ZVEI: Sorge wegen Handelsstreits Schatten über dem boomenden IC-Markt

Johannes Kirsch, ZVEI: »Hersteller, die Elektroerzeugnisse in China zur Weiterverarbeitung oder Ausfuhr in die USA fertigen, sind von einer Eskalation betroffen.«

Blendende Aussichten für die Halbleiterindustrie: Der Umsatz mit Chips soll kräftig zulegen. Doch kann der Handelsstreit alles zunichte machen?

Im Vorfeld der Semicon West in San Francisco, eine der weltweit wichtigsten Messen für die Hersteller von Maschinen, mit deren Hilfe die neuesten Chipgenerationen gefertigt werden, sorgt auch die SEMI (Semiconductor Equipment and Materials) für gute Stimmung: Um 10,8 Prozent soll der Umsatz mit Equipment für die Halbleiterindustrie in diesem Jahr zulegen, im kommenden noch einmal um 7,7 Prozent.

Zu Beginn der Messe erklärte Gary Dickerson, CEO von Applied Materials, der größte Hersteller von Maschinen für die Halbleiterfertigung, woher das Wachstum kommt: Zum ersten Mal erzeugen Maschinen mehr Daten als Menschen. KI, Machine Learning, Cloud, Blockchain, 3D-Druck – alles fügt sich wunderbar in die IoT-, IIoT- und Industrie-4.0-Welt und lässt den Bedarf an Chips in Datencentern, in Autos, in der Industrie, der Medizintechnik, im Consumersektor und vielen anderen Gebieten in die Höhe schießen.

Die Hersteller von Maschinen für die Halbleiterfertigung – den Zyklen des Halbleitermarktes immer in besonderem Maße ausgesetzt – erleben einen der größten Aufschwünge ihrer Geschichte. Und auch für die Halbleiterhersteller stehen alle Zeichen weiter auf Wachstum. Doch es gibt einen Schatten, der sich über das optimistische Zukunftsszenario legt: der drohende Handelskrieg zwischen China, den USA und Europa – manche sagen, er habe sei bereits ausgebrochen. Er könnte all die schönen Zahlen der Marktforscher schnell zunichte machen. Die SEMI lässt verlauten, dass US-Zölle auf Güter aus China die Halbleiterlieferkette empfindlich treffen können. Die Börse nimmt solche Szenarien ernst. Trotz der guten Aussichten sind die Aktien von führenden Equipment-Herstellern deutlich gefallen, und zwar just zu dem Zeitpunkt, als sich der Handelsstreit zwischen China und den USA verschärft hatte.

Vorerst bleibt es nebulös

Vieles bleibt im Moment noch vage. Welche konkreten Auswirkungen eine weitere Eskalation des Schlagabtauschs auf die Branche nehmen könnte, oder ob er sich noch eindämmen lässt, wagt im Moment kaum einer zu sagen. Eines aber erscheint als gewiss: Ein globaler Handelsstreit mit hohen Zöllen auf allen Seiten wird ungute Auswirkungen nehmen, auch auf die Halbleiterindustrie. Noch größer fiele der Schaden für die US-Hableiterindustrie aus, wenn die Ausfuhren nach China künftig beschränkt würden. Wie das aussehen kann, das zeigte deutlich das Verbot von Komponentenlieferungen an ZTE: Die US-Maßnahme – inzwischen zurückgenommen – hatte nicht nur ein chinesisches Unternehmen mit 80.000 Mitarbeitern ins Schlingern gebracht, sondern auch den US-IC-Herstellern einen Teil ihrer Einnahmequellen beraubt.

Doch auch die hiesige Elektronikindustrie ist von Zöllen auf chinesische Waren durch die USA betroffen. Wer in China fertigt, aber auch Werke in anderen Ländern Asiens betreibt, wird die Produktion jetzt schon dorthin verlagern, wie aus der Stromversorgungsbranche zu hören ist. Doch nicht alle werden so schnell reagieren können.