Broadcoms Charme-Offensive gescheitert Trump verbietet Qualcomm-Übernahme

Die "gutwillige" Broadcom vollkommen überrascht

Broadcom gab sich von der Entscheidung Trumps überrascht, wie das Unternehmen in einer Mitteilung formulierte: »Wir sind ganz und gar nicht der Meinung, dass Broadcom mit der Übernahme die nationalen Sicherheitsinteressen der USA verletzt.«

Nicht recht wohl hatten sich zumindest eine weitere US-Firma beim Gendanken an die Übernahme gefühlt: Intel. Angeblich hätte das Unternehmen bereits an Gegenmaßnahmen gearbeitet, Intel dementierte jedoch entsprechende Gerüchte. Und wo wir schon bei Bedenken große Firmen sind: Samsung wäre über einen Kauf von Qualcomm durch Broadcom ebenfalls nicht recht glücklich gewesen, denn als Foundry arbeitet das Unternehmen mit Qualcomm zusammen, während Broadcom vor allem mit TSMC verbunden ist. Schließlich hätte wohl auch NXP, die Qualcomm gerade kaufen will, der Übernahme mit gemischten Gefühlen entgegen geblickt, denn Broadcom dürfte an NXP eher weniger interessiert gewesen sein. Das hätte also zu der Unsicherheit, wie sich das Unternehmen wohl unter Qualcomm entwickeln werde, noch zusätzlich beigetragen.   

Noch vor fünf Monaten hatte Präsident Trump Broadcom in Gegenwart von CEO Hock Tan als eine wirklich tolle Firma gepriesen. Damals hatte Hock Tan in Aussicht gestellt, den Firmensitz von Singapur in die USA zu verlegen. Das wäre nur eine »kosmetische« Operation gewesen, denn  Broadcoms Wurzeln lassen sich über die Übernahmen von Avago bis hinunter zur legendären Garage von Hewlett Packard zurückverfolgen, es handelt sich also um ein eher ur-amerikanisches Silicon-Valley-Unternehmen. Der Firmensitz in Singapur hatte ja auch nicht die Übernahme von Brocade im vergangenen Jahr verhindert, die das CFIUS noch durchgewinkt hatte.

Welche neuen Erkenntnisse dazu gekommen sein könnten, wäre interessant zu wissen, dazu hatte das CFIUS bisher aber keine Angaben gemacht. Hock Tran hatte jedenfalls auf die Befürchtungen des CFIUS, dass Broadcom Qualcomm daran hindern könnte, genügend Geld in die Entwicklung von 5G zu investieren, mit einer Charme-Offensive reagiert: Er beteuerte, noch mehr Geld in F&E stecken zu wollen und sogar 1,5 Milliarden Dollar in die Ausbildung amerikanischer Ingenieure zu investieren, die sich auf die Funktechnik spezialisieren.

Für Broadcom dürfte guter Rat jetzt teuer sein. Gegen das Veto des Präsidenten gibt es keine Einspruchsmöglichkeit. Rechtsexperten aus den USA schlagen vor, Broadcom soll erst einmal den Hauptsitz in die USA verlegen und dort ankommen. Wenn es sich danach offiziell u ein amerikanisches Unternehmen handele, dann wäre des CFIUS gar nichtmehr zuständig, falls Broadcom dann einen weiteren Übernahmeversuch starten sollte.