mCube übernimmt Xsens Vom Blockbuster bis zur ReHa

Durch die Übernahme von Xsens wird MEMS-Spezialist mCube in Zukunft in der Lage sein, ganz neue Lösungen zur 3D-Bewegungsverfolgung anzubieten.

»Durch die Zusammenführung von Xsense und mCube erhalten wir die Möglichkeit zur schnelleren Entwicklung neuer Lösungen zum Zweck der Bewegungserkennung und einer nahtlosen Interaktion zwischen der realen und digitalen Welt in Anwendungen zur industriellen Steuerung und Stabilisierung, Medizin, Sport, und 3D-Animation«, erläutert Ben Lee, CEO von mCube, die neuen Möglichkeiten, die die Übernahme für den jungen MEMS-Sensorspezialisten mCube eröffnet.

Die Chance zur Übernahme ergab sich, weil sich On Semiconcductor nach der Übernahme von Fairchild von Aktivitäten trennen will, die für On Semi nicht zum Kerngeschäft gehören. Fairchild hatte das im Jahr 2000 gegründete und in Enschede ansässige niederländische Unternehmen 2014 übernommen. On Semi war mit der Idee des Verkaufs an mCube herangetreten. Für Lee verbinden sich durch die Übernahme, über deren finanziellen Rahmen keine Angaben gemacht wurden, zwei Innovationsführer: mCube entwickelt und produziert anerkanntermaßen die weltweit kleinsten MEMS-Bewegungssensoren mit dem niedrigsten Energieverbrauch.

Herausragendes Beispiel dafür ist der nur 1,1 x 3 x 0,74 mm große Beschleunigungssensor MC3672. Xsense seinerseits ist mit seinen Entwicklungen führend bei Technologien und Produkte zur 3D-Bewegungsverfolgung. Seine Sensor-Fusion-Technologien ermöglichen eine nahtlose Interaktion zwischen der realen und digitalen Welt. Zu den Kunden und Partnern von Xsense zählen aktuell Unternehmen wie Electronics Arts, NBC, Universal, Daimler, Autodesk, ABB und Siemens. Neben der Realisierung von Hollywood-Blockbustern mittels CGI Animation setzt etwa Daimler die Sensor-Fusion-Technologie von Xsens dazu ein, um das ergonomische Design seiner Autos zu verbessern.
 
Das besondere an den MEMS von mCube ist der Fertigungsprozess. Der MEMS-Baustein wird direkt On-Top auf einen IC gesetzt. mCube liefert damit die branchenweit einzigen monolithischen Single-Chip MEMS+ASIC-Produkte. »Dieser Produktionsprozess erlaubt uns kompaktere Abmessungen, höhere Performance, geringere Fertigungskosten und die Möglichkeit, verschiedene MEMS-Sensoren auf einem einzigen Chip zu integrieren. Die elektrische Verbindung zwischen den hermetisch dichten MEMS und dem IC-Die wird über 3 µm »dicke« Vias hergestellt. Der Produktionsprozess minimiert die Abmessungen der MEMS und ist kompatibel zu Chip-Scale-Packaging. Zum Schutz seines Prozesses hat mCube über 140 Patente eingereicht, von denen knapp 100 bisher bestätigt wurden. Aktuell bietet mCube Beschleunigungssensoren, eCompass-Lösungen, Gyroskope und dreiachsige IMUs an.

In Summe hat das Unternehmen bislang über 300 Millionen MEMS verkauft, davon gingen rund 250 Millionen Beschleunigungssensoren in Smartphones, Tablets und IoT-Applikationen. Nach Auskunft von Jérémie Bouchaud, Director & Senior Principal Analyst Auto & Ind. Semi, MEMS & Sensors bei IHS Technology, war mCube mit seinem Produktangebot bislang sehr erfolgreich bei chinesischen Smartphone OEMs, »inzwischen dehnen sie ihr Geschäft verstärkt auf Wearable-Applikationen aus«. Dem Unternehmen ist es laut Bouchaud gelungen, innerhalb von drei Jahren seinen Marktanteil im Bereich Beschleunigungs-Sensoren für CE/Mobile von 2 Prozent (2014) auf 7 Prozent (2016) zu steigern. Für die Zukunft will Lee das Portfolio schrittweise weiter ausbauen. Dabei liegt der Fokus auch in Zukunft ganz klar auf Applikationen, in denen es um die Erfassung von Bewegungen geht.

»Unser Ziel ist es, die Möglichkeit zu schaffen, eine Bewegungserfassung für jede Form denkbarer Bewegung zu realisieren«, formuliert Lee. Das heißt, beispielweise keine Entwicklungsanstrengungen in Richtung Feuchtigkeitssensoren, aber die Technologie von mCube erlaubt es durchaus, auf dem versiegelten MEMS-Baustein beispielsweise einen Opto-Sensor zu integrieren. Auf die Frage, ob mCube in den nächsten Jahren zwingend auf einen IPO zusteuert, gibt sich Lee zurückhaltend. »Aktuell bedienen wir etwa 50 Kunden, von denen keiner einen größeren Umsatzanteil als 15 Prozent hat, wir sind also von keinem Big Name abhängig«, erläutert er, »unsere Investoren, zu denen auch TSMC gehört, orientieren sich an langfristigen Zielen«. Lee deutet an, dass das mittelfristige Ziel wohl eher organisches Wachstum ist, das durch technologisch getriebene Akquisitionen unterstützt werden könnte. Der Vorteil dieser Vorgehensweise: Ein dann angestrebter IPO, dürfte deutlich mehr Geld einspielen, als ein Börsengang schon in ein, zwei Jahren.