Marktstudie Samsung wieder die Nummer 1 im Smartphone-Markt

Fast schon ein Tablet: Das 14,7 cm hohe Galaxy Note von Samsung hat ein 5,3-Zoll-AMOLED-Display mit einer Auflösung von 800 x 1280 Pixeln.  Größere OLED-Displays für mobile Geräte dürfte es derzeit kaum geben.
Fast schon ein Tablet: Das 14,7 cm hohe Galaxy Note von Samsung hat ein 5,3-Zoll-AMOLED-Display mit einer Auflösung von 800 x 1280 Pixeln. Größere OLED-Displays für mobile Geräte dürfte es derzeit kaum geben.

Samsung hat laut IHS iSuppli nach sechs Monaten den Rivalen Apple wieder aus der Spitzenposition im Smartphone-Markt verdrängt.

Im zweiten Quartal 2012 hat Samsung den Absatz von Smartphones um 5 Prozent auf 36 Mio. Stück gesteigert, vor allem wegen des starken Wachstums im High-End-Sektor. Dagegen musste Apple einen Rückgang um 26 Prozent auf 26 Mio. Einheiten hinnehmen.

Die Marktforscher von IHS sehen verschiedene Gründe für den Rückgang bei Apple: Neben makroökonomischen Einflüssen spielte der verstärkte Wettbewerb neuer Smartphone-Anbieter genauso eine Rolle, wie das zögerliche Kaufverhalten der Anwender: Sie warten lieber auf die nächste Gerätegeneration als sofort zu kaufen.

»Am Ende des ersten Quartals 2012 waren Angebot und Nachfrage für iPhones noch ausgeglichen«, sagt Wayne Lam, Senior Analyst, Wireless Communications von IHS. »Ende des zweiten Quartals haben sich in den Verkaufskanälen allerdings rund 3 Millionen unverkaufte iPhones angesammelt. Das trug zum Rückgang der Lieferzahlen bei und erinnert an das dritte Quartal letzten Jahres, als die Verbraucher auf das iPhone 4S warteten. Apple kann damit rechnen, dass die Lieferzahlen wieder anziehen, sobald die nächste iPhone-Generation ausgeliefert wird.«

Unterdessen geht der Abwärtstrend für Nokia weiter: Die Zahl der verkauften Smartphones fiel im zweiten Quartal 2012 um 14 Prozent von 12 auf 10 Mio. Einheiten. »Mit dem Wechsel zum Windows-Betriebssystem hat Nokia einen wichtigen Schritt getan und 4 Millionen ihrer Lumia-Smartphones verkauft«, sagt Lam. »Das waren aber nur weniger als die Hälfte der Smartphones, die Nokia insgesamt im zweiten Quartal verkauft hat. Nokia hat also noch einen langen Weg vor sich.«
 
Der Markt wird nun von zwei Firmen dominiert, die sich in jedem Quartal ein Rennen um den ersten Platz liefern: Samsung und Apple. »Apple hat traditionell Produkte entwickelt, die nicht nur die Wünsche und Anforderungen der Kunden vorweggenommen haben, sondern neue Funktionen enthielten, die die Kunden noch gar nicht artikuliert hatten«, so Lam.

Im Gegensatz dazu verfolgt Samsung die Strategie des »Fast Followers« und wirft dutzende Smartphone-Modelle pro Jahr auf den Markt. Das Unternehmen verfolgt die großen Trends auf dem Markt genau, und stattet die Smartphones sehr schnell mit den Funktionen aus, die die Anwender sich wünschen. »Dagegen setzt Apple auf ein einzigartiges Design, das die Kunden begeistert. Apple ist also kreativ führend, Samsung ist ein sehr guter und schneller Verfolger im Produkt-Design«, so Lam.
 
So zielt Samsung erfolgreich auf alle Preissegmente im Smart-Phone-Markt ab, speziell auch auf den Niedrigpreissektor. Und Samsung schaut sich nach Möglichkeiten um, Märkte zu besetzen, die Apple nicht adressiert, beispielsweise Smartphones mit größerem Bildschirm. Auch wenn Apple und Samsung unterschiedliche Produkt-Design-Strategien verfolgen, haben sie doch eines gemeinsam: die Fähigkeit, sich anzupassen. »Wer sich nicht anpasst, dem ergeht es so wie Nokia und RIM, die gerade durch teure Anpassungsprozesse laufen, oder wie Motorola, die Google geschluckt hat«, sagt Daniel Gleeson, Mobile Media Anmalyst von IHS.
 
Auf der Fertigungsebene scheint es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen Apple und Samsung zu geben. Beide kontrollieren sehr erfolgreich ihre Lieferketten. Auch wenn Samsung viele unterschiedliche Designs verfolgt, so konsolidiert das Unternehmen doch Bauteile und Designs. Außerdem nutzt Samsung als Hersteller von Halbleitern und Bildschirmen die interne Lieferkette. So kann das Unternehmen die Größe und die Effizienz erzielen, um mit Apple mithalten zu können.
 
Jetzt haben beide ein Ökosystem etabliert, das ihnen Wettbewerbsvorteile verschafft. Für Apple ist die iOS-Plattform und das darum herum geschaffene Ökosystem wesentlich für den Erfolg. Samsung hat sich von anderen Android-Firmen abgesetzt und eine Nutzergemeinde aufgebaut, die sich loyal zu Samsung verhält anstatt zu Android im Allgemeinen. IHS hat in dieser Analyse nur die Hersteller von Smartphones und Mobiltelefonen berücksichtigt, die bisher ihre Zahlen für das zweite Quartal 2012 veröffentlicht haben. Firmen, die die Quartalszahlen noch nicht geliefert haben, bleiben unberücksichtigt.

Während einige Hersteller die exakten Zahlen über die ausgelieferten Mobiltelefone und Smartphones veröffentlichen, gibt Samsung keine exakte Zahlen an. Die Zahl der ausgelieferten Mobiltelefone und Smartphones hat IHS iSuppli deshalb geschätzt, sie können also von den Einschätzungen anderer Marktforscher abweichen.

Unternehmen

Stückzahlen
Q1 2012 (Mio.)

Stückzahlen
Q2 2912 (Mio.)

Wachstum
Q1/Q2

Samsung9293 0,5%
Nokia83841%
Apple3526-26%
ZTE18208%
LG1413 -4%
Huawei11113%
RIM118-30%
Daten von Unternehmen, die noch keine Quartalsergebnise vorgelegt haben, wurden ausgenommen. Quelle iSuppli