Interview mit Reynette K. Au, Intel Von FPGAs über Structured ASICs hin zu Custom-ASICs

Reynette Au, Intel: »Wir als Intel fühlen uns auch weiterhin den traditionellen FPGA-Märkten verpflichtet, keine Frage. Aber wenn wir die Nutzung von FPGAs ausweiten wollen, dann müssen wir FPGA-Fähigkeiten in verschiedenen Formen auf den Markt bringen, also nicht nur als Komponenten.«

Markt&Technik unterhielt sich mit Reynette K. Au, Vice President, Programmable Solutions Group von Intel, unter anderem über die hauseigene FPGA-Strategie, denn manchmal könnte man auf die Idee kommen, dass das FPGA-Geschäft eigentlich doch nicht zu Intel passt.

Markt&Technik: Seit Intel Altera übernommen hat, ist immer wieder zu hören, dass das Unternehmen mit seiner PSG (Programmable Solutions Group) am Markt nicht mehr sonderlich aktiv ist. Erst vor Kurzem hat Xilinx noch einmal betont, dass Intel im Automotive-Markt eigentlich nicht mehr auftritt. Stimmt das?

Reynette Au: Die Daten sprechen für sich. Es ist richtig, dass Intel mit seinen FPGAs insbesondere auf dem Automotive-Markt nicht sonderlich aggressiv auftritt. Das liegt daran, dass Intel dieses Marktsegment mit anderen Produkten aus dem eigenen Haus adressiert, und zwar in einer Art und Weise, die aus unserer Sicht deutlich effektiver ist. Wenn man sich ansieht, mit welcher Begründung Intel damals Altera übernommen hat, dann wird ganz klar, dass es auf keinen Fall darum ging, irgendwelche Dinge zu duplizieren, in die Intel sowieso schon selbst investiert hat. Sondern die Investition sollte vielmehr additiv sein.

Intel betrachtet die programmierbare Logik als ein Vehikel, seinen Footprint zu verbessern, und zwar in Märkten, in denen Intel für sich ein neues Wachstumspotenzial sieht. Wenn ich von Verbessern spreche, geht es also darum zu schauen, wie wir Bereiche von Intel zusammenbringen können, um unseren Kunden ein deutlich attraktiveres Angebot unterbreiten zu können.

Ein Ansatz, den Intel in diesem Zusammenhang beispielsweise verfolgte, ging darum, eine CPU und ein FPGA in ein Gehäuse zu setzen. Davon wurde über Jahre gesprochen, aber bislang ist nicht viel passiert. Warum ist die Kombination deutlich schwieriger zu realisieren, oder sieht Intel darin keinen Mehrwert mehr?

Es ist ein bisschen beides. Ich würde aber nicht sagen, dass der Markt eine solche Kombination nicht braucht. Wenn man sich aber anschaut, wie Entwickler Zugang zu den Vorteilen von FPGAs bekommen, dann unterscheidet sich das ziemlich grundlegend davon, wie sie Zugang zu den Prozessoren erhalten. Die Programmiermodelle sind komplett unterschiedlich. Die beiden Technologien in ein Gehäuse zusammenzupacken bringt aus Sicht der Hardware einen gewissen Effizienzzuwachs, aber aus Entwicklersicht ist diese Kombination nicht einfach. Für den Kunden ist der Entwicklungs-Flow wichtig, und dafür gibt es noch keinen zufriedenstellenden Ansatz.

Wobei der Grundgedanke, beide Welten zu verheiraten, durchaus reizvoll ist.

Natürlich gibt es entscheidende Vorteile, wenn die CPU direkt neben einem FPGA sitzt, und damit meine ich nicht eine Anordnung auf einer Leiterplatte. Deshalb setzt Intel auf eine Strategie mit Tiles. Wenn ein Kunde die Kombination benötigt, ist es dank unserer Interconnect-Technologie möglich, das FPGA komplementär neben der CPU zu nutzen.

Damit ändert sich aber nicht das Problem der Programmierung?

Nein, aber für die Kunden steigt die Flexibilität, und die Time to Market wird kürzer.