Wegen Handelskontrollen Südkorea schaut sich nach neuen Lieferanten um

Chiphersteller sind auf eine Vielzahl hochreiner Chemikalien angewiesen. Japan hat die Lieferung bestimmter Materialien nach Südkorea beschränkt. Offiziell hat das nichts mit Entschädigungsforderungen ehemaliger koreanischer Zwangsarbeiter zu tun.
Chiphersteller sind auf eine Vielzahl hochreiner Chemikalien angewiesen. Japan hat die Lieferung bestimmter Materialien nach Südkorea beschränkt. Offiziell hat das nichts mit Entschädigungsforderungen ehemaliger koreanischer Zwangsarbeiter zu tun.

Südkoreanische Halbleiterhersteller wollen sich wegen der japanischen Handelskontrollen von Japan unabhängiger machen.

Im Moment beziehen sie 90 Prozent des für die Chipfertigung in Ätzprozessen benötigten hochreinen Fluorwasserstoffs von japanischen Herstellern wie Stella Chemifa und Morita Chemical Industries berichtet Nikkei Asian Review. Zumindest Samsung setze inzwischen auch Fluorwasserstoff aus heimischer Produktion in einer Linie ein.

Neben hochreinem Fluorwasserstoff betreffen die Ausfuhrkontrollen auch Fotoresists und ein Material, das für die LED-Produktion erforderlich ist. Alle drei sind für die Halbleiterindustrie in Südkorea von höchster Wichtigkeit und nicht so leicht aus anderen Quellen zu beziehen.  

An sich wollen Hersteller wie Samsung und SK Hynix möglichst wenig an der Lieferkette ändern. Wenn Japan eine stabile Versorgung garantieren würde, gäbe es dazu auch keinen Grund. Dass die japanische Regierung weitere Ausfuhren der Chemikalien nach Südkorea Ende August erlaubt hat, scheint in diese Richtung zu deuten.

Anfang Juli hatte Japan die Ausfuhr von bestimmten Chemikalien nach Südkorea Kontrollen unterworfen, die für die Produktion von Chips und Flachbildschirmen benötigt werden. Am 2. August wurde Seoul aus der »Whitelist« gestrichen. Das bedeutet, dass japanische Firmen Ausfuhrgenehmigungen benötigen bevor sie als kritisch eingestufte Materialien nach Südkorea exportieren dürfen.

Der Streit hatte sich an der Entscheidung des südkoreanischen Supreme Court entzündet. Es hatte vier Koreanern, die im zweiten Weltkrieg Zwangsarbeit bei Nippon Steel verrichten mussten, eine Entschädigung von jeweils 85.000 Dollar zugesprochen. Japan sieht das als einen Verstoß gegen die Vereinbarung von 1965 an, nachdem solche Ansprüche nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen als abschließend geregelt galten. Japan befürchtet, dass die Entscheidung des obersten Gerichts in Südkorea eine Flut von Entschädigungsklagen von 220.000 Koreanern gegenüber 300 japanischen Unternehmen auslösen und Forderungen in Höhe von 20 Mrd. Dollar nach sich ziehen könnte.

Offiziell führt die japanische Regierung Sicherheitsgründe an, wegen derer die Ausfuhr kritischer Materialien nach Südkorea genehmigungspflichtig sei. So werde Fluorwasserstoff auch zur Urananreicherung benötigt. Es müsse also sichergestellt sein, dass dieses Material nicht unkontrolliert weiter exportiert werde. Einen Zusammenhang mit den Diskussionen um Entschädigungen für koreanische Zwangsarbeiter, die im zweiten Weltkrieg in japanischen Unternehmen arbeiten mussten, bestehe nicht.