Kommentar Von natürlichen und selbstgemachten Katastrophen

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@weka-fachmedien.de

Schäden in den Lieferketten hat das Corona-Virus bereits angerichtet. Aus ihnen dürfte sich so manches lernen lassen.

Sicher ist nur, dass die Maßnahmen, die die Ausbreitung des Virus eindämmen sollen, in China zu chaotischen Verhältnissen geführt haben und schon deshalb einen starken Einfluss auf die Lieferketten weltweit nehmen werden. Nun schlagen Naturkatastrophen einschließlich Krankheiten wie SARS in der Weltwirtschaft erfahrungsgemäß nur kurzfristig durch: Einem schnellen Rückgang der Geschäftsaktivitäten folgt ein ebenso schneller Aufstieg; auf größeren Skalen ist der Effekt kaum mehr zu sehen. Ob es diesmal ebenso sein wird, hängt davon ab, ob es China gelingt, die Folgen des Coronavirus schnell in den Griff zu bekommen. Staatschef Xi Jinping hat sich und die Regierung selber unter Druck gesetzt, weil er den Erfolg im Kampf gegen Corona zum Maßstab für die Leistungsfähigkeit Chinas erklärt hat. Ob der Druck zu effektiven und wohlüberlegten Maßnahmen der Verwaltungen führt, bleibt erst einmal abzuwarten.

Wenn das Corona-Virus zu weiteren Fabrikschließungen und Reisebeschränkungen führen sollte, könnte es die globalen Lieferketten zerreißen. Zwar haben die meisten weltweit tätigen Unternehmen nach Katastrophen wie Fukushima und Vulkanausbrüchen inzwischen generalstabsmäßig ausgearbeitete Pläne für Krisenfälle in den Schubladen – aber dass ein Land wie China plötzlich zu einem Großteil nicht mehr produzieren und abnehmen kann, dürfte doch die Unternehmen vor ein Problem neuer Dimension stellen.

Es bleibt vor allem im Interesse der Menschen in China zu hoffen, dass das Corona-Virus sich als nicht ganz so schlimm erweist, wie viele jetzt befürchten. Wenn hinterher gesagt werden könnte, dass manche Maßnahmen vielleicht übertrieben stark gewesen seien, dann wäre das das Beste, was passieren kann. Denn einen glimpflichen Verlauf wünschen alle.

Unabhängig davon aber führen die Maßnahmen deutlich vor Augen, wie eng die Weltwirtschaft, gerade im Elektronikbereich, verflochten ist – und wie vielfältig und teilweise unvorhersehbar die negativen Auswirkungen einer solchen Katastrophe auf die Branchen und Regionen weltweit ausfallen.

Naturkatastrophen sind allerdings höhere Gewalt, auf die sich nur begrenzt Einfluss nehmen lässt. Da mutete es schon seltsam an, dass unter dem Vorwand, eigene Interessen zu vertreten, viele Politiker rund um die Welt geneigt sind, die internationalen Handelsbeziehungen, die sich über viele Jahrzehnte herausgebildet haben, durch Handelsbeschränkungen ganz freiwillig empfindlich zu stören. Das mag zu kurzfristigen Vorteilen führen. Doch niemand wird sich daran längerfristig erfreuen können, denn in eng verflochtenen Systemen wird der Schaden für den nicht lange auf sich warten lassen, der anderen schadet. Wie dies funktioniert, dürfte sich an den Mechanismen recht gut ablesen lassen, die die Maßnahmen gegen das Coronavirus weltweit auslösen werden.