Interview mit Luc Van den hove, Imec Top und Flop

Was ist mit den Vorteilen von gedruckter Elektronik?

Und die zweite Anwendung?

Dabei geht es um den Sensorbereich, wo Photonik-Komponenten eine einzigartige Möglichkeit bieten, um beispielsweise Biodaten zu messen. Hier sind wir ebenfalls sehr aktiv. Wir nutzen Photonik-Komponenten beispielsweise für die DNA-Sequenzierung. Das ist der zweite wichtige Markt. Dazu kommen noch neuere Bereiche wie Photonik für Quantencomputer, aber hier sind wir noch ganz am Anfang.

Bereits vor Jahren haben Unternehmen angekündigt, Photonik für den Interconnect innerhalb des Chips zu nutzen, das müsste doch ebenfalls eine wichtige Anwendungsmöglichkeit sein.

Ja, aber hier stehen wir noch ziemlich am Anfang, wobei ich mir sicher bin, dass der optische Interconnect im Chip kommen wird. Aber wie gesagt, momentan geht es mehr um die optische Verbindung zwischen Leiterplatten und Racks. Der nächste Schritt wird sein, dass Photonik im Interposer eingesetzt wird, sprich: dass mehrere Chips über optische Fasern verbunden werden. Das ist eine Technik, an der wir heute arbeiten.

Eine Zeitlang wurden deutliche Fortschritte beim Imec im Bereich organischer Elektronik erzielt. 2011 hatte das Forschungsinstitut einen 8-bit-Prozessor präsentiert. Doch mittlerweile ist es relativ ruhig um die Technik geworden. Warum?

Als wir den 8-bit-Prozessor vorgestellt haben, ging es darum, zu zeigen, welche Möglichkeiten mit dieser Technologie verbunden sind. Aber es ist und war damals schon klar: ein Prozessor auf Plastikfolie wird niemals die Geschwindigkeit und Performance wie im Silizium erreichen. Hier ging es wirklich nur darum, zu zeigen, was überhaupt möglich ist.

Viele Leute haben geglaubt, dass sich die organische Elektronik besonders gut für RFID eignet. Aber schlussendlich hat es sich gezeigt, dass die Kosten für RFID auf Plastik im Vergleich zu Silizium immer noch zu hoch sind. Denn auf Basis von Silizium kann RFID auf sehr kleinen Chips realisiert werden, sodass die fast nichts mehr kostet.

Sind damit alle Vorteile von gedruckter Elektronik verschwunden?

Für eine reine Logikfunktionalität sehe ich derzeit keine große Mainstream-Anwendung für organische Elektronik. Aber das heißt nicht, dass diese Technik in keiner Anwendung Vorteile bieten kann. Ich denke, beispielsweise in Display-Anwendungen hat sie durchaus Einsatzmöglichkeiten. Aber auch in speziellen Sensoren und Aktoren. Wir haben beispielsweise Ultraschall-Aktoren in Folie integriert, die ein haptisches Feedback ermöglichen, das geht mit traditionellem Silizium nicht. Auf Basis dieser Technik lassen sich Tausende von Aktoren auf einem Display realisieren.

Das hat nicht mehr viel mit den anfänglichen Erwartungen zu tun, die mit gedruckter Elektronik verbunden waren.

Naja, es handelt sich immer noch um Transistoren, die integriert werden. Es geht immer noch um elektronische Funktionalität, die in eine Folie integriert wird.