Hintergründe für Fabrikschließungen Renesas: Nachfrageschwankungen und Kostendruck

Mit integrierten Analogfunktionen eignen sich die neuen S1JA-Mikrocontroller  von Renesas für Sensorikanwendungen.

So begründet Renesas temporäre Fabrikschließungen. Anfang März war bei Nikkei Asian Review zu lesen, dass Renesas die Chip-Fertigung in seine Frontend-Fabriken für bis zu zwei Monaten (geplant: Mai und August) stilllegt und seine Backend-Fertigung für mehrere Wochen.

Die Reaktion darauf war heftig – aus der Sicht des Unternehmens aber unberechtigt.
So hat der Artikel dazu geführt, dass der Aktienkurs von Renesas unter Druck geriet. Reagiert die Börse typischerweise mit Kursgewinnen auf Maßnahmen zur Kostensenkung, fiel die Reaktion dieses Mal gegenteilig aus: der Aktienkurs von Renesas fiel um die täglich zulässige Höchstgrenze von 14,6 Prozent. Dass die Anleger so heftig reagierten, dürfte an der Tatsache liegen, dass die Ankündigung, alle Front-End-Fabriken für bis zu zwei Monate komplett zu schließen, ein absolutes Novum darstellt. Selbst nach dem Lehmann-Brother-Debakel und seinen Folgen hat kein Halbleiterhersteller solch drastische Schritte unternommen, obwohl die Auslastungen damals auch alles andere als gut waren. Die Schlussfolgerung: Wenn ein Unternehmen solche Maßnahmen in Erwägung zieht, dann muss es ihm wirklich schlecht gehen – daher die Reaktionen an der Börse.

Falsch interpretiert, so sieht es zumindest Renesas. Wie sieht die Faktenlage aus? Ist bereits entschieden, welche Fabriken wie lange geschlossen werden? Ein Unternehmenssprecher von Renesas Electronics erklärt: »Nein, derzeit überlegen wir noch, ob wir unserer Fabriken temporär stillgelegt werden.« Die Entscheidung, welche Fabriken wie lange stillgelegt werden, hänge von der Nachfrageentwicklung und dem Lieferstatus bei den Kunden ab. Auch sei noch nicht entschieden, ob alle Frontend-Fabriken für zwei Monate schließen, vielmehr sei davon auszugehen, dass die Dauer der Abschaltung von Werk zu Werk unterschiedlich ausfallen wird. Außerdem bestünde noch die Möglichkeit, dass eine Stilllegung im August überhaupt nicht erfolgt. »Wir erarbeiten derzeit einen detaillierten Zeitplan, zu dem wir keine weiteren Informationen veröffentlichen können«, so der Unternehmenssprecher.

Um die einzelnen Details festzulegen, diskutiert Renesas derzeit mit seinen Kunden und Lieferanten. Renesas betont: »Es wird sicher zu keinen Lieferausfällen bei unseren Kunden kommen.« Das heißt, dass die Kunden entweder aus dem bestehenden Lagerbestand beliefert oder noch vor der Stilllegung die entsprechenden Komponenten produziert werden.

Kein Missmanagement

Renesas verfügt über sechs Frontend-Fabriken und drei Backend-Fabriken in Japan. Dazu kommen noch vier Backend-Fabriken außerhalb Japans. Bei den sechs Frontend-Fabriken handelt es sich um folgende Werke: Naka (12 Zoll und 8 Zoll), Saijyo (8 Zoll), Kawashiri (8 Zoll), Takasaki (6 Zoll), Shiga Werk (6 Zoll) und Ube (6 Zoll). Der Vermutung, dass die bestehende Unterauslastung zum einen damit zu tun haben könnte, dass manche Fabriken zu alt sind, um darin noch gewinnbringende Produkte fertigen zu können, zum anderen damit, dass Renesas bekanntermaßen nicht mehr an Geschäften interessiert ist, die nur Umsatz aber keinen Gewinn abwerfen, und dieses dann auch aufgegeben hat, aber noch nicht durch Neugeschäft ersetzen konnte, widerspricht das Unternehmen.