Neue VDMA-Arbeitsgruppe IMAT Transparentes Einstufungsverfahren für Galliumarsenid!

Dr. Darius Soßdorf, VDMA: »Am Ende des Bewertungsprozesses sollte klar herausgearbeitet sein, welche Gefährdung grundsätzlich von GaAs ausgeht, in welcher Form Menschen mit GaAs in Kontakt kommen können und was das für ein Risiko bedeutet. Und dieses Risiko müssen wir gegen den Nutzen des GaAs insgesamt abwägen.«
Dr. Darius Soßdorf, VDMA: »Am Ende des Bewertungsprozesses sollte klar herausgearbeitet sein, welche Gefährdung grundsätzlich von GaAs ausgeht, in welcher Form Menschen mit GaAs in Kontakt kommen können und was das für ein Risiko bedeutet. Und dieses Risiko müssen wir gegen den Nutzen des GaAs insgesamt abwägen.«

Die neu gegründete Arbeitsgruppe IMAT will sich dafür einsetzen, dass die Klassifizierung von III-V-Halbleitern und weiteren innovativen Materialien transparent und nach den gesetzlichen und wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt wird. Wir sprachen darüber mit Dr. Darius Soßdorf vom VDMA.

Markt&Technik: Woher kommt die Notwendigkeit, eine Arbeitsgruppe wie die IMAT zu gründen?

Dr. Darius Soßdorf: Wenn das Risk Assessment Committee (RAC) im Auftrag der Europäischen Chemikalienagentur eine Substanz so einstuft, dass ihre intrinsischen Eigenschaften als besorgniserregend gelten - als Substance of Very High Concern, kurz SVHC -, dann sind die Auswirkungen solcher Entscheidungen enorm. Eine Substanz, die auf dieser Liste landet, kann in Europa zukünftig praktisch nicht mehr verwendet werden. Deshalb muss der Prozess, der zur Einstufung führt, transparent sein und wissenschaftlichen Kriterien genügen. Die betroffenen Unternehmen können natürlich hierbei von ihrem Recht Gebrauch machen, wissenschaftliche Ergebnisse einfließen zu lassen. Derzeit erscheint das Verfahren eher fernab in Ausschüssen zur Klassifizierungen von Substanzen durchgeführt zu werden, ohne ausreichende Transparenz und ohne die Möglichkeit, sich wissenschaftlich in das Verfahren einbringen zu können.

Um welche Substanzen geht es konkret?

Derzeit untersucht das RAC Substanzen, die unter dem Begriff III-V-Halbleiter firmieren. Sie finden sich in ICs, Lasern, LEDs und Photovoltaik-Modulen, der Telekomunikation und WLAN, um nur einige zu nennen. Damit werden sie fast überall im Maschinenbau verwendet, aber auch in vielen anderen Dingen des alltäglichen Lebens.

Im Moment geht es aber speziell um GaAs?

Ja, das ist richtig. Grundsätzlich sollen aber noch weitere III-V-Halbleiter klassifiziert werden.

Indiumphosphid ist von der Öffentlichkeit - und offenbar auch von den betroffenen Unternehmen der relevanten Branchen - fast unbemerkt klassifiziert worden und auf der SVHC-Liste gelandet. Gab das den Anstoß dazu, die Arbeitsgruppe zu gründen?

Ja. Dieser Ablauf des Verfahrens hat einen gewissen »Schock« ausgelöst. In der WG IMAT haben sich nun von den Herstellern der III-V-Halbleiterstoffe über die Hersteller der entsprechenden elektronischen Bauteile bis hin zu den nachgeschalteten Anwendern solcher Bauteile Firmen zusammengeschlossen, um Informationen zusammenzutragen und dafür zu sorgen, dass die Einordnung und Einstufung dieser Substanzen wissenschaftlichen Kriterien genügen. Diese Informationen geben wir dann als Entscheidungshilfen mit wissenschaftlicher Basis an die entscheidenden Stellen weiter.

Im konkreten Fall des GaAs also an das RAC?

Ja, das ist das Organ, das die ECHA beauftragt hat, die Klassifikationen durchzuführen.

Was ist aus Ihrer Sicht an der Einstufung von GaAs nicht richtig?

Ratten wurden einer sehr hohen Konzentration von GaAs-Staub ausgesetzt, und sie bekamen schlussendlich eine Lungenentzündung, die in einigen Fällen zu Krebs geführt hat. Die Schlussfolgerung, GaAs sei somit krebserregend, ist wissenschaftlich nicht korrekt, da der Krebs durch die teilweise starke Lungenentzündung hervorgerufen wurde. Diese und weitere »Fehler« im Verfahren gilt es zu vermeiden und wissenschaftlich sachlich und neutral zu beleuchten und zu bewerten.

Was würden Sie als unwissenschaftliche Vorgehensweise beschreiben?

Teilweise werden Stoffe einer chemischen Verbindung getrennt betrachtet und dann ihre Gefährlichkeit auf die Verbindung übertragen. Arsen ist ein gefährliches Gift, und Menschen müssen davor geschützt werden. Auch Gallium, für sich betrachtet, ist nicht gesundheitsfördernd. Was sagt das aber über GaAs als Verbindung aus?

Denken Sie an Chlor und Natrium, die einzeln betrachtet gleichermaßen gefährlich Stoffe darstellen. Dagegen ist die Verbindung NaCl, also Kochsalz, in kleinen Mengen nicht nur ungiftig, sondern lebensnotwendig. Ein Rückschluss von den Eigenschaften der einzelnen Stoffe auf die Verbindung ist nicht korrekt. Kochsalz würde auf der Liste gefährlicher Stoffe landen und könnte möglicherweise nicht mehr verwendet werden. Dies gilt gleichermaßen für die Zusammenfassung von ähnlichen Verbindungen. Im Übrigen ist Arsen nicht nur giftig, sondern darüber hinaus ein Spurenelement in unserem Körper.