationsgeräte Server und Laptops.

Wenn alles gut läuft? Wird Penn auf die Unsicherheiten angesprochen, die sich durch die europäische und US-Krise ergeben, spricht er von dem »typischen europäischen Kuddelmuddel, sich mit Kompromissen durchzuwursteln. Dieses Verhalten legt sich als dunkle Wolke über die Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung Europas. Die USA sind nicht besser als Europa, aber hier finden in diesem Jahr Wahlen statt und die kurbeln die Wirtschaft immer an.« … deshalb auch die auffallend hohe Wachstumsrate von 13 Prozent für die USA.

Wenn alles gut läuft, dann würde das Wachstum im Halbleitermarkt durch ein »normales« Geschäftsgebaren vorangetrieben, ausgehend von einer bereits geringen Grundlinie, plus einer Supply-Chain, die »so ausgequetscht wurde, dass sie mit keinem wie auch immer gearteten Wachstum mithalten kann«, so Penn weiter. Wenn aber nicht alles gut läuft, wenn also der Euro fällt, dann befürchtet Penn einen ähnlich gearteten Absturz der Weltwirtschaft, wie es die Lehman-Pleite zur Folge hatte.

Japan wiederum hatte im letzten Jahr mit den Folgen der Naturkatastrophe im März zu kämpfen. Das führte dazu, dass das zweite Halbjahr durch hohe Zuwachsraten gekennzeichnet war. Doch was ist für dieses Jahr zu erwarten, sind jetzt noch weitere Konsolidierungen der japanischen Halbleiterhersteller zu erwarten? Aus seiner Sicht ist gibt es für eine weitere Konsolidierung nicht mehr viel Spielraum, es sei fast nur noch Kleinkram übriggeblieben und damit spiele es keine Rolle, ob hier noch eine Konsolidierung stattfindet oder nicht. Penn erklärt aber auch weiter: »Japans großes Problem besteht ja darin, dass das Land immer noch damit kämpft, alle vergangenen Mega-Merger zu verdauen, die alle weit entfernt von einem erfolgreichen Merger waren.«

Nachdem Penn den Regionen Europa, USA und Japan eher kritisch gegenüber steht, wie sieht er die Entwicklungen in China? Diese Region ist seit Jahren die Wachstumsregion für die weltweite Wirtschaft, einschließlich der Halbleiterindustrie. Aber hier haben sich die Vorzeichen ebenfalls verändert, denn die chinesische Notenbank hat zum ersten Mal seit drei Jahren die Mindestreserve-Quote der Banken gesenkt hat, weshalb Penn erklärt: »China fungiert nicht länger als dynamische Wachstumsmaschine, es ist mittlerweile zu groß, um die bislang gewohnten Wachstumsraten aufrechterhalten zu können. Und jedwede Verlangsamung des dortigen Wachstums wird wehtun. Ich gehe also davon aus, dass 2012 ein Jahr mit harten Korrekturen sein wird.«