Halbleitermarkt Was für ein Jahr

Der WSTS hat in seiner im vorletzten Jahr vorgelegten Herbstprognose (November 2016) für 2017 ein Wachstum von 3 Prozent prognostiziert. Im Juni 2017 wurde die Prognose dann auf 11,5 Prozent angehoben und im November nochmals auf 20,6 Prozent.

Der WSTS ist sicherlich etwas konservativ in seiner Schätzung, aber das Jahr 2017 hatte niemand so erwartet.

Die jetzt erwarteten 20,6 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr bedeuten ein weltweites Halbleitervolumen von 409 Mrd. Dollar und stellen gleichzeitig das mit Abstand größte prozentuale Wachstum seit 2010 dar. Haupttreiber sind bekanntermaßen die Speicherkomponenten, denen der WSTS einen Zuwachs von sage und schreibe 60,1 Prozent zutraut.

Von diesem exorbitanten Wachstum profitieren zwar nur ein paar Hersteller und Samsung hat dadurch Intel vom 1. Platz im weltweiten Halbleiter-Ranking vertrieben, aber auch die anderen Hersteller bewerten dieses Jahr durchweg positiv. Egal ob es sich um die eigene Unternehmensentwicklung, bestimmte Produktbereiche oder Regionen geht, überall nur positive Meldungen.

Aber bei den Zahlen ist das auch kein Wunder. Analog Devices hat beispielsweise für das Geschäftsjahr 2017 einen Gesamtumsatz in Höhe von 5,1 Mrd. Dollar erzielt, was einem Plus von 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Natürlich ist ein Teil dieses enormen Umsatzsprungs auf die Übernahme von Linear Technology (LTC) zurückzuführen (seit dem dritten Quartal 2017 sind die Umsatzzahlen von LTC komplett in den ADI-Gesamtzahlen enthalten), aber Uwe Bröckelmann, Technical Director EMEA bei Analog Devices, betont: »Wir sind nicht nur durch die Akquisition, sondern auch generisch in allen Bereichen gewachsen.«

Solch ein exorbitant hohes Wachstum kann STMicroelectronics zwar nicht vorweisen, das Unternehmen hat sich aber bislang auch aus den M&A-Aktivitäten im Halbleitermarkt rausgehalten. Zufriedenheit herrscht aber allemal. So erklärt Michael Anfang, Vice President Marketing & Application Automotive EMEA bei STMicroelectronics, dass, nachdem ST Mitte letzten Jahres den Turn-Around geschafft hatte, die Geschäfte sehr gut gelaufen sind. »Umsatzwachstum und Profitabilität haben sich sehr gut entwickelt, hier liegen wir voll im Zielbereich.« Zahlentechnisch heißt das: Im dritten Quartal 2017 hat ST einen Umsatz von 2,14 Mrd. Dollar ausgewiesen, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 18,9 Prozent. Für das gesamte Jahr erwartet das Unternehmen einen Umsatzzuwachs von 18 Prozent.

Und so geht es weiter. Auch Norbert Siedhoff, Managing Director bei Microchip Technology, verweist auf die Unternehmenszahlen, die ganz klar zeigen: »2017 war ein Superjahr. Bis jetzt sieht es so aus, als ob wir eine Wachstumsrate –ohne Atmel – gegenüber dem Vorjahr von über 15 Prozent erreichen werden, wobei ich betonen möchte, dass das Jahr noch nicht zu Ende ist: Unser Fiskaljahr geht von April bis April, also zwei Drittel sind rum. Mit den 15 Prozent lägen wir schon über unseren eigenen Erwartungen von 12 Prozent.«

Aus Siedhoffs Sicht besteht ein Zusammenhang zwischen Bruttoinlandsprodukt und Halbleiterwachstum: Legt das weltweite Bruttoinlandsprodukt nur um 2 Prozent zu, dann ist das Wachstum im Halbleitermarkt relativ niedrig; liegt das Wachstum aber bei 3 Prozent und höher, »dann wächst der Halbleiterbedarf normalerweise überproportional«, so Siedhoff. Aus der Sicht von Microchip ist der Automotive-Markt besonders stark gestiegen, aber auch die Nachfrage nach Connectivity, egal ob bedrahtet oder drahtlos, hat gut zugelegt. Darüber hinaus waren auch die Mikrocontroller stark nachgefragt – »ein wichtiger Punkt für uns, denn wir erzielen immer noch knapp 50 Prozent unseres Umsatzes mit MCUs«, erklärt Siedhoff weiter. Dazu kommen laut seiner Aussage noch einzelne Produkte, die eine außergewöhnlich hohe Nachfrage erzielt haben, wie MaxTouch von Atmel oder Komponenten, die einen schlüssellosen Zugang zum Fahrzeug – sprich Car Access – ermöglichen.