Toshiba Memory Verkauf läuft – neue Fab wird gebaut

Toshiba Memory tritt selbstbewusst auf - und reicht Western Digital die Hand?

Toshiba Memory baut neue Fab in Yokkaichi – mit oder ohne der Beteiligung oder der Zustimmung von Western Digital.

Auch der Verkauf von Toshiba Memory an das Konsortium um Bain Capital für 18 Mrd. Dollar soll zügig über die Bühne gehen. Das unterstrichen Yasuo Naruke, CEO von Toshiba Memory, und Yuji Sugimoto, anlässlich einer Pressekonferenz auf dem Gelände der Fab in Yokkaichi, wie die Japan Times berichtet.

Wie ernst es Toshiba Memory meint, betonte Yasuo Naruke, indem er nicht nur auf den Bau der neuen »Fab6«, in die Toshiba Memory (vorerst) allein investiert, sondern auch auf weitere Investitionen in die bestehende Fab hinwies. Schon im kommenden Finanzjahr sollen die 3D-NAND-Flash-ICs auf einen Anteil von 90 Prozent an der Gesamtproduktion kommen. Insgesamt will Toshiba Memory rund 2,7 Mrd. Dollar pro Jahr in den Ausbau der Kapazitäten stecken. In diesem Finanzjahr sollen es rund 3 Mrd. Dollar werden.

Für Toshiba Memory kommt nun alles darauf an, weiter technisch an der Spitze unter den Herstellern von NAND-Flash-Speicher-ICs zu bleiben und dafür zu sorgen, dass sich der Abstand zu Samsung, der Nummer 1, nicht noch weiter vergrößert. Welchen Einfluss das auf das Joint-Venture mit SanDisk hat, bleibt abzuwarten. Toshiba Memory ist jedenfalls bei der Presseveranstaltung zusammen mit Bain Capital nach der Beobachtung der Japan Times sehr selbstbewusst aufgetreten.

Andererseits zitiert die Asia Nikkei Review Naruke mit den Worten: »Zwei würden auf jeden Fall besser mit Samsung in Wettbewerb treten können.« Damit bezog er sich direkt auf Western Digital. Ob Naruke hier gegenüber Western Digital die Hand ausstrecken will, wie die Nikkei Asia Times vermutet? Grund dazu hätte er. Denn die erforderlichen Investitionen allein aufzubringen, dürfte schwierig werden.

Das Schiedgericht könnte den Verkauf stark verzögern

Unterdessen läuft die Klage von Western Digital vor dem Arbitration Court in San Francisco weiter. Das Unternehmen ist unter anderem der Meinung, dass Toshiba Memory nicht allein in Fab6 investieren dürfe. Von Tosiba Memory war zu hören, dass Western Digital ja in die nächste Finanzierungsrunde einsteigen könne. Spannend wird sein, ob das Schiedsgericht den Verkauf erst einmal auf Eis legt, bevor der Fall entschieden ist – was Jahre dauern könnte. Was ganz und gar nicht im Interesse von Toshiba liegt, die Toshiba Memory so schnell wie möglich verkaufen muss, um mit dem Geld zu verhindern, aus der Börse von Tokio zu fliegen.

Den Amerikanern, die über den Kauf von SanDisk zu Joint-Venture-Partnern von Toshiba wurden, ist insbesondere die Beteiligung von SK Hynix – als Hersteller von NAND-Flash-Speichern ein direkter Konkurrent von SanDisk. Damit wäre SK Hynix aber auch ein direkter Konkurrent von Toshiba Memory, was Yasuo Naruke offenbar nicht stört. Angeblich sei dafür gesorgt, dass Know-how von Toshiba Memory trotz der 3,5 Mrd. Dollar schweren Beteiligung nicht zu SK Hynix abfließen werde. Zum Vergleich: Toshiba selber ist an Toshiba Memory mit 3,1 Mrd. Dollar vertreten. Insgesamt halten japanische Unternehmen 50,1 Prozent an der speziell für den Zweck der Übernahme gegründeten Firma.

Der Charme der komplizierten Vereinbarung liegt für Toshiba, insbesondere aber auch für das MITI darin, dass japanische Unternehmen an Toshiba Memory die Mehrheit halten, eines der letzten derzeit sehr erfolgreichen Halbleiterunternehmen Japans also japanisch bleibt.

Für Western Digital dürfte nicht nur die stille Beteiligung des SanDisk-Wettbewerbers SK Hynix weniger charmant sein, sondern auch die Beteiligung der direkten Festplatten- und Massenspeicherkonkurrenten Seagate Technology und Kingston Technology. Deshalb ist Western Digital wohl nicht abgeneigt, weiter Sand ins Getriebe zu streuen. Zumal das Verhältnis zu Toshiba durch die Vorgänge zerrüttet ist und das zu Bain Capital ausgesprochen frostig zu sein scheint.