Silizium-Taktgeber »Unser Ziel ist, den Quarz obsolet werden zu lassen«

Markus Lutz, SiTime: Das Hauptproblem bislang besteht im Phasenrauschen. Momentan liegen wir bei 105 Dezibel. Wir arbeiten auf Hochtouren daran, die Leistung unserer Produkte hier noch zu verbessern und mit den Quarz-Produkten gleich zu ziehen.

Seit fünf Jahren entwickelt das Bosch Spin-Off SiTime Frequenzprodukte auf Silizium-Basis und ist mittlerweile mit rund 85 Prozent Marktanteilen einsamer Spitzenreiter im Bereich der MEMS-Taktgeber. Doch damit will sich Markus Lutz, Chief Technologie Officer und Firmen-Mitgründer, nicht zufrieden geben: »Unser Ziel ist es, den Quarz obsolet werden zu lassen.« In der Genauigkeit sind die SiTime-Taktgeber laut Lutz schon mindestens so gut wie Standard-Quarze. »Die Technologie steht, allein der Vertrieb ist momentan noch unser Engpass.«

Markt&Technik: Sie proklamieren das Ziel, den Quarz obsolet werden zu lassen. Wie wollen Sie das erreichen?

Markus Lutz: Wir sind mit unserer Produktvielfalt auf einem guten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Wir agieren in den drei Frequenz-Märkten Quarz-Resonatoren, Oszillatoren und Clock-Generatoren. Diese drei Bereiche haben jeweils ein weltweites Marktpotenzial von 1,5 bis 1,8 Mrd. Dollar Umsatz. Dass wir alle drei Märkte abdecken, ist der Grundgedanke unseres Geschäfts, und wir wollen in all diesen drei Märkten wachsen. Die Synergie unserer Technologie wird uns das auch ermöglichen, denn die PLL-Technologie ist der Grundstein für die Clock-Generatoren. Unsere Technologie steht also. Derzeit sind wir dabei, unser Vertriebsnetz zu erweitern und nach Asien und den USA auch in Europa  flächendeckende Vertriebsstrukturen aufzubauen.

 

Im Bereich der »einfachen« Consumer-Anwendungen attestieren die Experten den MEMS-Taktgebern großes Potenzial. Wenn es aber um HF-Anwendungen geht, konnten die MEMS-Frequenzprodukte bislang nicht mithalten. Werden Sie diese Lücke schließen?

Wir bieten ja bereits Timing-Komponenten für Prozessoren und Schnittstellen in HF-Anwendungen. Das Hauptproblem bislang besteht im Phasenrauschen. Momentan liegen wir bei 105 Dezibel. Wir arbeiten auf Hochtouren daran, die Leistung unserer Produkte hier noch zu verbessern und mit den Quarz-Produkten gleich zu ziehen.

 

Wie ist die Akzeptanz Ihrer Technologie? Schließlich treten Sie in Mitbewerb zu einer Jahrzehnte alten und etablierten Technologie . . .

Dafür dass unsere Technik erst fünf Jahre alt ist, haben wir schon sehr viel erreicht. Das spiegelt sich auch in einer wachsenden Akzeptanz am Markt wider: Die Top-Tier-Kunden im PC- und Netzwerk-Markt sowie im Server-Bereich haben wir bereits als Kunden gewonnen. Auch ein namhafter Hersteller von Digitalkameras setzt auf unsere Produkte. Und mit solchen Kunden entwickeln sich auch die Stückzahlen. Üblicherweise setzen Volumen-Kunden ein Produkt erst einmal in einer Serie ein. Ist das Ergebnis zufriedenstellend, dann bekommen wir erfahrungsgemäß weitere Folgeaufträge, und damit wachsen die Stückzahlen.