Micron schreibt rote Zahlen Speicherpreise: weiter im Sinkflug?

Robert Herth, MSC
»Im Speichermarkt ist wieder Bewegung, und zwar nicht durch den Übergang von DDR3 auf DDR4, sondern bedingt durch den Flash-Markt.«
Robert Herth, MSC »Im Speichermarkt ist wieder Bewegung, und zwar nicht durch den Übergang von DDR3 auf DDR4, sondern bedingt durch den Flash-Markt.«

Schon seit Monaten kennen die Preise für Speicherbausteine wie DRAM und Flash nur den für die Kunden erfreulichen, für die Hersteller aber unerfreulichen Weg: nach unten.

Das hat dazu geführt, dass der US-amerikanische Speicherspezialist Micron Technology, einer der Top 3 der Branche, im zurückliegenden Quartal bei Umsätzen in Höhe von 2,9 Mrd. Dollar einen Verlust von 97 Mio. Dollar hinnehmen musste.

Grund dafür waren sinkende Durchschnittspreise und eine geringere Nachfrage bei Speichern wie DRAM und NAND-Flash. Im 4. Quartal 2015 hatte Micron noch einen Gewinn von 206 Mio. Dollar erzielt, im Vergleichsquartal des Vorjahres stand gar ein Gewinn in Höhe von 934 Mio. Dollar zu Buche. Der Umsatz sank binnen eines Quartals um 12% von 3,35 auf 2,9 Mrd. Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal sind es sogar 30% weniger. Microns CEO Mark Durcan begründet die gesunkene Nachfrage mit der »anhaltenden Schwäche im PC-Markt, saisonalen Aspekten und dem nicht zeitgerechten Einführen neuer Produkte in bestimmten Marktsegmenten«. In Kürze werde man aber neue Produkte offerieren, wozu auch DDR4-RAM in 20-nm-Technologie, Low-Power-DDR4 und 3D-NAND-Flash zählten.

Für DRAMs musste man sowohl beim Durchschnittspreis als auch bei den Stückzahlen im Vergleich mit dem Vorquartal einen Rückgang von 10% hinnehmen. Die Units bei NAND-Flash brachen dagegen nur um 6% ein, dafür war hier der Preisverfall mit 15% deutlich höher als bei DRAM. Mit einem derartigen Druck auf die Preise habe die Micron-Chefetage nicht gerechnet. Es werde »ein wenig Zeit« in Anspruch nehmen, bis man wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt sei. Spätestens im zweiten Halbjahr und danach werde eine effizientere Fertigung die Kosten senken, zudem wird dank neuer Produkte eine Steigerung der Stückzahlen erwartet. Bei DRAM rechnet Durcan allerdings auch für 2017 mit einem weiteren Rückgang. Umsatzbringer werde somit 3D-NAND-Flash sein.

Künftig will Micron verstärkt auch auf Speicherlösungen wie SSDs unter eigenem Brand für Datencenter setzen, um sein Business anzukurbeln. Dafür hat man eigens in Austin das Micron Storage Solutions Center (MSSC) gegründet. Deren Fokus liegt auf der Entwicklung von Software und Referenz-Designs, wobei die Kooperation mit Partnern wie VMware, Supermicro und Nexenta gar als der »Schwerpunkt« des MSSC angesehen wird.

Speicherprimus Samsung hält sich mit Details zu Preisen zurück, erwartet aber für die »nahe Zukunft einen solideren Markt«. Schlüssel zum Erfolg werde sein, die führenden IT-Kunden »rechtzeitig mit fortschrittlicher Speichertechnik« zu bedienen, dann könnten auch die Hersteller von Memory profitabel bleiben. Dabei setzt der koreanische Halbleiterspezialist auch auf seine brandneuen 10-nm-Class-DDR4-DRAMs, deren Roll-out kürzlich begonnen hat, sowie bei Flash auf die mittlerweile 3. Generation seiner 3D-V-NAND-Flash-Komponenten. Flaggschiff ist hier ein 256-GBit-Chip mit 48-Layern, mit dem Samsung seine führende Position auch 2016 sichern will.

Robert Herth, Senior BDM Storage Solutions bei MSC Technologies, beobachtet »seit Anfang 2015 leicht sinkende Preise bei DRAM und bei Flash, was sich bis dato auf eine Reduzierung zwischen 20 und 25 Prozent summiert«. Bei 2D-Planar-NAND-Flash habe 2015 die weitere Reduzierung von 19-nm- auf 15-nm-Strukturen einen »Preisnachlass von locker 20 Prozent gebracht«. Die Kontrahenten – Micron/Intel und SanDisk/Toshiba sowie Samsung als Marktführer – »puschen sich gegenseitig nach unten«. Weil Samsung aber nun »voll in Richtung 3D-NAND« gehe und Sandisk/Toshiba wohl 2016 auch in diesen Markt für Enterprise- und Embedded-Anwendungen einsteigen wird, nach Schwierigkeiten in der Volumenfertigung im letzten Jahr, »werden hier die Preise ebenfalls nachgeben«, prognostiziert der MSC-Manager.

Bei den diversen DRAM-Bausteinen werden sich Herth zufolge 2016 die Preise unterschiedlich entwickeln: DDR1- und DDR2-Preise dürften zunächst stabil bleiben und könnten in der zweiten Jahreshälfte leicht nach oben gehen. Die Preise für DDR3 fallen derzeit leicht, was sich aber am Ende des Jahres ändern könnte, abhängig davon, ob Samsung weitere DDR3-Bausteine abkündigt und vollständig auf DDR4 setzt. Während die Preise für DDR4 in 20-nm-Technik im Vorjahr weitestgehend stabil blieben, ist seit Anfang des Jahres ein stärkerer Preisverfall festzustellen. Weil aber Samsung Speicher mit 20-nm-Struktur pusche und Micron und SK Hynix zu folgen versuchten, könnten die DDR4-Preise gar unter die von DDR3 fallen. Herths Fazit: »Im Speichermarkt ist wieder Bewegung, und zwar nicht durch den Übergang von DDR3 auf DDR4, sondern bedingt durch den Flash-Markt.«