Numonyx-Übernahme Warum setzt Micron auf NOR-Flash?

Ein schrumpfender Markt? Kein Problem! Wer groß genug ist, kann auch in Märkte investieren, die sich mittelfristig gesehen fast halbieren werden. Durch die Übernahme von Numonyx wird Micron künftig am rückläufigen NOR-Flash-Markt partizipieren.

Steve Appleton, CEO von Micron, sieht genau in diesem Umfeld große Chancen für sein Unternehmen: »Ein Halbleiterhersteller muss eine gewisse Größe haben, um zu überleben«, sagt er. Die Hersteller, die sich in der Vergangenheit vorwiegend auf NOR-Chips fokussiert haben, sind daher zum Umdenken gezwungen. Dazu gehört wohl auch Numonyx, das 2008 gegründete Speicher-Joint-Venture von Intel und ST Microelectronics, das zwar auch NAND-ICs im Produktprogramm hat, jedoch vorwiegend den NOR-Flash-Markt bedient.

Und genau dieses Marktsegment hat Micron nun für seine Diversifizierungsstrategie auserkoren: »Durch die Übernahme von Numonyx werden wir zum zweitgrößten Speicherhersteller aufsteigen – und einen Marktanteil von rund 20 Prozent erreichen«, sagt Steve Appleton.

In der neuen Unternehmensgröße und -breite sieht Appleton einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber den meisten anderen Speicherherstellern. Ähnlich wie Samsung könne Micron jetzt verstärkt als Lösungsanbieter am Speichermarkt auftreten. »Die Akquisition versetzt uns in die Lage, einem breiten Kundenkreis umfassende und wettbewerbsfähige Lösungen anzubieten.« Auch weitere Ziele sind klar formuliert: »Micron will den Marktanteil im Wireless-Segment erhöhen und das Geschäft mit Multi-Chip-Packages ausbauen.«

Aber auch separat betrachtet ist der NOR-Flash-Markt für Steve Appleton ein durchaus interessantes Betätigungsfeld. Durch die Fertigungstechnologien und – Prozesse, über die Micron ohnehin verfügt, lasse sich dieser Markt sehr wirtschaftlich bedienen. Wem dieser Spagat gelingt, der kann auch von einem schrumpfenden Markt profitieren. Denn eines ist klar: NOR-Chips werden mittelfristig nicht vollständig vom Markt verschwinden. Die künftige Entwicklung des NOR-Marktes könnte ähnlich wie bei den EEPROMs verlaufen: Hatte der EEPROM-Markt vor 20 Jahren ein Umsatzvolumen von rund 1,5 Mrd. Dollar, so liegt das weltweite Volumen nach zwei Jahrzehnten bei immerhin noch rund 1 Mrd. Dollar!