Interview mit Christian André, Rohm »SiC ist ein wildes Tier«

Christian André, Rohm Semiconductor: »Der Schlüssel zum Erfolg von SiC im Automotive-Bereich wird zukünftig im Einsatz im Hauptwechselrichter liegen. Er erhöht den Wirkungsgrad des KFZ-Leistungssystems und damit bei gleicher Batteriekapazität die Reichweite.«

Wie Christian André, Chairman Rohm Semiconductor Europe, bekräftigt, hält das Unternehmen an seinem Ziel fest, mit massiven Investitionen in das SiC-Geschäft die Marktführerschaft in diesem Bereich zu übernehmen.

Dazu werden derzeit die Fertigungskapazitäten sowohl in Deutschland als auch in Japan erweitert.

Markt&Technik: Wie hoch ist der Anteil von SiC am gesamten Halbleiterumsatz von Rohm Semiconductor heute?

Der Gesamtumsatz von Rohm im letzten Geschäftsjahr, das im März 2019 endete, betrug 399 Milliarden Yen; der Anteil des Umsatzes mit SiC lag noch im einstelligen Bereich, aber wir steigern den Anteil von SiC am Gesamtumsatz kontinuierlich.

Rohm produziert sowohl SiC-Dioden als auch SiC-MOSFETs. Welche Produktgruppe hat heute den größeren Anteil? Wann erwarten Sie, dass SiC-MOSFETs die SiC-Dioden in Bezug auf den Umsatz übertreffen?

Bis heute haben unsere SiC-Dioden zwar einen größeren Anteil, aber der Umsatz mit SiC-MOSFETs holt schnell auf. In naher Zukunft wird er den Umsatz mit Dioden überholen.

Sie haben SiC „ein wildes Tier“ genannt. Was genau meinen Sie damit? Was ist noch notwendig, um diesen wilden Mustang zu zähmen?

Das „Wildtier“ war selbstverständlich eine Metapher. Die SIC-Technologie ist eine so mächtige Technologie, dass sie zuerst beherrscht werden muss, um den vollen Nutzen aus ihren Möglichkeiten zu ziehen. Dies ist der Grund, warum wir in die Einrichtung des Power Lab in Deutschland investiert haben. Wir möchten unsere Kunden bestmöglich in der Designphase ihres Systementwurfs unterstützen. Das 300 m2 große Labor wird für die Analyse von Leistungskomponenten und -systemen genutzt, um den Entwicklern auf Kundenseite Unterstützung auf Anwendungsebene zu bieten. Zu diesem Zweck ist das Prüflabor mit mehreren Prüfständen und einem separaten Hochspannungsbereich ausgestattet.

Mit der Ankündigung der Investition von 1 Milliarde Dollar in SiC auf der PCIM in Nürnberg hat Cree die damals genannten Produktionserweiterungen noch einmal nach oben korrigiert. Hat auch Rohm Semiconductor seine Investitionspläne für SiC in der Zwischenzeit erweitert?

Wir haben vor 18 Monaten eine große Investition von insgesamt 80 Milliarden Yen bis 2025 angekündigt. 60 Milliarden Yen für SiC, um die Kapazität gegenüber 2017 um das 16-Fache zu erhöhen, mit dem Ziel, den Markt mit einem Anteil von 30 Prozent zu führen. Wir sind überzeugt, dass wir mit diesen Investitionen – zusammen mit unseren vorhandenen Ressourcen – unser Ziel erreichen. Natürlich werden wir unsere Investitionen erhöhen, wenn der Markt es fordert.

Rohm Semiconductor hat seine SiC-Wafer und Kristalle bisher in Nürnberg produziert. In Chikugo, Japan, errichteten Sie eine weitere Produktionsstätte für SiC-Wafer und Kristalle. Wird dies die Kapazität verdoppeln oder ist der Faktor noch höher?

SiCrystal in Nürnberg entwickelt und produziert unser SiC-Substrat. Das Kristallsubstrat ist sehr wichtig in der Wertschöpfungskette der SiC-Bauelementeherstellung, da es sehr komplex zu produzieren ist. Es benötigt jahrelange Erfahrung und eine Datenbank voller Entwicklungserkenntnisse, um große Mengen an hochwertigen Produkten zu produzieren. Mit der angekündigten Investition erhöhen wir unsere Kapazität bis 2025 gegenüber 2017 um das 16-Fache, um die Marktnachfrage nach SiC-Wafern und Kristallen zu decken. Die Produktionssteigerung betrifft unsere über 30.000 m2 große SiCrystal-Anlage in Nürnberg und das Werk in Miyazaki, Japan. Das neue Apollo-Werk in Japan befindet sich bereits im Bau und wird bis Ende 2020 fertiggestellt. Mit dieser massiven Investition wollen wir die Marktführerschaft übernehmen.

Verkauft Rohm Semiconductor SiC-Wafer an externe Kunden oder produzieren Sie ausschließlich für Ihren eigenen Bedarf? Wenn Sie extern verkaufen, wie hoch ist der Anteil?

Die von uns in Deutschland produzierten Kristall-Wafer sind nicht nur für den internen Rohm-Bedarf bestimmt, sie werden auch extern verkauft. Dieser Anteil ist noch gering, wir erwarten aber, dass er wächst, da die Kapazität in naher Zukunft mit der angekündigten Investition steigen wird.