STMicroelectronics zielt immer noch auf überdurchschnittliches Wachstum ab Wann kommt ST-Ericsson in Fahrt?

Otto Kosgalwies, STMicroelectronics: »Es gibt nichts, was nicht knapp ist.«
Otto Kosgalwies, STMicroelectronics: »Bei uns hat sich viel verändert. Stand Nokia früher für 25 Prozent des ST-Umsatzes haben mittlerweile die Großkunden aus dem Nicht-Wireless-Bereich deutlich an Bedeutung gewonnen, allen voran Unternehmen aus dem Automotive-Bereich und natürlich unsere MEMS-Großkunden.«

Die ST-Ericsson-Zahlen für 2011 zeigen, dass das Unternehmen immer noch weit davon entfernt ist, gesund zu sein. Markt&Technik sprach mit Otto Kosgalwies, Executive Vice President Company Infrastructures and Services bei ST, über die Aussichten von ST-Ericsson, die Abhängigkeit von Nokia, aber auch über das Core-Geschäft von STMicroelectronics und die 300-mm-Fabrik »Crolles«.

Markt & Technik: ST-Ericsson hat auch im letzten Jahr einen Verlust von 841 Mio. Dollar ausgewiesen. Und auch wenn Carlo Bozotti bei der Bekanntgabe der Zahlen für das vierte Quartal schon betont hat, dass es zu früh sei, über mögliche Konsequenzen nachzudenken, stellt sich die Frage: Wie lange kann sich STMicroelectronics dieses Engagement noch leisten? Gibt es irgendwelche Anzeichen dafür, dass sich die Situation für ST-Ericsson bessert - nur fabless scheint ja nicht des Rätsels Lösung zu sein?

Otto Kosgalwies: Ich denke schon, denn ST-Ericsson konnte mit seinen Applikationsprozessoren, seinem Modem oder der Kombination aus beiden in diversen Telefonmodellen Designs gewinnen. Jetzt geht es also darum, diese Design-Wins entsprechend umzusetzen, jetzt ist es wichtig, dass wir die Chip-Sätze genau dann in den Stückzahlen liefern, wenn diese der Kunde braucht, einschließlich Software-Unterstützung.

ST-Ericsson erinnert ein wenig an die Infineon-Geschichte. Auch hier wurde von Quartal zu Quartal die geplante Ertragswende nach hinten geschoben, dann kam die BenQ-Pleite, es wurden neue Designs bei wichtigen Kunden gewonnen und zum Schluss hat es trotzdem nicht gereicht. Auch bei ST-Ericsson wird der Zeitpunkt, ab wann das Unternehmen schwarze Zahlen schreibt, immer wieder geschoben…

Das hat aber auch besondere Gründe. Im letzten Jahr hat Nokia seine Symbian-Plattform abgekündigt, was ST-Ericsson um Quartale zurückgeworfen hat. Denn hier sprechen wir nicht von einigen Mio. Dollar, sondern von deutlich mehr Geld. Aber damit haben sich für uns auch neue Marktchancen eröffnet. Wir waren früher beispielsweise bei Microsoft nicht präsent, jetzt sind wir es sehr wohl.

Aber dennoch: Mit der Nokia-Entscheidung hat sich unser geplanter Ramp-up unserer Smartphone-Lösungen um drei Quartale verzögert. War vor der Nokia-Entscheidung noch geplant, bereits Mitte 2011 eine Symbian-Smartphone-Plattform hochzubringen, musste sich die gesamte ST-Ericsson-Crew nach der Nokia-Entscheidung erst einmal neu ausrichten, auf neue Plattformen, neue Kunden.

Aber das ist abgeschlossen, wir liefern mittlerweile die ersten Smartphone-Lösungen - sprich Prozessor, oder Modem oder beides in Kombination -, aber eben an andere Kunden. Jetzt muss nur noch die Kostenstruktur angepasst werden.

An der Kostenstruktur von ST-Ericsson wurde aber doch schon so viel gedreht…

Nach einer Fusion von drei Firmen wird immer die Kostenstruktur angepasst, damit die Synergien auch zum Tragen kommen, das ist Standard. Im Fall von ST-Ericsson sind jetzt aber aufgrund der externen Einflüsse noch einmal Korrekturmaßnahmen notwendig.

Gibt es hier denn überhaupt noch Möglichkeiten?

ST-Ericsson verfügt parallel zu uns über eine eigene Infrastruktur. Da muss man sehen, inwieweit hier noch optimiert werden kann. Diesen Maßnahmen müssen aber zwei Shareholder - STMicroelectronics und Ericsson - zustimmen.

Die Kosten sind aber nur ein Punkt, ich will noch einmal betonen: ST-Ericsson hat viele neue Designs gewonnen, wir haben in unsere Fertigung in Crolles investiert sowie entsprechende Vereinbarungen und Qualifikationen mit unseren Foundry-Partnern durchgeführt, so dass alle Voraussetzungen geschaffen sind, dass ST-Ericsson den Sprung in die Profitabilität schafft. Jetzt müssen wir einfach sehen, in welchem Quartal es dann wirklich so weit ist.