Die Application-Labs von Micron Speicher-ICs weiter gedacht

Im letzten Jahr hat der US-Speicherhersteller Micron die ersten Phasenwechselspeicher in die Massenfertigung überführt. Dabei handelt es sich um Multichip-Packages die aus jeweils einem 512 Mbit Low Power DRAM sowie einem 512 Mbit großen PCM bestehen.

Es kommt nicht nur auf die Prozessoren an. Speicher-ICs spielen eine entscheidende Rolle, um Subsystemen zur gewünschten Leistungsfähigkeit zu verhelfen.

Mit Big Data, IoT, Industrie 4.0 und KI kommt den Speichern eine entscheidende Bedeutung zu. Sehr gut zu sehen ist das am Beispiel des Automobilsektors. Es geht nicht mehr nur darum, ausreichend Speicherkapazität zu vertretbaren Kosten in einem Subsystem unterzubringen. Die Zeiten der „passiven“ Speicher-ICs sind vorbei. Sie haben sich zum integralen Bestandteil von Subsystemen entwickelt, die Autos vernetzen und eine möglichst hohe Rechenleistung vor Ort ins Auto bringen. Es kommt nicht alleine auf die Prozessorleistung an; Prozessoren und Speicher sowie die entsprechenden Archietekturen müssen aufeinander angepasst werden, damit das Subsystem die jeweiligen Anforderungen möglichst gut erfüllen kann. »Wir müssen also die jeweiligen Anwendungen sehr genau kennen und wir müssen die dabei verwendeten Prozessoren genau kennen«, sagt Dr. Reinhard Weigl, Geschäftsführer von Micron Semiconductor Deutschland.

Denn die Art und Weise, wie die Anwender mit den Daten umgehen, hat sich bereits geändert und wandelt sich weiter tiefgehend. Das betrifft alle Bereiche, von der Unternehmensebene über das Networking, die mobile Kommunikation, IoT, PC und Gaming bis zu Automotive. Dabei spielen die Speicher eine wesentliche Rolle: Sie ermöglichen künftig autonomes Fahren, genauso wie sie dabei helfen, die Rätsel des Universums im CERN zu lösen: »In Zusammenarbeit mit FPGAs finden unsere Speicher beispielsweise im Experiment Einsatz, in dem die verschiedenen Flavors der Neutrinos untersucht werden«, so Weigl.

Dass sich der Umgang mit den Daten ändern wird und das für einen Speicher-IC-Hersteller interessante Folgen haben würde, zeichnete sich für Reinhard Weigl schon 2012 ab. Damals entwickelte er die Idee des Application-Lab für die Automobilindustrie und betrat damit Neuland: »Zu dieser Zeit war es für die OEMs und Tier-Ones ungewohnt, direkt mit Speicher-IC-Herstellern zusammenzuarbeiten«, erinnert er sich. Das hat sich inzwischen geändert.

 

Doch warum in München und warum für Automotive? »Der Gedanke lag nahe«, erklärt Weigl lächelnd, während sein Blick von der Dachterrasse des Entwicklungslabors in München-Perlach direkt auf das Legoland-Gelände von Siemens gegenüber schweift. Als hier noch die Siemens- Halbleiter-Fab in Betrieb war (später Infineon), wurde dort auch ein IC angedacht, den Weigl damals im Rahmen entworfen hatte – kein Speicher, sondern ein Netzwerk-IC. Denn Weigl hatte sich auf die Entwicklung von Chips für die Datenverarbeitung von Netzwerken spezialisiert und damit das Wissen erworben, das ihn später erkennen ließ: Die Verarbeitung großer Datenmengen erfordert es, die entsprechenden Speicherarchitekturen zu entwickeln, und das geht nur in enger Zusammenarbeit mit den Controller- und Prozessor-Herstellern genauso wie mit den OEMs, den Tier-Ones und mit Forschungsinstituten wie den Fraunhofer-Gesellschaften und mit Universitäten. Denn Entwicklung nah am Markt und eine enge Zusammenarbeit mit den Key-Enablern sind die Voraussetzung für Innovation und erfolgreiche Platzierung im Markt.