Lieferbann gegen SMIC USA drohen Chinas größter Foundry

Die US-Regierung will nun auch SMIC, die größte Foundry Chinas, mit einem Lieferbann belegen.

Das würde bedeuten, dass amerikanische Hersteller um eine Lizenz nachsuchen müssten, um Semiconductor Manufacturing International Corp. (SMIC) weiter beliefern zu dürfen, eine Lizenz, die sie in den meisten Fällen nicht bekommen dürften.

Eine Sprecherin des Pentagon erklärte laut Reuters, dass das Verteidigungsministerium mit weiteren staatlichen Stellen zusammen arbeiten würde, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. Das Pentagon befürchtet, dass enge Beziehungen zwischen SMIC und dem chinesischen Militär bestehen. Auf der »schwarzen Liste« der USA (Entity List) stehen inzwischen 275 chinesische Firmen.

SMIC würde dieser Bann hart treffen, weil das Unternehmen darauf angewiesen ist, Maschinen für die Halbleiterfertigung von US-Herstellern zu erhalten, darunter Applied Materials, LAM Research und KLA. Selber reagierte SMIC »geschockt« auf die Nachrichten aus den USA. SMIC sei offen dafür, mit den US-Regierungsstellen zu sprechen, um eventuell vorhandenen Missverständnisse aus dem Weg räumen zu können, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme schreibt: SMIC sei ein internationales Unternehmen, das an der Börse von Honkong notiert ist und das sich strikt an internationale Regulierungen halte. So hatte SMIC nach dem US-Bann gegen Huawei bekannt gegeben, keine ICs mehr für Huawei fertigen zu wollen. Außerdem habe SMIC über lange Zeit strategische Partnerschaften mit US-Equipment-Lieferanten gepflegt. Zudem spiele SMIC für Kunden in den USA, in Europa und Asien eine wichtige Rolle in der globalen Halbleiterlieferkette. Eine Verbindung zum chinesischen Militär bestehe nicht.

Laut der englischsprachigen staatsnahen chinesischen Publikation Global Times sei SMIC im eigenen Land schon dafür  kritisiert worden, »die unangebrachten Regulierungen der USA« erfüllen zu wollen. Auch dass SMIC im konkreten Fall offen für Gespräche mit den USA sei, um Missverständnisse zu bereinigen, wurde in China schon kritisiert.

Wie sich die Einschätzung von SMIC gegenüber den USA durch einen Bann verändern werde, bleibe laut Global Times abzuwarten.  Es könne sein, dass SMIC und Huawei nun ihre Zusammenarbeit im Bereich der Fertigung von Chips erst recht intensivieren würden. Global Times zitiert Xiang Ligang, einen unabhängigen Telecom-Analysten, mit den Worten, dass SMIC ohnehin offen mit Huawei kooperieren könne, falls das Unternehmen auf der Entity-List landete. Das werde sicherlich zu interessanten Produkten führen, auch wenn dazu einige Zeit benötigt würde.

Für China ist dies auf jeden Fall ein weiteres Signal, die eigene Chip-Industrie so schnell wie möglich aufzubauen. Vor allem will sich China darauf konzentrieren, in relativ neue Märkte vorzustoßen, beispielsweise in die Sektoren SiC- und GaN-Chips. Weil diese Märkte für die etablierten Firmen ebenfalls Neuland sind, verspricht sich China, hier schneller zu einer führenden Position aufrücken zu können, als auf Gebieten, in denen westliche Firmen einen großen Vorsprung haben.