Konkurrenzfähig durch schnellere Tests Speichermedien-Fertigung in Europa

Wieslaw Wilk, CEO von Wilk Elektronik: »Ob man in fünf Stunden testet oder in einer halben, das macht einen riesigen Unterschied.«
Wieslaw Wilk, CEO von Wilk Elektronik: »Ob man in fünf Stunden testet oder in einer halben, das macht einen riesigen Unterschied.«

Speichermedien wie DRAM-Module, SSDs und USB-Sticks werden vor allem in Asien gefertigt. Doch es funktioniert auch in Europa – wenn die Hersteller auf ein paar entscheidende Punkte achten.

So hat sich Wilk Elektronik – das Unternehmen ist besser unter dem Markennamen GoodRAM bekannt – auf die Fertigung von DRAM- und Flash-IC-basierten Speichermedien spezialisiert. Seit 2003 fertigt Wilk in der Nähe von Kattowitz in Polen.

Inzwischen ist Wilk der einzige Hersteller, der noch Speichermedien auf Basis von DRAMs in Europa fertigt. Wie Wieslaw Wilk, Gründer und CEO, gegenüber Markt&Technik erklärte, kommt es vor allem darauf an, die Fertigungsprozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln, um die Produktivität und die Qualität zu steigern sowie die Kosten zu reduzieren. Das betrifft praktisch alle Stationen der Fertigung.

Ein wesentlicher Faktor ist der Test. Dank einer ausgeklügelten Software, die das Unternehmen selber schreibt, ist es gelungen, die Testzeit um Faktoren zu reduzieren. »Ob man in fünf Stunden testet oder in einer halben, das macht einen riesigen Unterschied«, so Wieslaw Wilk. Zudem hat Wilk eine enorme Testkapazität aufgebaut: Weit über 500 Testplattformen für DRAM-Module stehen zur Verfügung, 200 USB-Sticks können parallel getestet werden. Das wiederum führt zu einem weiteren Differenzierungsmerkmal: »Bei uns werden alle Produkte zu 100 Prozent getestet, ohne Ausnahme.«

Was ebenfalls ins Gewicht fällt, ist der über viele Jahre angesammelte Erfahrungsschatz. Weil Wilk genau weiß, welche Komponenten von welchen Herstellern gut zusammenpassen, ist das Unternehmen beispielsweise in der Lage, die schnellsten am Markt verfügbaren SSDs anzubieten.

Zudem ist es für Wilk kein Problem, auf die Anforderungen und Wünsche der Kunden eingehen, die vornehmlich in Europa sitzen. Dieselbe Zeitzone, kurze Wege und Reaktionszeiten eines relativ kleinen Unternehmens – Wilk kam zuletzt auf einen Umsatz von rund 200 Mio. Euro – machen die Zusammenarbeit einfach. Die Fertigung vor Ort überzeuge ebenfalls.

Dass die Fertigung vor Ort wichtig ist, davon ist auch Matthias Poppel, Chief Sales Marketing Officer von Swissbit, überzeugt. Swissbit fertigt Flash-basierte Speichermedien in Europa. Eines der wesentlichen Differenzierungsmerkmale für Swissbit ist die Security, »vor allem für die anspruchsvollen Märkte, auf die wir uns konzentrieren«, so Poppel. Deshalb hat Swissbit schon im Sommer vergangenen Jahres mit dem Bau neuer Fertigungs- und R&D-Kapazitäten am Produktionsstandort in Berlin-Marzahn begonnen. 20 Mio. Euro wird das Unternehmen investieren.

Als den treibenden Wachstumsfaktor sieht auch Wieslaw Wilk den Markt für industrielle Speichermedien an, besonders in Westeuropa. Zwar tragen Produkte für den Konsumgütermarkt für Wilk noch bei Weitem den größten Teil zum Umsatz bei, doch die Industrie-Speicher-Produkte legen jetzt schnell zu, ihr Anteil am Gesamtumsatz wird schnell steigen.

Deshalb investiert auch Wilk Elektronik kräftig in den Ausbau der eigenen Fertigung: Die Flächen für Produktion und Lager werden verdoppelt. Der Baubeginn ist für den Frühling 2020 vorgesehen.

Denn ebenso wie Poppel ist auch Wieslaw Wilk davon überzeugt, dass IoT und Industrie 4.0 den Markt für Speichermedien deutlich wachsen lassen. Die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in Europa schaffen darüber hinaus ein Umfeld, das der Produktion von Speicherprodukten weiteren Schub geben wird. Trotz des bekannten Aufs und Abs am Markt für Speicher-ICs und Speicher-Medien stünden deshalb alle Zeichen auf Wachstum.