Die Folgen des Erdbebens in Japan Schäden in den Fabs

Die Fabriken einiger Bauelemente-Hersteller sind teilweise schwer beschädigt. Soweit uns Informationen darüber vorliegen, haben wir sie nachfolgend aufgelistet.

Fünf Fabs sowie zwei Back-End-Werke von Renesas stehen zurzeit still. Schäden hat es zumindest an fünf dieser Werke gegeben. Dazu zählen die Fabs in Tsugaru (Präfektur Aomori), Takasaki (Gunma), Kofu (Yamanashi), Naka (Ibaraki) und das Back-End-Werk in Yonezawa (Yamagata). Keine Schäden seien in der Fab in Tsuruoka (Yamagata) und dem Back-End-Werk in Tsuruta-cho (Aomori) zu verzeichnen.

Von Schäden in den Fabs in der Präfektur Iwate in Miyagi sowie in vier Werken in der Präfektur Fukushima berichtet Fujitsu. In Fukushima produziert Fujitsu unter anderem Controller mit Flash-Speichern. Wann die Werke die Produktion aufnehmen können, steht derzeit nicht fest. Am Werk in der Präfektur Chiba, wo Hitachi Displays fertigt, hat das Erdbeben einige Schäden hinterlassen, außerdem sind zwei Werke betroffen, in denen Elektronik für den Einsatz in Kraftfahrzeugen produziert wird.

Das Werk in Akita von Elpida musste nach dem Erdbeben die Prozesse wegen Unterbrechungen in der Stromversorgung stoppen. Die anderen Elpida-Werke sind laut Unternehmensangaben von dem Erdbeben nicht betroffen gewesen.

Rohm hat die Produktion in der ehemaligen Oki-Fab in Miyagi und im Werk in Tsukuba vorläufig unterbrochen. Andere Werke könnten den Ausfall aber kompensieren. Nach dem Kauf von Sanyo Semiconductor verfügt On Semiconductor über mehrere Werke in Japan und beschäftigt dort insgesamt 6000 Mitarbeiter. Die Fabs in Aizu und Gunma bleiben geschlossen, bis die Versorgung mit Wasser und Strom wieder funktioniert. Eine weitere Fab in Gifu und zwei Back-End-Werke haben die Produktion wieder aufgenommen.

Schwer getroffen hat es die Fab von Texas Instruments in Miho, 64 km nordöstlich von Tokio. Ein Drittel der Fertigung ist dort den DLPs (Digital Light Processors) gewidmet, die übrigen zwei Drittel der Kapazität nutzt TI für analoge ICs. Die Produktion in dieser Fab trägt 10 Prozent zum Gesamtumsatz von TI bei. Derzeit verlagert TI die Produktion in anderer Fabs, rund 60 Prozent des ursprünglichen Ausstoßes der Fab in Miho könnten dadurch kompensiert werden. Während das Gebäude selber praktisch unbeschädigt blieb, ist das Infrastruktursystem für Chemikalien und Wasser ausgefallen, die Reparatur wird rund drei Wochen dauern. Welche Schäden die Maschinen genommen haben, ist unklar, solange es keine Energieversorgung gibt, kann dies auch nicht überprüft werden. Rund 60 Prozent der im Produktionsprozess befindlichen Wafer sind wahrscheinlich verloren.

Voraussichtlich im Mai will TI die Fertigung in der Fab schrittweise wieder aufnehmen und im Juli wieder die volle Kapazität erreicht haben, was sich im September auf die Lieferungen durchschlägt – unter der Voraussetzung, dass die Energieversorgung funktioniert und es sonst keine Probleme gibt, die den Anlauf der Fertigungsmaschinen auswirken könnten. Eine weitere Fab von TI in Aizu-Wakamatsu 150 km nördlich von Tokio hat das Erdbeben ebenfalls beschädigt, bis Mitte April soll das Werk aber die ursprüngliche Kapazität wieder erricht haben - ebenfalls vorbehaltlich einer funktionierenden Energieversorgung.

Die Produktion in den folgenden Werken hat Murata derzeit gestoppt: Tome Murata Manufacturing, wo EMI-Filter und Spulen gefertigt werden, das Werk in Kanazawa in Sendai, das piezoelektrische Komponenten und SAW-Filter fertigt, und das Werk in Oyama (Polymer-Kondensatoren). Die übrigen Werke von Murata haben keine Schäden davon getragen, sie leiden aber unter den Energiezuteilungen.

Die Produktion noch nicht wieder aufgenommen hat das Werk von Kyocera in Higashine City (Yamagata), wo das Unternehmen Quarzkristalle herstellt. Das Gebäude und die Maschinen sind teilweise beschädigt, die Produktion musste aber vor allem wegen der zerstörten Infrastruktur unterbrochen werden. Ähnliches gilt für das Chemiewerk in Koriyama (Fukushima), das organische Materialien produziert.  

Auch der Leiterplattenmarkt ist betroffen, zu den großen Unternehmen aus Japan gehört unter anderem der Leiterplattenkonzern Meiko Electronics mit rund 8000 Mitarbeitern. Die Firma ist Kooperationspartner von Schweizer Electronic. Meiko unterhält unter anderem Standorte in den betroffenen Regionen Fukushima, Miyagi und Yamagata. In den Werken in Fukushima und Yamagata wurde die Produktion wegen der unterbrochenen Stromversorgung eingestellt. Der Standort Miyagi leidet unter den Folgen des Tsunami.

Auf die Kunden von Schweizer Electronic haben die Ereignisse in Japan keine negativen Auswirkungen, weil sich die für die Kooperation relevanten Meiko-Werke in China und Vietnam befinden. Zudem können diese Werke wegen ihrer beträchtlichen Größe die Produktion der stillgelegten Meiko-Werke in Japan auffangen. Schweizer Electronic sichert seinen Kunden also eine uneingeschränkte Lieferfähigkeit zu. Ebenso hält das Unternehmen an seiner Umsatzprognose für das Jahr 2011 – einer Umsatzsteigerung gegenüber 2010 um 5 bis 15 Prozent – unverändert fest. Auch eine Bewertungskorrektur der Finanzbeteiligung an Meiko Electronics ist nach Rücksprache mit den Wirtschaftsprüfern des Unternehmens nicht notwendig.